Umsonst – aber nicht vergeblich

Liebe Gemeinde!

"Wohlan alle, die ihr durstig seid. Kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt. Kommt her, kauft und esst. Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch." Da hat sich im 6. Jahrhundert vor Christus der Nachfolger des Propheten Jesaja aber ein griffiges Marketingkonzept zur Verkündigung der frohen Botschaft einfallen lassen. Ich stelle mir vor, er steht irgendwo auf einem der orientalischen Märkte in Babel, den die dort im Exil lebenden Juden gemeinsam mit den Einheimischen abhielten und hat sich als Markthändler verkleidet.

Da wird alles angeboten, was man so zum Leben braucht, da wird gefeilscht und gestritten, da werden allerlei Güter angepriesen, die das Leben angenehmer und wertvoller machen sollen. Wertvolle Gewürze und Stoffe, Nahrungsmittel vielleicht, aber auch allerlei sinnloser Tand wird darunter gewesen sein. Und er, Jesaja, steht also inmitten des orientalischen Basars und brüllt aus Leibeskräften: Kommt her zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt her und kauft. Kommt her und kauft ohne Geld umsonst Wein und Milch. Da werden die Menschen schön geströmt sein, werden sich neugierig, vielleicht lachend um den herum geschart haben, der seine Ware umsonst anbietet. Kann man doch gar nicht glauben, dass es da was umsonst geben soll. Alles hat doch seinen Preis.

Und wenn es umsonst ist, ist es dann nicht nur Ramschware? Was ist es dann noch wert? Naja, so fremd dürften uns die Verlockungen eines außerodentlichen Schnäppchens nicht sein, liebe Gemeinde. Da kostet das Handy auf einmal Null Mark und das Auto grade Mal 229 Mark im Monat. Die Briefkästen quillen über von verlockenden Angeboten. Ich weiß gar nicht wie oft ich schon gewonnen habe, ohne auch nur einen Gewinn bekommen zu haben. Eigentlich müsste man das Zeugs unbesehen ins Altpapier werfen, aber so einen kurzen Blick wirft man doch drauf. Eigentlich weiß man ja, dass das nicht echt ist, dass die Sache einen Haken haben muss. Das Handy ist nur umsonst, weil dafür das Telefonieren umso teurer ist, die zu zahlende Monatsrate fürs Auto ist so gering, weil im Kleingedruckten dann die Feinheiten stehen. Ich muss 8000 Mark anbezahlen und das Auto kostet mich bei Licht besehen durch den Finanzierungsvertrag deutlich mehr als sonst und die Gewinne, die mir fast wöchentlich zugeschickt werden, verfolgen nur das Ziel, dass ich eben doch eine Bestellung mache. Also auch alles nur Schwindel, was der als Marktschreier verkleidete Prophet da verspricht? Umsonst Wasser? Umsonst Wein und Milch?

Wir ahnen schon, liebe Gemeinde, dass es dabei nicht um Wein und Milch im eigentlichen Sinne geht, sie waren in damaliger Zeit Symbole, Zeichen für das Leben in seiner ganzen Fülle. Und schon wirds ernster. Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist und gebt euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch an Köstlichem laben.

Da verspricht Jesaja also nicht nur das Leben in Fülle, verspricht dass unser Durst nach Leben gestillt wird, verspricht, dass unser Hunger nach Leben gesättigt wird, aber er stellt auch in Frage, wie wir bisher versuchen unseren Durst und unseren Hunger nach Leben zu stillen. Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist und gebt euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Da fühlen wir uns natürlich direkt angesprochen und wir sehen all die Angebote und Lebenshilfen im Schaufenster des Marktes der religiösen Möglichkeiten liegen. Ein finanzstarker und heiß umkämpfter Markt bemüht sich um Sinngebung und will uns den Weg zum Erfolg zeigen. Da rauschen wir berieselt mit Meditationskassetten über die Autobahn, lernen über glühende Kohlen zu gehen oder bekommen durch Motivations- und Persönlichkeitstrainer gesagt, wie wir cooler, härter und erfolgreicher werden können. Tja und schon hat dein bescheidens Leben eine neue Qualität. Da sollen uns Steine aus Bergkristall neue Kraft geben und andere Steine unsere negativen Energien ausschalten, da lernen wir, dass unser ganzes Leben bisher gescheitert ist, weil wir auf einer Wasserader geschlafen oder noch nicht laut genug Ommmmmm gemurmelt haben. Da werden uns klingende Kugeln für das beruhigende Handspiel angeboten und vieles mehr. Natürlich nicht umsonst, aber dafür meistens vegeblich. Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist und gebt euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?

Ja, warum eigentlich nur, liebe Gemeinde? Ich sehe zuerst einmal unsere Sehnsucht darin nach einem anderen Leben, nach einem Leben, das die Oberfläche verlässt und in die Tiefe geht. Je tougher und härter die Welt ist, desto größer ist wohl unsere Sehnsucht auch weich und gefühlvoll sein zu dürfen, je verlorener ich inmitten der Massenkultur und Massenproduktion bin, je mehr ich mich als kleines einzelenes Rädchen im Wirtschaftskreislauf meiner Gesellschaft fühle, desto mehr steigt mein Wunsch nach Selbstfindung. Und die ist uns was wert. Die darf sogar was kosten und weiß Gott nicht wenig. Für Geld kann man sich alles kaufen. Aber wir wissen es doch besser: Schön, wenn wir einen gewissen Wohlstand haben, aber Geld allein macht eben auch nicht glücklich, es macht noch nicht einmal zufrieden, das zeigen uns immer wieder die Berichte von Menschen, die scheinbar alles haben und sich wahrscheinlich alles leisten und kaufen können, nur eben ein Leben nicht, das sie glücklich macht, ein Leben vor allen Dingen, das seinen Sinn auch dann noch macht, wenn es in die Tiefe geht und hinter die wackligen Grundmauern des Wohlstandes schaut. Wir erleben es doch immer wieder an uns, es ist ja fast schon ein Merksatz, den ich immer wieder sage: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die haben wir nicht in der Hand, die können wir auch nicht kaufen, die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die bekommen wir geschenkt, die empfangen wir von Gott, wie kleine Kinder.

"Neigt eure Ohren zu mir her. Kommt her zu mir. Hört, dann werdet ihr leben. Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, will euch die beständigen Gnaden Davids geben." Und nun kommt her, Wer Ohren hat zu hören, der höre. Merkt auf und hört gut zu. Es ist Gott, der zu euch spricht.

Ich habe einen Bund mit euch gemacht, auf ewig. Ich gehöre zu euch. Und vor allem, ihr gehört zu mir. Ich habe einen Bund mit euch gemacht und der ist unkündbar. Ich habe meinen Sohn gesandt. Er hat euch gezeigt, wie Leben aus der Tiefe der Liebe möglich ist. An ihm könnt ihr sehen, dass Leid nicht zu vermeiden ist, er ist gestorben. An ihm könnt ihr aber auch sehen, dass ich bei euch bin auf allen Wegen, auch im Leid, auch im Tod und auch über den Tod hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Ich bin die Quelle des Lebens und in meinem Lichte seht ihr das Licht. Umsonst. Aber nicht Vergeblich. Es ist alles für euch getan. Und nun lebt euer Leben. Lebt es mit Freuden. Und lebt es mit Gott. Vertraut euch ihm an. Vertraut ihm mehr, als allem, was ihr euch kaufen und leisten könnt. Und fürchtet euch nicht. Um des Himmels willen. Fürchtet euch nicht. Ihr seid erlöst.

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