Unsere Vielfalt entdecken

Gerade mal acht Tage ist es her, da haben wir das Pfingstfest gefeiert – das Fest des Heiligen Geistes. Und heute feiern wir ein Fest, nach dem die Sonntage der nächsten Monate des Kirchenjahres genannt sind. Das Fest der Dreieinigkeit Gottes – Trinitatis.

Jeder Gottesdienst einer feiernden, christlichen Gemeinde beginnt im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Kein Sakrament wird ausgeteilt, ohne dass die Dreieinigkeit, die Trinität, genannt wird. Nach diesen drei Personen der einen Gottheit gliedert sich unser Glaubensbekenntnis. Die erste Person der Dreieinigkeit ist der Schöpfer, die Quelle allen Lebens. Die zweite Person der Dreieinigkeit ist Jesus Christus, der Mensch gewordene Gott, der Liebe lebt und Unrecht leidet, der heilt und Heil bringt. Am Kreuz sterbend wird er der Erlöser aller Menschen und er verwirklicht die geschwisterliche Liebe Gottes zu den Menschen. Er ist der Sohn Gottes und wir sind Gottes Kinder. Die dritte Person der Dreieinigkeit ist der Heilige Geist. Er ist Gottes Wirkkraft in den Propheten, in der Predigt der Kirche und im Trost des Nächsten. Durch ihn ist die Verständigung unter den Menschen über alle Grenzen hinweg möglich. Uns Menschen zeigt sich also der eine Gott auf dreierlei Weise und dabei ist uns wichtig, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist stets beieinander bleiben. Dies spricht der heutige Predigttext in einem wunderbaren Lobpreis an.

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Wenn Menschen für herausragende Leistungen geehrt werden, dann geschieht dies oft in Verbindung mit einer Lobrede auf die betreffende Person. Der Verfasser des Epheserbriefes, Paulus oder ein Schüler von ihm, beginnt seinen Brief ebenfalls mit einer Lobrede. Die zu ehrende Person ist Gott und sein Sohn Jesus Christus, der sein Leben gegeben hat um uns zu erlösen. Den Plan zur Erlösung der Menschheit hatte Gott schon vor der Erschaffung der Welt. Bevor sich Menschen gegen ihren Schöpfer auflehnen konnten, hatte Gott schon unser Heil im Sinn.

Der Verfasser des heutigen Predigttextes macht sich nicht die Mühe, den dreieinigen Gott zu erklären. Er versucht auch nicht ihn zu definieren. Er preist und lobt das Geheimnis Gottes, die Dreieinigkeit, in der er sich uns Menschen auf so unterschiedliche Weise zeigt. Alles, was für unser Leben wichtig ist, das hat Gott uns durch Jesus Christus gezeigt. Und in seiner Liebe hat Gott uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder durch Jesus Christus zu sein. Durch Christus sind wir in die Liebe Gottes mit einbezogen.

Wer liebt, kann seine Liebe nur schwer für sich behalten. Er oder sie muss die Liebe einfach weitergeben. Die Liebe drängt nach außen. So fließt Gottes Liebe über, sie fließt aus Gott hinaus. Gott schafft lauter Liebestaten. Und deshalb kommt Gott durch Jesus Christus zu uns, um in seiner Liebe uns ganz nahe zu sein. In Christus seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zum Lob der Herrlichkeit Gottes.

Wenn wir etwas erben, liebe Gemeinde, dann haben wir in gar keiner Weise etwas dazu beigetragen. Erben ist und so wird es wohl auch in Zukunft sein, eine recht passive Angelegenheit. Da hat ein anderer oder eine andere für uns etwas geschaffen, etwas gespart oder etwas gesammelt, um uns dann zu beerben. Wir sind durch Christus zum Erbteil gekommen, er hat uns in die Liste der Erbenden gesetzt. Wer daran glaubt, dass Christus für die eigenen Schuld gestorben ist, den kann der Tod von Gott nicht trennen. Im Gegenteil, mit dem Tod können wir das von Gott geschenkte Erbe des ewigen Lebens antreten.

Und als Anzahlung auf das ewige Leben erhalten wir hier und heute schon den Heiligen Geist, sozusagen ein Teil von Gott selbst. Der Heilige Geist ist unsere Garantie, unsere Lebensversicherung, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber nicht nur das, liebe Gemeinde, der Heilige Geist befähigt uns dazu, unsere Lebensbestimmung zu erfüllen, nämlich zur Ehre unseres Schöpfers und Erlösers zu leben. Bei unserem Bekenntnis zum dreieinigen Gott öffnet Gottes Liebe uns nach außen und ebenso nach innen. Gott bindet sich an seine Schöpfung, er zeigt sein Gesicht in Jesus Christus und die, die nach ihm fragen, werden durch seinen Geist beseelt.

Über und von Gott zu reden, liebe Gemeinde, nicht nur heute am Fest Trinitatis, bedeutet immer seine Gegenwart zu feiern. Und Gottes Gegenwart zu feiern besagt, seine Lebendigkeit unter uns zu entdecken. Gottes Vielfalt zeigt sich in der Vielfalt seiner Schöpfung – in unserem Singen und Feiern. Gottes Vielfalt zeigt sich in der Vielfalt seiner Schöpfung – in der Liebe, die uns untereinander vertraut macht. Gottes Dreieinigkeit macht uns Mut, unsere Vielfalt zu entdecken und mit ins Leben einzubringen.

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