Um Antwort wird gebeten

<i>[Hermeneutische Überlegung:
Adressat sind die Etablierten, denen vorgehalten wird, den Entscheidungsruf zur Basileia zu ignorieren, weshalb "Unwürdige" an ihrer Stelle berufen werden. Die dritte Einladung an die außerhalb der Stadt ist wohl allegorische Erweiterung zur Heidenmission – nachklappend, kaum von Jesus. Ansonsten passt das Gleichnis gut in die Basileia-Verkündigung. Folgendes soll in der Predigt deutlich werden:
1) Das Evangelium der Einladung
2) Die Entscheidung an der Einladung – Gottes Fest ist keine verschiebbare Lebensdekoration
3) Wo/Wie bekomme ich die Einladung?
4) Kontextuelle Frage über das Gleichnis hinaus: Was veranlasst mich überhaupt, diese Einladung anzunehmen?

Gliederung:
I. Eigene Erzählung als Gegenfolie: Gastgeber stimmt seine Party mit uns ab.
II. Jesu Gleichnis: Unterschiede werden herausgearbeitet
III. Gott lädt uns ein – wozu?
IV. Die Einladung im konkreten Leben]</i>

Liebe Gemeinde,

I.
was sagen Sie zu folgender Geschichte: Ein wohlhabender Mann aus ihrem Bekanntenkreis will eine Wohltätigskeits-Party veranstalten, groß aufgezogen mit Grillen und Tanz und Tombola für Obdachlose usw. Und er ruft Sie an, lädt Sie ein und sagt: Am 30. dieses Monats soll es sein. Gut, sagen Sie, vielen Dank für die Einladung, ich muss das terminlich noch klären und gebe dann Bescheid. Sie freuen sich so richtig auf dieses Fest, denn bei diesem Gastgeber, bei dessen Garten mit Swimming-Pool kann das eigentlich nur toll werden. Aber jetzt stellen Sie fest: An jenem 30. sollten Sie Ihr neues Auto in Wolfsburg abholen. Ah, ist das schlecht, den Termin können Sie nicht mehr kippen. – Sie rufen also den Gastgeber wieder an und sagen ihm, dass es leider nicht geht. Der Gastgeber sagt, ja er hat auch schon von anderen gehört, dass dieser Termin schlecht passe, er will deshalb verschieben auf den 1. des nächsten Monats. – Und langer Rede kurzer Sinn: Sie können da; die Party findet glanzvoll am neuen Termin statt und Sie können bereits mit dem neuen Wagen vorfahren. – Ein paar Obdachlose, für die die Tombola bestimmt ist, sind sogar auch da, für die war der Termin ja eh egal. Und so ist wirklich allen geholfen: Sie konnten Ihre wichtigen Angelegenheiten noch erledigen und jetzt trotzdem mitfeiern, die Obdachlosen müssen nicht fürchten, dass ihre Tombola wegen Gästemangels ein Flopp wird und der Gastgeber kann genauso froh sein, dass durch die Terminverschiebung die Party zum vollen Erfolg wird. Liebe Gemeinde, wäre das nicht eine Geschichte, die auch Jesus erzählen könnte, wenn er heute bei uns predigen würde? Sagen wir mal, der Gastgeber ist Gott: Wäre das nicht wirklich ein menschenfreundlicher Gott? Endlich mal kein arroganter Macht-Gott, der von oben herab bestimmt, sondern ein Gott, der Rücksicht nimmt; der zwar reich ist und uns geben kann, was wir nicht haben und doch manchmal gern hätten, der aber Rücksicht nimmt auf das, was wir vorhaben; ein Gott, der sich auf uns einstellt. Ist das nicht eigentlich der Gott, den wir wollen?

II.
Nun, liebe Gemeinde, Jesus sitzt einmal, so berichtet Lukas, bei einem Pharisäer zum Essen und erzählt folgende Geschichte:

[TEXT]

