Treue – ein deutsches Fremdwort

Liebe Gemeinde,

Smyrna ist heute die Stadt Izmir, eine der größten Städte der Türke. Zur Zeit des Johannes war sie eine reiche Hafen- und Handelsstadt in der römischen Provinz Asien am Ägäischen Meer; am natürlichen Endpunkt einer alten Handelsroute. Die Stadt war für ihre Schönheit und ihre prächtigen Gebäude bekannt; ihr Umland war sehr fruchtbar. Dank ihres ausgezeichneten Klimas, ihrer günstigen Lage und der guten Wasserversorgung entwickelte sich Smyrna zu einer der wohlhabendsten Städte Kleinasiens. Das frohe Botschaft von Jesus erreichte Smyrna wahrscheinlich von Ephesus aus.

Die christliche Gemeinde litt damals unter Verfolgung und Verleumdung. Das kam nicht nur von der heidnischen Bevölkerung, sondern auch aus der frommen jüdischen Gemeinde. Der an sie gerichtete Brief ist das einzige der sieben Sendschreiben, das keinen Tadel enthält. Die Sendschreiben können wir mit dem Halbjahreszeugnis in der Schule vergleichen. Es ist zwar nicht für die Versetzung der Schüler entscheidend, aber es zeigt den aktuellen Leistungsstand an. Das Sendschreiben gibt der Gemeinde in Smyrna eine sehr gute Note, doch die Treue zu Jesus muss durchgehalten werden, denn auf das Abschlusszeugnis kommt es an.

Johannes bekommt die sieben Sendschrieben direkt von Jesus diktiert. Der Leiter der Gemeinde wird direkt angesprochen, stellvertretend für die anderen und weil er die Aufgabe hatte, den Brief der Gemeinde vorzulesen. Hier redet also Jesus durch Johannes an die Gemeinde und er stellt sich zuerst einmal vor …

Jesus stellt sich vor
"Der Erste und der Letzte" – Mitten in der Verfolgung wird die Gemeinde an ihren mächtigen Herrn erinnert. Er hat das erste und das letzte Wort in der Weltgeschichte. Ihre Feinde und Verfolger, auch der scheinbar übermächtige Kaiser Domitian, haben nur begrenzte Macht und müssen einmal vergehen.

"Der tot war und nun wieder lebt." – Aber auch dem der die Welt in seinen Händen hält wurde das Leiden nicht erspart. Er musste durch ein gewaltsames Sterben hindurch. Wer ihm nachfolgt, dem bleibt nicht immer Leiden erspart. Doch Jesus weiß dass und er kennt unsere Lage.

Jesus kennt unsere Lage
"Ich kenne" – zeigt das Jesus die Lage der Gemeinde kennt. Jesus kennt die Not der Seinen, wir müssen ihn nicht erst darauf aufmerksam machen. Die Christen in Smyrna waren Bedrängnissen und Verleumdungen ausgesetzt. Auch mussten sei für ihr Christusbekenntnis wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, die sie bis in die Verarmung führten. Verfolgung und Armut bestimmte den Alltag der Christen in Smyrna.

Das ist aber nur die eine Seite der Wirklichkeit. Jesus sagt hier: "doch in Wirklichkeit bist du reich". Reich im Glauben an Jesus und reich an Treue zu Gott. Das gilt es festzuhalten und auch in Zukunft zu bewähren.

Jesus gibt Weisung für die Zukunft
"Wer durchhält und das Böse besiegt" – Jesus möchte, dass die Gemeinde in Smyrna ihre Treue und ihren Glauben festhält. Ungefährt sechzig Jahre später im Jahr 155 starb der alte Gemeindevorsteher Polykarp in Symrna den Märtyrertod. Wir sind heute anderen Gefahren ausgesetzt als Gefängnis, Verfolgung und Tod, davon unten mehr.

