Teste es selbst

Liebe Gemeinde,

glauben ist ein Weg, das merken wir in unserer Geschichte ganz deutlich. Wichtig ist nicht, wo du herkommst, sondern wichtig ist, welches Ziel du Dir ins Auge fasst. Schauen wir uns das einmal an:
Da kommen Menschen, von ganz außen, die haben mit dem Glauben nicht viel am Hut. Mahr als den Namen Jesus buchstabieren können doch nicht, doch sie kommen zu Menschen, die Jesus kennen und sagen: wir wollen Jesus gerne kennen lernen. Der erste ist so überrascht, dass er gar nicht weiß, was er tun soll, er nimmt sich einen zweiten dazu, fragt den und dann kommen sie zusammen auf die einzig vernünftige Idee. Wir bringen die zu Jesus. Gesagt, getan und sie denken damit ist die Sache dann auch erledigt, denn Jesus wird schon die richtigen Worte für diese Menschen von ganz draußen finden. Und tatsächlich: Jesus spricht von Herrlichkeit. Wer zu Jesus gehört, der ist unterwegs zu der Freude Gott. Wenn Jesus an diesem Punkt aufgehört hätte, könnte ich mit meiner Predigt aufhören, wir könnten heimgehen und uns freuen, dass wir zu Gottes Herrlichkeit unterwegs sind. Aber Jesus redet weiter:
Er sagt, ihr müsst den Weg der Enttäuschung gehen. Es geht um Enttäuschung im wortwörtlichen Sinne des Wortes. Er enttäuscht uns, das heißt er befreit uns von den Täuschungen, die wir über uns selbst und über unser Verhältnis zu Gott haben. Ein paar von den Täuschungen möchte ich nennen:

1) Ich komme durch die Taufe, Konfirmation, Kirchenmitgliedschaft und Gottesdienstbesuch zum ewigen Leben bei Gott. Nicht das Gott gegen diese Dinge etwas hätte. Alles von dem ist gut und nützlich. Aber alles das sichert mir noch keine Fahrkarte in den Himmel. Denn das wäre so, wie wenn ich meinen würde, dass ich durch Lesen von Eisenbahnbüchern, Besuch von Bahnhöfen und Mitglied im Eisenbahnverein eine Lebensnetzkarte der Deutschen Bahn AG geschenkt bekommen würde.

2) Ich komme durch gute Taten und durch ein anständiges Leben zum ewigen Leben bei Gott. Nicht das Gott gegen diese Dinge etwas hätte. Es ist selbstverständlich, dass ich dies mache. Denn das wäre sonst, wie wenn ich meinen würde, das durch einem Besuch oder einer Anstellung bei Mac Donalds zu einem Hamburger würde.
Der Weg Jesu ist nicht mit unseren guten Taten gepflastert. Wenn Ihr meint an euren eigenen Verdiensten festzuhalten zu müssen, dann werdet ihr nie den Weg zu Gott finden. Und wieder redet Jesus weiter:

Er greift das Beispiel von einem Bauern auf, der im Frühjahr seine Felder bestellt. „Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, kann keine Frucht bringen, sondern bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. „ Der Bauer, der das Weizenkorn gesät hat, beklagt sich doch auch nicht darüber, das er das Weizenkorn nicht mehr hat, sondern er freut sich auf die Frucht.

Dagegen stelle ich, wenn es um Glaubensfragen geht, ein zwiespältiges Verhalten fest.

Vielleicht kommen wir deswegen so wenig mit dem Schweren und dem Leid in der Welt und unserem Leben zurecht, weil wir eine falsche Vorstellung darüber haben, was Gott darüber denkt. Es gibt Gruppen und Menschen in unserer Kirche, die sagen: Gott möchte nur das Gute, er ist gegen das Leid und darum müssen wir es bekämpfen. Klingt ganz logisch die Aussage und tut uns gut so was zu hören und so wundert es mich nicht, das viele Menschen dieser falschen guten Botschaft glauben. Neben dem, das ich oben gezeigt habe, dass Jesus etwas ganz anderes sagt, gibt es viele Gründe, warum ich diese Vorstellung für falsch halte:

1) Wenn dies wahr wäre, dann wäre das Böse in der Welt ein Betriebsunfall. Gott hat die Kontrolle über einen Teil der Welt verloren und versucht nun mit aller Macht das wieder in Ordnung zu bringen. Damit ist Gott aber nicht mehr Gott, weil er nicht allmächtig ist.

