Thema: Gericht!

Liebe Gemeinde,

an Jesus zu glauben ist das A und O. Und alles zu vermeiden, was man meint, was man vermeiden müsse, das schließt den Himmel auf. Die Gebote halten und Verbote, die der Mose damals mitgebracht hat, da hat mans gänzlich. Und wehe denen, die nicht so leben, sie kommen in die Hölle oder ewige Verdammnis. Solche Menschen leben dann in der ständigen Angst, etwas falsch zu machen, mit etwas Teuflischem in Berührung zu kommen und damit die Ewigkeit zu verspielen. Ein Leben in der Freiheit des Glaubens ist das nicht.

Und so kann auch nicht die Ewigkeit sein. Denn wir sollen ja auf dieser Erde schon frei und fröhlich leben und uns nicht verklemmen und zwingen, wir sollen diese Erde ernst nehmen als unsere Heimat und nicht nur ständig daran denken, wie wir in den Himmel kommen. Das jedenfalls lese ich aus vielen biblischen Texten und ganz besonders aus dem heutigen. Da kommen weder die Gebote vor noch all das, was wir nicht tun dürfen, da geht es um unser alltägliches Leben. Jesus spricht in Bildern von dem, was dann gilt. Und er stellt eins klar: das, was gilt, können wir nicht machen. Wir können nicht sagen: wenn ich das alles getan und das alles nicht getan habe, dann komme ich in den Himmel.

Sondern, so steht es in diesem Text, die durch das Gericht kommen, die wissen nicht einmal warum. Wann soll das gewesen sein, fragen sie … Das heißt, wir haben keine Möglichkeit, uns den Himmel sozusagen zu verdienen. Ich war doch immer ein guter Mensch. Ich hab doch immer Jesus im Munde geführt und ihn gepriesen. In diesem Abschnitt jedenfalls ist davon nicht die Rede. Sicher wird mancher sagen: aber es gibt doch andere Stellen und Aussagen, wie ist das denn damit? Und da merken wir, welch großartige Vielfalt in der Bibel steckt. Sie ist eben kein Anleitungsbuch für unsere Himmelfahrt und sie ist auch kein Verbotsbuch. Und auch Jesus hat immer auf die einzelne Situation reagiert. Er hat ja nicht am grünen Tisch gesessen und für uns Regeln aufgestellt. Er war unterwegs bei den Menschen. Und darum warnt uns auch gerade diese Geschichte davor, eine Position, einen Gedanken als das Ganze zu sehen. Und heute geht es einfach um die Frage: wie lebst Du eigentlich? Und wenn hier steht, dass wir gar nicht genau wissen, wie wir sozusagen registriert werden, dann heißt das einfach: lebe und lass dir von Jesus die Grundlage in dich einpflanzen. Und das kann bei jedem dann ganz anders aussehen. Aber die Überschrift heißt: wie gehst Du mit den Menschen um Dich her um? Da sind konkrete Beispiele aufgezählt. Und man könnte das sofort umsetzen in Taten: ich gebe für Brot für die Welt, ich unterstütze ein Wasserprojekt und spende für die Obdachlosen und die Kleidung kriegt das Rote Kreuz. Aber genau das ist nicht gemeint. Wie stehst du zu denen, wie nahe lässt du die Menschen an dich heran? Wie dicht betrifft dich ihr Leid, ihre Situation. Reicht es, der Sozialarbeit des Landkreises Geld zu geben, damit sie in Varnsdorf den durch unsere Nachbarn missbrauchten Kindern hilft? Und – sollten wir nicht auch an die Häuser klopfen, in denen Kinder geschlagen werden? Uns einmischen? Ich kann doch nicht und ich will es mir doch nicht verderben. Und da sagt dann Jesus: was hast Du eigentlich nicht getan, das zählt. Das Gericht ziehen wir uns dadurch herbei, dass wir die Welt so lassen, wie sie ist. Also nicht, wie vor Gericht: was hast Du Schlimmes getan, sondern, was hast Du unterlassen, damit die Welt ein freundlicheres Gesicht kriegt.

Das mag jetzt manchen erschrecken, der sagt: ich will doch alles tun und das Böse vermeiden, damit ich in die Ewigkeit komme, aber es ist nun mal anders. Wir sollen nicht unser persönliches Heil im Himmel wollen, Hauptsache ich verscherze mir nicht die Ewigkeit, sagte mal jemand, sondern hier auf der Erde soll der Himmel durch uns anfangen, sollen andere wissen, im jetzigen Leben wissen, da ist jemand, der bringt mir ein Stück Himmel. Vielleicht dem Türken, der hier in Deutschland seinen Döner verkauft, vielleicht dem Kind, das man in den Arm nimmt, weil es zu Hause geschlagen wird, vielleicht der Frau, die zwar aus der Kirche ausgetreten ist, aber im Krankenhaus allein ist,
vielleicht dem Homosexuellen, den alle verachten und manche sogar als Sünder verurteilen, vielleicht dem, von dem ich ganz anders denke und der ganz anders ist. Dazu ein kleines Erlebnis. Als ich Malaga in Spanien vor der Kathedrale stand, kam ein junger Mann, ein Bettler, auf mich zu. Und in mir stiegen Bilder, Gedanken auf. Die wollen nur Geld, um sich zu besaufen, wenn ich allen helfen will, werde ich arm, die kriegen doch bestimmt Sozialhilfe. Und dann habe ich etwas gemacht, wo ich selber dachte: mal sehen, was passiert. Ich hatte mir gerade Bananen gekauft, was ist, wenn er wirklich Hunger hat. Oder wird er dir die Banane an den Kopf werfen? Und ich habe ihm eine Banane vor die Nase gehalten. Und ich war schon überrascht: er hat sie genommen, gelächelt und gegessen. Und weg war er. Mein Vorurteil: die nehmen sowieso nichts zu essen, hatte einen Knacks bekommen. Ist das auch ein Stück Himmel, es immer wieder zu probieren, auch dort, wo meine Meinung dagegen steht? Die Banane hat ihm in seiner Lebenssituation nicht geholfen, aber für den Moment ihm einfach gut getan. Jesus will ja nicht, dass wir die ganze Welt verändern. Aber dass wir auf seine Ideen hören, und ich glaube, auf die Sache mit der Banane wäre ich nicht selber gekommen, dass wir auf solche Ideen hören und in einem bestimmten Augenblick einem anderen und uns selber den Himmel aufmachen, das will er. Und es ist keine Drohung, sondern eben auch eine Erfahrung, dass auch die Hölle schon spürbar ist, wo es nicht geschieht. Am Beispiel der missbrauchten Kinder in Tschechien: wo wir schweigen ist es wirklich die Hölle. Und wo wir zulassen, dass unsere Nachbarn oder Freunde ihre Kinder schlagen, lassen wir die Hölle zu. Da müssen wir nicht erst auf das Ende der Welt warten. Mögen wir darum nicht aus Angst vor dem Gericht, sondern in der Liebe von Jesus seine Liebe weitergeben.

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