"Dem wird der zweite, der ewige Tod nichts anhaben können." – Nachdem das Sendschreiben ein Halbjahreszeugnis ist, wird hier auf das Abschlusszeugnis hingewiesen. Es kommt darauf an, die Treue zu Jesus durchzuhalten. Darum wird es im folgenden gehen:

Treue – ein deutsches Fremdwort
Treue gehört heute leider nicht mehr zu den selbstverständlichen Dingen. Heute ist Volkstrauertag. Wir denken an die Menschen, die in den beiden Weltkriegen und in den vielen anderen folgenden Kriegen ihr Leben lassen mussten. Wir können wir viel Treue finden, einmal unabhängig davon wie wir es beurteilen. Unverbindlichkeit und eigene Vorteile werden immer mehr zu dem Maßstab unseres Handelns. Immer weniger Menschen binden sich Lebenslang an einen Ehepartner. Die ehrenamtliche Mitarbeit in Vereinen und Kirche wird immer weniger wahrgenommen. Die erste Frage lautet nicht: "Wo kann ich mich einbringen?", sondern was bringt es mir. Man schnuppert gerne in interessante, auch christliche Angebote hinein und konsumiert sie gerne. Doch unser Herr Jesus Christus sucht nicht fromme Konsumenten, sondern Menschen, die sich treu in den Gemeinden einbringen. Jesus sucht Menschen, auf die er sich verlassen kann, die ihr Leben an seinen Worten orientieren. Er will dass Treue vom deutschen Fremdwort zu einem Tunwort wird. Jesus will dich zur Treue rufen.

Zur Treue gerufen
Die Gemeinde in Smyrna kann uns für unsere Gemeinde in Hardheim und Höpfingen zum Vorbild werden. Sie hat schon manche Glaubensprobe bestanden. Das Bekenntnis zu Jesus war ihr wichtiger als der Reichtum dieser Welt. Die Christen waren bereit für Jesus ins Gefängnis zu gehen. Sie haben zu ihm bis im Tod gehalten, wie das oben erwähnte Bekenntnis von Polykarp zeigt.

Wie sieht es mit der Treue bei uns aus, wo uns weder Märtyrertod noch Gefängnis noch finanzielle Nachteile drohen. Die Nachteile heute betreffen unsere Bequemlichkeit und Ichbezogenheit. Daraus stellen wir uns dann unsere eigenen Gebote zusammen, z.B. das eine Notlüge nicht schlimm sei oder das Kopieren von Computerspielen und –programmen nicht so schlimm sei. Doch damit lügen wir uns selbst in die Tasche und merken dann gar nicht, wie mir die Treue zu Jesus verloren geht.

Ein anderer Punkt betrifft die Gemeinschaft mit anderen Christen. Viele verlassen Ihre ursprüngliche Gemeinde, weil sie nur fragen: "Was bringt mir meine Gemeinde." Auf die Idee, zu fragen: "Wo kann ich mich einbringen" kommen sie nicht. Stehe ich zu meiner Gemeinde in Hardheim-Höpfingen, auch wenn es Dinge gibt, die mich an ihr stören. Bin ich treu im Gebet, im Bibellesen und im Opfern von Zeit und Geld. Jesus hat uns das vorgelebt.

Jesus ist treu
Alle unsere Versuche, Jesus treu zu sein, uns in der Treue zu üben gegen den allgemeinen Trend der Zeit, können nur ganz schwache antworten sein auf die treue von Jesus zu uns. Für Jesus war Treue kein Fremdwort. Er ist der treue Zeuge, der sich nicht geschont hat auf den Weg am Kreuz. Er hat sich in Treue geopfert für den Auftrage den Gott ihm gegeben hat, um uns Menschen zu retten.

"dem wird der zweite, der ewige Tod nichts anhaben können." – Wir leben aus der Treue dessen, der nie gefragt hat: "Was bringt es mir", sondern der für uns sein Leben am Kreuz gegeben hat. Das zählt nicht nur in diesem Leben, sondern auch dann wenn wir einmal vor Gott stehen und über unser Leben Rechenschaft geben müssen. Dann fragt dich Jesus nicht, was hast du großes gemacht, sondern bist du im Kleinen mir treu geblieben. Dann fragt Jesus nicht, bist du vollkommen gewesen, sondern hast du deine Fehler und Untreue zu mir gebracht. Das kannst du: weil Jesus treu ist. So wird die Treue bei dir wieder vom deutschen Fremdwort zum Tunwort.

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