Der hervorstechendste Unterschied zu meiner Geschichte vorhin ist doch, dass dieser Gastgeber so schnell und so stark beleidigt ist. Ja die, die zu seiner ja wirklich kurzfristigen Einladung nicht können – wegen wirklich wichtiger Gründe, das sind ja alles keine faulen Ausreden – die werden sogar aus der Freundesliste gestrichen. Unflexibel, wirklich unflexibel scheint dieser Gastgeber zu sein. Dann – richtig trotzig – lässt er sein Fest doch stattfinden, obwohl die wichtigsten Gäste nicht kommen können, und holt sich dafür nur noch Notleidende von der Straße – wahllos. Und als sein Haus noch nicht voll ist, lässt er noch mehr Leute – diesmal "Pack" von außerhalb herbeibringen für dieses seltsame Fest.
Dieser Gastgeber ist ja ohne Zweifel Gott. Also Gott gibt ein Fest und ist nicht bereit, es mit unseren Belangen abzustimmen. Er lädt ein und will, dass wir sein Fest wichtiger nehmen als alles, was unser Leben so mit sich bringt. Und weil dieses Fest so wichtig ist, kann und darf es nicht verschoben werden. Was verschiebbar ist, was auf alle Rücksicht nehmen kann, ist offenbar nicht so wichtig, jedenfalls nicht wichtiger als der Alltag. Das sehen wir doch auch in unserem Leben: Bei den wirklich großen Festen – also Konfirmation, Hochzeiten oder große runde Geburtstage – da kriegen wir meist eine schöne, vielleicht gedruckte Einladungskarte mit festem Datum und unten steht dann oft: U.A.w.g. – Um Antwort wird gebeten. Da signalisieren wir ja auch: Z.B. wir heiraten jetzt und das ist das wichtigste Fest, das wir als Partner zu feiern haben und da können wir jetzt nicht Rücksicht nehmen, ob da auch wirklich alle kommen können. Gebt uns Antwort, ob ihr kommen wollt oder nicht. Und da regt sich bittesehr auch niemand auf, dass die Brautleute etwa rücksichtslos wären. Nein, alle, die eingeladen sind, verstehen das, verstehen die Wichtigkeit des Festes und müssen nun schauen, ob sie ihre Belange darauf abstimmen wollen oder nicht. Also seien wir vorsichtig zu sagen, Gott sei mit seiner Einladung rücksichtslos und unflexibel: Wäre er das wie der Veranstalter der Garten-Party vom Anfang, dann würde er sein eigenes Fest abwerten. Dann wäre sein Fest ein nettes Zusatz-Event für unser Leben, ein Sahnehäubchen, ein Schmankerl, das man sich gerne gönnt, für das man aber auf nichts verzichtet, was einem sonst wichtig ist. Gottes Fest beansprucht uns also ganz, drum ist es nicht verschiebbar und nicht kombinierbar. Gottes Fest und gleichzeitig das neue Auto, das geht eben nicht. Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen, sagen wir ja auch. Oder wie es ein Theologe einmal auf den Punkt brachte: Neben Jesus gibt es kein Und! (H. Kutter)

III.
Nun wird es aber Zeit, liebe Gemeinde, dass wir uns klarmachen, wo wir in dieser Geschichte stehen. Denn das wäre zu einfach zu sagen: Jesus hat das Gleichnis ja vor Pharisäern erzählt und wenn diese Oberen der Juden die Einladung ausschlagen, dann sind wir doch einfach die, die nachträglich hereingeholt werden. Und deshalb sind wir sowieso dabei. – Genausowenig wie nach Jesus die Juden aus ihrem Judesein Vorteile ziehen können, sowenig sind wir im Vorteil, weil wir keine Juden sind. Das heißt für Jesu Ge-schichte: Wir sind einzeln eingeladen wie die, die der Knecht zuerst fragt. Wir sind gefragt, ob wir mitten in unserem Lebensalltag trotzdem bereit sind für Gottes Einladung – und wir kriegen vorgehalten, dass wenn wir absagen – dass Gott sein Haus dann mit Menschen füllt, die gar nicht erwarten können zu irgendetwas eingeladen zu werden und die deshalb umso dankbarer kommen. Das nämlich ist der Sinn dessen, dass Notleidende und Unwürdige nachgeladen werden: Die sagen überrascht und umso bereitwilliger und freudiger zu, weil sie gar keine Alltags-Geschäfte haben, die sie abhalten könnten. Und das genau will Gott als Antwort auf seine Einladung: Dass man alles spontan stehen und liegen lassen kann, weil nichts wichtiger ist als diese Einladung, weil man sich für Gott frei macht vom Lebens-Getriebe. Das will nun Gott auch von denen, die ein Leben in Berufsarbeit und Partnerschaft führen, die im Alltag sogenannten Sachzwängen unterworfen sind und vielleicht eine Familie zu ernähren haben. Und also will Gott dieses Bereit-Sein, dieses Spontan-Sein, diese Freiheit für ihn auch von uns. Jetzt sagen Sie vielleicht: Gut, bei meinem Beruf weiß ich aber bei aller Hektik, was ich davon habe: Geld natürlich, gewisses Ansehen, aber auch Bestätigung; ich bin für etwas gut, für etwas da. Und genauso meine Familie: Natürlich läuft nicht immer alles rund mit dem Partner, mit den Kindern; aber im ganzen gibt die Familie doch viel Halt, viel Freude, viel Geborgenheit. Und das soll ich alles hintan stellen, weil Gott ein Fest gibt? Ja, was habe ich denn von diesem Fest? Es gibt doch heute soviele religiöse Angebote. Warum soll ich diese Einladung annehmen? – Durchaus berechtigte Fragen! Nun was das genau für ein Fest ist, lässt sich aus dem Gleichnis Jesu nicht genau ersehen. Jesus hat überhaupt nicht gerne spekuliert und phantasiert. Aber er gibt eine Ahnung von diesem Fest in seinen Gleichnissen, unserem hier und anderen und natürlich in seinem Verhalten. Ich will nur zwei Punkte anführen, die Sie wohl alle kennen: Jesus ging selbst gern zu Festen; so gern, dass er als Fresser und Weinsäufer beschimpft wurde. Und er feiert mit allen, mit Pharisäern ebenso wie mit Zöllnern, Sündern, Huren. Damit zeigt er, dass Gott alle zu einem neuen Anfang einlädt. Gott schafft ein Miteinander, bei dem die Vergangenheit nicht mehr zählt und bei dem der Vorrang, den jemand in der Welt hat, nicht mehr zählt. Natürlich soll diese Festgemeinschaft auch Veränderung bewirken: Der Pharisäer soll nicht mehr arrogant auf den Sünder blicken; der Zöllner nicht mehr ausbeuten. Das heißt nichts anderes, als dass sie das, was bisher ihren Alltags-Betrieb bestimmte, aufgeben für das Feiern mit Jesus. Neben Jesus gibt es kein Und! Oder denken Sie als zweites Beispiel an das Gleichnis vom Verlorenen Sohn: Nach Schuld, Absturz und Not will er als Knecht wieder anfangen und wird doch als Sohn mit einem großen Fest wieder aufgenommen. Natürlich ist auch er ein anderer geworden. Seine Selbstsucht ist dahin, weil er erfahren hat, was Schuld und was Vergebung ist. Und doch ist solche Veränderung, solche Buße, nicht das Letzte und Eigentliche, was Gott mit uns erreichen will, sondern eben das Feiern, die befreite, lastlose, drucklose und zwanglose Freude, das Feiern als engste Form menschlichen Beisammenseins. Ein Fest, bei dem sich niemand schämen muss für das, was er war und ist; ein Fest, bei dem alle allen gern begegnen und keiner sich vor anderen verdrücken muss; ein Fest, bei dem es keine Rangordnung für die Gäste gibt, weil Gott alle frei und gleich und geschwisterlich gemacht hat. Liebe Gemeinde, das ist das Fest, zu dem Sie, wie Sie hier heute da sind, eingeladen sind!

