Trost

Exil – das ist wie das Leben der ChristInnen in vielen Staaten dieser Erde, in denen offene christliche Religionsausübung verboten oder bedroht ist. Exil das heißt mit seinem Glauben und seinem So-Sein in der Freme leben zu müssen. In Griechenland z.B. ist es verboten, Mission zu treiben. In der Türkei oder im Iran ist jede Werbung für den christlichen Glauben untersagt. Diese Liste ließe sich erweitern. Wir leben in einem freien Land, in dem wir uns zwar durch Glaubensaussagen lächerlich machen können, zum Gespött der Leute, aber wir sind frei und in unserer Glaubensausübung sogar geschützt. Wir können Spott hören, wenn wir uns am Arbeitsplatz oder in der Schule als GottesdienstbesucherInnen oder als kirchliche MitarbeiterInnen zu erkennen geben. Aber gerade jetzt im Advent ist dann auch irgendwie „das Christliche“ gefragt, tigendwie sindd dann doch alle christlich – und wir fragen dann lieber gar nicht, was die Menschen damit genau meinen.

Das Volk Israel vor 2500 Jahren (zumindest die Oberschicht) lebte im wirklichen Exil, in der Verbannung, weit weg von ihrem Vaterland, dem Land, das ihnen Gott geschenkt hatte. In dieser Situation musste jeder seinen Weg finden. Dafür kannten die Israeliten drei Antworten:
1. Das Einrichten: ‚So ist es halt – man muss sich anpassen und zurechtbiegen‘
2. Das Klagen: „Alles ist so schlimm – aber was können wir machen?“
3. Den Advent Gottes – die Erwartung seines Heils feiern. Von diesem Advent erzählt unser prophetischer Text Jesaja 40,1-11. Einer aus dieser dritten Gruppe hatte eine Erscheinung. Eine Vision, die ihn beauftragte, Gottes Willen weiterzusagen – und das sagte er:

[TEXT]

Der Prophet ist Zeuge einer himmlischen Versammlung. In dieser Versammlung erhält er den Auftrag zu predigen. Dieser Auftrag macht ihn ratlos. Er ist kein Medienmensch, der ein Mikrofon sieht und schon losplappert. Er hat Angst. Er wird berufen in das prachtvolle Werk Gottes und er ist hilflos. Er weiß um seine Schwächen – und kann es darum nicht glauben, dass Gott ihn beruft. Vielen Propheten ist es so gegangen. Er beruft nicht die Profis, nicht die, die wir für die Besten halten. Er beruft, wen er will.

Die Botschaft: Das Volk, das sich gottverlassen fühlt ist nicht verlassen, sondern es soll Trost erfahren. Echten Trost, keinen billigen Seelentröster. Das Exil in Babylon vor 2500 Jahren war das eine. Das Exil heute das andere. Menschen, die unter dem Druck stehen, etwas sein zu sollen, zu wollen und es doch irgendwie nicht fertigbringen. Auch Menschen, die sich selber unter den Druck setzen und das zusammen bringen wollen, was nicht zusammen geht. Erfolgreich auf allen Ebenen: gut besser – der Beste. Viele Menschen führen ein Leben das krank macht. Sie leben im Exil, weitab von ihrer eigenen Persönlichkeit. Selbst die ruhige Beschaulichkeit des Advent setzt viele unter Druck: Feier im Betrieb, im Verein, in den Schulklassen der Kinder. Dazu der Wettbewerb, der in manchen Straßen ausbricht, wer das bestgeschmückte Haus hat. Und das Ziel: Weihnachten als Mega-Event.

Trost kommt von Gott her – ob ich ihn hören kann, hören will. Ob ich bereit bin, mich auf die Straße Gottes einzulassen. Ob ich bereit bin, meinen Glauben zu leben – auch mit allen Widersprüchen? Er macht sich Mühe um sein Volk – Mühe um mich. Der Bau einer Königsstraße in der Wüste wird plastisch beschrieben – kein Werk, das Menschen so vollführen können – Gottes Werk ist es. Eine Autobahn in die Heimat wird vorbereitet. Die Wüste wird eingeebnet, damit die Menschen auf Gottes Straße in die Freiheit fahren können. Nicht unter der Überschrift: Freie Fahrt für freie Bürger sondern: freie Bahn für Gottes Willen. Freie Bahn, damit Freiheit werden kann unter den Menschen. Damit sie leben können, was sie sind: Gottes geliebte Kinder. Damit sie ihren Glauben leben können – auch in einer Welt, die immer weniger christlich geprägte Welt ist.

Trost ist die entscheidende Botschaft der Adventszeit – nicht Vertröstung, nicht wegsehen, sondern echter Trost, der versucht im hier und jetzt Hilfe zu schaffen – und betet um die Gerechtigkeit, die von Gott kommt, die Liebe, die kommt, wenn Weihnachten wird.

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