Unser Gott schafft einfach alles!

Liebe Gemeinde!

Unser Gott schafft einfach alles! Ihm ist nichts unmöglich. So möchte ich – zugegebenermaßen etwas euphorisch – die heutige Predigt beginnen.

Es ist aber doch auch wirklich beeindruckend: Vorhin im Evangelium haben wir von der Auferweckung des Lazarus gehört. Ein Wort von Jesus und der Tote und kommt aus dem Grab. Jetzt die Geschichte wie Petrus auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis frei kommt.

Man überlege einmal. Vier mal vier Wachen, das sind sechzehn Soldaten, die aufgeboten werden einen einzigen Mann, der noch dazu in Ketten liegt, rund um die Uhr zu bewachen. Heutzutage würde man das wohl Verwahrung im Hochsicherheitstrakt nennen – ein Platz für ganz gefährliche Verbrecher! Es war schon „ein dicker Fisch“ den Herodes da in der Person des Petrus an der Angel hatte. Nichts, aber auch gar nichts, sollte dazwischen kommen können, das Schicksal des Apostels zu verhindern. Ein Schicksal, das erst vor wenigen Tagen Jakobus erlitten hatte. Die Hinrichtung durch das Schwert! Keine rosigen Zukunftsaussichten also für Petrus im Gefängnis.

Doch dann sendet Gott einen Engel. Licht leuchtet in der Zelle auf. Ein Schubs damit Petrus aufwacht. Die Ketten fallen ab. Es ist sogar Zeit sich in Ruhe anzuziehen. Auch der Mantel wird nicht vergessen, und dann spazieren die beiden – Petrus und der Engel – aus dem Gefängnis als sei dies das normalste Ding der Welt. Und die Wachen? Die sind nicht einmal einer Erwähnung wert!

Eine phantastische Geschichte ist das, nicht wahr? Es würde mich deshalb auch nicht wundern, wenn Sie als Zuhörer Ihre Probleme hätten, sie für bare Münze zu nehmen. Und Menschen, denen der Glaube egal ist, wären sicherlich schnell dabei, die ganze Erzählung als frommes Märchen hinzustellen und vielleicht mit einer abfälligen Bemerkung ins Lächerliche zu ziehen. Doch auch wenn der Inhalt dieser Geschichte nicht zu beweisen ist, bleibt doch eine Tatsache: Petrus ist damals freigekommen. Gottes Weg mit ihm war noch nicht zu Ende.

Die Gemeinde hatte daran großen Anteil. Sie vertraute in einer schlimmen Situation ganz auf Gott und betete ohne Aufhören für Petrus. Im Nachhinein ist es einfach zu erkennen, dass dies das einzig Richtige war. Doch hätten die Christen damals schließlich auch ganz anders reagieren können, versuchen den Apostel selbst herauszuhauen zum Beispiel. So abwegig wäre das doch gar nicht, oder? Doch die Gemeinde verlässt sich ganz auf Gott, gibt ihm Raum zum Handeln.

Und Petrus, der verhält sich auffällig passiv. Nun gut, was soll er groß tun. Also schläft er einfach. Aber mal ehrlich, schlafen in der letzten Nacht in der Todeszelle? Normal ist das nicht gerade. Es gibt ja viele Berichte von Verurteilten, die auf ihre Hinrichtung warten mussten, kaum einer von ihnen hat in den letzten Stunden geschlafen! Unaufhaltsam verrinnt da die Zeit, Minute um Minute, ganz langsam und doch rasend schnell, Todesangst und Hoffnung, Gefühle die vieles zulassen aber in den seltensten Fällen einen ruhigen Schlaf. Doch Petrus schläft, ganz ruhig, im Vertrauen auf Gott, sodass ihn der Engel erst aufwecken muss, als es hell wird in der Zelle. Ein bewundernswertes Vertrauen, ob wir das auch aufbringen könnten? Selbstverständlich ist das ja nicht! Denn wie die Sache ausgehen wird, wusste Petrus ja nicht vor dem Einschlafen. Immerhin ist schon Jakobus getötet worden, und warum sollte jetzt gerade Petrus gerettet werden?

Nun, da haben wir es ja endlich, dieses magische Wörtchen „warum“ ohne das wir Menschen kaum auskommen können und meistens ist es ja auch ganz gut so nachfragen zu können warum etwas so und nicht anders ist.

Warum also erzählt uns die Bibel davon, dass Jakobus, schließlich auch einer der zwölf Jünger Jesu, hingerichtet, Petrus aber auf wunderbare Weise gerettet wurde. Warum überhaupt mussten schon so viele Christen für ihren Glauben sterben, von der Arena des Circus Maximus bis hin in die Diktaturen unserer Zeit? Ab hier ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu der weitergehenden Frage: „Warum eigentlich, kannst du das alles zulassen, Gott?“ Man ist schnell bei der Hand mit diesem Vorwurf angesichts der Not und des Leids auf dieser Erde. Warum sterben unschuldige Menschen bei Verkehrsunfällen, verhungern Kinder in der Dritten Welt, überziehen brutale Kriege weite Landstriche? Warum, warum, warum …

Viele meinen über dieser Frage, nicht mehr an Gott glauben zu können. Hilf dir erst mal selbst, dann hilft dir vielleicht auch Gott, so lautet dann die Devise. Und es wird erst einmal versucht, mit eigener Kraft weiter zu kommen!

Doch wie hätte unsere Geschichte mit Petrus im Gefängnis ausgesehen, mit einem dick unterstrichenen „warum“? Warum ich? Warum passiert nichts? Warum lässt Gott seine Feinde über mich triumphieren? Meinen Sie, Petrus hätte mit so vielen Fragen auch so ruhig geschlafen? Meinen Sie, die Gemeinde hätte es tatsächlich durchgehalten ohne Unterlass für ihn zu beten?

Ich glaube, es wäre dann wohl doch naheliegender gewesen, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen. Spektakuläre Ausbrüche hat es schon viele gegeben und von Überfällen auf Gefängnisse hat man auch schon gehört. Vermutlich wäre es dann zu Blutvergießen gekommen. Vielleicht hätte es auch Tote gegeben – über die man sich dann auch wieder hätte beklagen können: „Warum denn nur, Gott!“ Was immer einfacher ist als zu fragen, warum habe ich das jetzt so angezettelt? Warum habe ich nicht erst einmal Gott zu Wort kommen lassen. Warum ist die Welt so wie sie ist, habe ich nicht auch meinen ganz persönlichen Anteil an all dem Leid und der Not?

Ich weiß nicht warum Petrus gerettet wurde und Jakobus nicht, aber ich weiß, dass Gott seine Sache richtig gemacht hat, auch wenn ich – wie so oft – seine Wege mit meinem Verstand nicht nachvollziehen kann. Aber ich habe aus dieser Geschichte gelernt, wie wichtig es ist, Gott den Raum zu geben, der ihm zusteht, erst einmal auf ihn zu hören, bevor ich selbst losstürme und mit meinem Schwung mehr kaputt mache als richtig. Das haben uns die Christen der Urgemeinde und Petrus im Gefängnis vorgelebt. Und sollte Gott wollen, dass wir handeln, dann wird er es uns rechtzeitig wissen lassen. So können auch heute noch Wunder passieren, selten so große wie in unserer Geschichte, aber vielleicht kleine über die wir dann doch staunen, weil wir nie geglaubt hätten, dass sich die Angelegenheiten, die uns so sehr beschäftigen, auf so wunderbare Weise lösen können.

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