2) War jetzt ein bisschen kompliziert, der zweite Grund ist einfacher. Jesus selber sagt, dass Leiden zu seinem Auftrag dazugehört. Und wenn Gottes Sohn, der Mensch wurde wie du, wenn er schon leiden muss, mit welcher Berechtigung meinst du, dass du dem Leiden ausweichen kannst.

Nein, wir brauchen einen Entwurf für unser Leben, für unseren Glauben, der Freude und Leid, schöne Stunden und schwere Stunden erklären kann. Lass dich also nicht ins Bockshorn jagen von einer Friede – Freude – Eierkuchen Theologie, Jesus Weg ans Kreuz war kein Spaziergang.
Jesus sagt hier, warum er stirbt. Er sagt auch wann er stirbt.

Wann? Die Stunde ist gekommen: es ist die von Gott festgesetzte Zeit; in unserem Wahn, alles selber machen zu können, verkennen wir oft die von Gott gesetzte Zeit: es gibt Zeiten der Freude, Jesus war ja auch auf einer Hochzeit und es gibt Zeiten des Leidens. Die Stunde ist hier ist ja die Stunde seines Leidens und Sterbens. Und selbst in der Aussage verherrlicht werden steckt verschiedenes:

1) heißt verherrlicht werden, Jesus wird ans Kreuz erhöht. Selbst die Verherrlichung schließt Leiden nicht aus;

2) heißt verherrlicht werden, dass Jesus die frühere Herrlichkeit beim Vater zurückgewinnt;

3) heißt verherrlicht werden, Jesus macht das nicht selber, sondern Gott macht das
Und Jesus sagt auch, warum er stirbt. Warum?

1) damit du zu Gott kommen kannst;

2) damit deine Schuld vor Gott bereinigt werden kann;

3) damit du bei Gott ewiges Leben bekommst.

Das ist die gute Nachricht. Aber diese Dinge gibt es nur um den Preis der Nachfolge, billiger sind sie nicht zu haben. Jesus macht keine Sonderangebote. Er spitzt es radikal zu: Wer an seinem irdischen Leben hängt, wird das ewige verlieren.

Damit das ganz praktisch wird und ihr das testen könnt, habe ich für jeden einen Umschlag mit Weizenkörnen mitgebracht, die Anleitung ist darauf geschrieben, ich lese sie vor:

In der Tüte befinden sich einige Weizenkörner. Zwei bis drei Körner davon sollen in feuchte Erde gesteckt werden, die anderen Körner trocken gelagert werden.

Nach einiger Zeit sehen wir, was Jesus gemeint hat. Die Körner in der Erde keimen und treiben aus, die anderen Körner bleiben wie sie sind. Nur indem das Korn seine Kraft in die Pflanze steckt und sich so selbst zu Tode bringt, nur so können neue Körner entstehen.

Nur wenn wir im Glauben an Jesus Christus unser Leben zur Verfügung stellen und so manches in unserem Leben, das nicht zu Gott passt, sterben muss, kann unser Leben für Gott Frucht bringen und in dieser Frucht seine Schönheit und seinen Sinn gewinnen.

Freude und Leid gehören untrennbar zusammen. Herrlichkeit und Weizenkorn, das in den Dreck fällt sind ja auch das krasse Gegenteil. Aber nur beide zusammen ergeben den Weg nach oben, den Weg zu Gott.

Der Weg nach oben ist für viele ein Traumziel. Der Weg nach oben ist für Jesus der Weg, der Frucht für Gott bringt. Bei ihm ging es buchstäblich nach oben, nämlich ans Kreuz. Der Weg nach oben ist für Jesus auch der Weg zum ewigen Leben und zur Herrlichkeit, die Gott schenkt.

Hier wird wieder deutlich, wie Freude und Leid untrennbar verbunden sind. Jesus geht durch die Niederlage in den Sieg.

«Herr, wir möchten Jesus gern kennen lernen!»: das sind die Worte, auf die es ankommt. Hast Du den Wunsch in deinem Herzen, Jesus wirklich zu sehen. Dann komme in die Gemeinschaft mit anderen Christen, damit sie gemeinsam mit dir zu Jesus gehen.

Das ist die spannendste Sache, die es überhaupt gibt, am Ende vom Gottesdienst bekommst du den Umschlag mit den Weizenkörnern und kannst es selbst testen:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

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