Verloren – gesucht – gefunden

Liebe Gemeinde,

seinen Gegnern und Kritikern versucht Jesus an Hand des Gleichnisses vom verlorenen Schaf, beizubringen, dass sie Zöllner und Sünder nicht ihrem Schicksal überlassen dürfen, sondern ihnen helfend zur Seite stehen sollen.

Verlieren, Suchen, Finden, Verlorensein, Gesuchtwerden und Gefundenwerden, davon erzählt Jesus in dem Gleichnis. Da können wir uns als Verlorene entdecken und ebenso als Suchende und ebenso als Finder und Gefundene wieder finden.

Der Hirte ist beunruhigt, ihm fehlt etwas. Er weiß es genau und deshalb macht er sich auf die Suche.

Verlieren, Suchen und Finden, liebe Gemeinde, Verlorensein, Gesuchtwerden und Gefundenwerden, das sind Erfahrungen, die eine jede und jeder von uns in ihrem, in seinem Leben macht; nicht nur einmal, nein, sondern öfter und immer wieder, als es uns lieb ist.

Eigentlich ist ein davongelaufenes Schaf eine recht gewöhnliche Sache. Es blökt, vielleicht öfter als sonst. Der Besitzer, er schimpft, und es ist zu vermuten, dass er dies öfter tut als sonst. Er macht sich auf den Weg nach seinem verlorenen Schaf zu suchen.

Es war vor drei Jahren, als wir morgens beim Frühstück unsere Pflegetochter vermissten. Sie war nicht in ihrem Zimmer, sie war nicht im Bad, sie war im ganzen Haus nicht zu finden. Ihr Bruder, er musste wohl etwas wahrgenommen haben und meinte schließlich, dass sie bereits gegen 6.00 Uhr mit dem Bus zur Schule gefahren sei. Die Angst in uns, dass ihr etwas passiert sein könnte, stieg. Sofort setzte ich mich ins Auto und fuhr den Weg zur Schule hinter her. An jeder Haltestelle schaltete ich die Nebellichter ein, um hier einen besseren Einblick zu erlangen. Doch nirgends war etwas von dem Kind zu sehen. Die Angst schnürte mir fast die Kehle zu. Nach einer 3/4 Stunde Fahrt, etwa 100 Meter vor dem Schulgebäude, fand ich sie, total verängstigt und durchgefroren. – Gott sei Dank, sie lebte!

Verlieren, Suchen, Finden, Verlorensein, Gesuchtwerden und Gefundenwerden, davon erzählt Jesus. Der Hirte, der seine Herde liebt, will, dass kein Tier verloren geht. Das eine ist ihm so lieb und so viel wert, wie alle anderen auch.

Jeder Zöllner und Sünder ist Jesus ebensoviel wert, wie seine Gegner und Kritiker. Jesus erbarmt sich der einen und ebenso der anderen auch. Sein Erbarmen kennt keine Grenzen und Unterschiede.

Und wir, liebe Gemeinde, machen wir solche Unterschiede? Was ist, wenn wir nach langer Suche nichts finden, oder nicht genug finden? Was ist, wenn die Gesuchten, die wir gesucht haben, mit uns nichts zu tun haben wollen, aus welchen Gründen auch immer? Haben wir vielleicht an der falschen Stelle, zur falschen Zeit, an einem falschen Ort gesucht? Richten wir nicht Trennwände, ja Betonmauern auf, wo wir zu unserer Nächsten, unserem Nächsten Zugang verschaffen sollten? Wo bleibt unsere Liebe zur Nächsten, zum Nächsten?

Jesus geht mit gutem Beispiel voran. Er weiß, wie es in unseren Herzen aussieht. Ja, Jesu weiß, wie es in dem Herzen eines Menschen aussieht, der sich verlaufen hat, der nicht mehr ein noch aus weiß, der in Angst und Verzweiflung lebt und der sich schließlich selber aufgibt.

Verlieren, Suchen, Finden, Verlorensein, Gesuchtwerden und Gefundenwerden, davon erzählt Jesus. Er sucht und er findet. Und einer jeden und jedem von uns, der nicht mehr nach Hause kann, verschafft Jesus die Rückkehr zu ihm, und wenn er ihn oder sie dabei tragen muss.

Ja, liebe Gemeinde, das Verlorene – uns, Sie und ich, wir heute Morgen hier im Gottesdienst – uns suchen, finden und zurückbringen lassen von Jesus, wo wir hingehören – zu ihm. Das ist das, was Jesus uns vorschlägt.

Er, der gute Hirte, der sein Schaf Heim trägt, es füttert, seine Wunden versorgt und mit den anderen Schafen wieder zusammenführt. Dann, liebe Gemeinde, sind alle Trennwände und Betonmauern niedergerissen, dann ist es wieder eine Herde mit einem Hirten – eine Gemeinde.

Ja, wenn das Verlorene und die Verlorenen gefunden werden und wieder dahin kommen, wo sie hingehören, dann ist das Heil da. Dann ruft eure Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ?Freut euch mit mir, ich habe mein verlorenes Schaf wieder gefunden!?

Und sagt ihnen auch, dass bei Gott im Himmel mehr Freude über einen Sünder ist, der ein neues Leben anfängt, als über neunundneunzig andere, die das nicht nötig haben.

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