IV.
Nun könnten Sie fragen: Ja woher weiß ich das? Wie sieht diese Einladung aus? Wo finde ich sie? Die Welt mit ihrem Alltags-Getriebe kann diese Einladung nicht aussprechen. Das menschliche Miteinander, das die Welt bietet, ist brüchig, das erfahren wir alle Tage bei uns und anderen. Die Feste, die die Welt bietet, geraten entweder zur Verherrlichung der "VIPs", also der Ungleichheit zwischen uns oder sie verflachen zur bloßen Party. Nein die Einladung zu Gottes Fest muss von Gott selber kommen und deshalb spricht er sie aus in der Predigt – so wie ich Ihnen heute diese Einladung ausrichten darf – ; oder sie ergeht im Gespräch eines Christenmenschen mit jemand anderem und natürlich ist sie auch aus der Bibel zu vernehmen. Deshalb bedürfen wir dieser drei Dinge: Gottesdienst, Seelsorge untereinander und Bibel-Lese, damit wir Gottes Einladung nicht versäumen. Aber was heißt es nun konkret, diese Einladung wichtiger zu nehmen als das, was der Alltag von uns fordert? Denn selbstverständlich sollen wir auch von Gott aus unseren Alltag bewältigen, denn hier sind wir an unsere Mitmenschen gewiesen. Also weil dieser Alltag wichtig ist und unser Leben ist, darum ergeht Gottes Einladung genau in diesen Alltag hinein. Und dass wir die Einladung annehmen, auch das muss sich wieder im Alltag bewähren. Aber wie geht das? Es geht so, dass wir offen bleiben für Gottes Fest; dass wir im Hinterkopf behalten, was Gott mit seinem Fest will und dass wir deshalb wie Jesus etwas von Gottes Fest schon hier im Alltag andeuten können. Etwa, indem wir uns von Schuld und Not nicht niederdrücken lassen, sondern befreit anderen entgegentreten. Oder etwa, indem uns unser Ansehen in der Welt weniger kümmert als die Wahrheit, sodass wir getrost für diese einstehen. Oder etwa so, dass wir uns vom guten oder schlechten Ansehen, das andere haben, nicht beeindrucken lassen, sondern unvoreingenommen mit ihnen sprechen, essen, feiern. Und etwa so, dass auch wir in unsere Gemeinschaft die mithineinnehmen, die auch Gott nie vergisst: Die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen. – Und diese Gelegenheiten, liebe Gemeinde, sind eben die, wo dieser Konflikt aufbrechen kann in uns: Was nehme ich jetzt wichtiger? Gottes Fest oder meinen Alltag, meinen Rhythmus, meinen Tages-Plan? Hier kann es eben sein, dass der Alltag durchbrochen werden muss, damit Gottes Fest Raum gewinnt – spontan! Hier wird die Frage entscheidend: Vertage ich Gottes Fest auf den SanktNimmerleinstag oder verschiebe ich den Alltags-Plan? Wenn sich so eine bestimmte Gelegenheit zeigt, hat nur eines Platz: Gottes Fest oder der Alltag – und dann gilt wieder: Neben Jesus gibt es kein Und! So seien Sie gewiss, dass Gott auch Sie jetzt und hier einlädt zu seinem großen Fest. Er will Sie persönlich und damit uns alle zusammen dabei haben in seiner großen Runde. Und deshalb heißt es auch in Ihrer Einladung: Um Antwort wird gebeten!

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