Taufen und lehren

Liebe Gemeinde,

passend zu den beiden Taufen ist der Predigttext heute der Taufbefehl. Wir haben ihn vorhin gehört. Er ist einer der bekanntesten Texte der Bibel. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen ihn auswendig lernen und er wird bei jeder Taufe gelesen, denn er enthält Jesu Testament. Jesus versammelt ein letztes Mal nach seinem Tod am Kreuz und nach seiner Auferstehung alle seine Freundinnen und Freunde auf dem Berg und sagt ihnen, was sie in Zukunft tun sollen: Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Sie sollen taufen und lehren. Früher war die Reihenfolge lehren und taufen. Die Jünger sind durchs Land gezogen, haben von Jesus erzählt und die Leute davon überzeugt, zu glauben, dass er der Gesandte Gottes ist. Sie haben erzählt, dass Gott nicht nur eine strafende Instanz ist, die überwacht ob alle die Gebote auch gehalten haben. Gott ist jemand, der die Menschen liebt bevor sie etwas richtig oder falsch gemacht haben, und er möchte, dass sie zu ihm kommen und ein gutes Leben führen. Wer überzeugt war, hat sich taufen lassen, und ist damit in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen worden. Auf diese Weise hat sich eine kleine jüdische Abspaltung im ganzen römischen Reich ausgedehnt und ist bis heute zur größten der Weltreligionen geworden, dem Christentum.

Heute haben wir die Reihenfolge geändert. Wir taufen unsere Kinder zuerst, denn wir finden, dass auch die Kleinen schon zu Gott gehören sollen, und lehren sie, wenn sie heranwachsen. Dabei ist das Lehren heute noch mindestens so wichtig wie damals. Denn wie soll die Weisheit, die sich in der Bibel über tausend Jahre angesammelt hat, wirksam werden, wenn sie nicht gelehrt wird. Wie sollen unsere Kinder sich im Leben orientieren, wenn sie keine ethischen Maßstäbe gelehrt bekommen. Kinder brauchen für ein gutes Leben nicht nur Mathematik und Lesen und Schreiben. Sie brauchen auch ein Gefühl fürs Unendliche. Sie brauchen Religion, damit sie einen Sinn in ihrem Leben entdecken können. Sie brauchen die Chance sich für oder gegen den Glauben entscheiden zu können, damit sie Kontakt zu der Macht aufnehmen können, die die Welt bestimmt, nämlich Gott. Und damit kommen wir zu dem ersten Satz unseres Predigttextes: Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Gewalt oder Macht, das klingt gefährlich. Das klingt nach kirchlichem Machtmissbrauch. Und den hat es ja auch in schrecklichem Maß gegeben. Aber wir sollten uns ins Gedächtnis rufen, wer hier spricht. Hier spricht nicht eine machtgierige Kirche. Hier spricht Jesus Christus, und zwar derselbe Jesus Christus, der gerade ohnmächtig am Kreuz gestorben ist, derjenige der seine Macht nicht eingesetzt hat, um sich selbst zu retten und um seine Feinde zu vernichten. Wenn diesem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, dann klingt das sehr gut. Dann gehört die Macht der göttlichen Liebe, die bereit ist sich selbst zu opfern, um uns zu befreien. Das ist die gute Nachricht. Die Macht im Himmel und auf Erden liegt nicht bei den Mächtigen, die die Völker unterdrücken. Die Macht liegt bei dem Ohnmächtigen, der die Liebe Gottes gelebt hat. Auf diesen Namen taufen wir unsere Kinder. Wir vertrauen unsere Kinder einem Gott an, der die Macht hat sie zu beschützen, und der sie liebt. Wir hoffen, dass unsere Kinder sich an den göttlichen Geboten orientieren werden, und dass sie damit ein gutes und Leben führen in dem die Liebe an oberster Stelle steht. Und damit kommen wir zum letzten und wichtigsten Satz unseres Predigttextes: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Jesus Christus verspricht, immer bei uns zu bleiben. Jesus Christus ist auch heute noch gegenwärtig. Aber wie können wir uns das vorstellen? Jesus Christus ist bei Gott. Und Gott ist überall. Jesus Christus lebt aber vor allen Dingen in unseren Herzen. Wenn wir uns an seine Botschaft erinnern, wenn wir an ihn glauben, dann ist er in uns da. Jesus Christus ist dann eine innere Gegenwart, die uns hilft zu leben. Er gibt unserem Leben Orientierung. Wenn sich uns die Frage stellt: Was ist wichtig im Leben. Dann lernen wir von Jesus Christus die Antwort: Nicht Macht und Geld, sondern Gerechtigkeit und Liebe, und die Verbundenheit der Menschen untereinander zum Beispiel in der Familie oder der Kirche oder der Nachbarschaft. Jesus Christus in uns ist aber auch eine Macht, die uns ermutigt und die uns selbstbewusster macht. Die Leute mit dem egoistischen und schlechten Benehmen haben zwar kurzfristig ein paar Vorteile. Aber wir, die wir versuchen den Werten zu folgen, mit denen alle gut leben können, werden am Ende gewinnen. Wir werden gewinnen, weil die göttliche Macht mit uns ist. Und wir werden auch deshalb gewinnen, weil darin die einzige Chance für die Welt liegt. Die Welt kann auf Dauer nicht bestehen, wenn nur Ausbeutung und Ungerechtigkeit herrscht. Das wird sie zerstören. In der jüdischen Überlieferung heißt es: Ein Gemeinwesen, in dem nicht wenigstens zehn Gerechte leben, ist dem Untergang geweiht. Und das stimmt auch für unsere Gesellschaft. Wenn alle nur an sich denken, dann wird auf Dauer niemand mehr sicher leben können. Wenn jeder gegen jeden kämpft, dann werden dabei alle verlieren. Vielleicht werden sie jetzt denken, na gut, wir können unseren Kindern Moral beibringen, das müssen wir sicher, aber dazu brauchen wir doch nicht die Kirche und den Glauben. Und ich sage ihnen, doch beides brauchen Sie. Sie brauchen den Glauben. Denn ohne Glauben kann ich mich nicht dafür entscheiden, kurzfristig auf den eigenen Vorteil zu verzichten, weil ich mich etwas anderem verpflichtet fühle, was mich trägt und was mich die Folgen gelassen ertragen lässt. Und ohne die Kirche gibt es keine Chance, dass der Glaube weiter lebt.

Ohne eine Organisation, die die Botschaft Jesu Christi weiter gibt, wird diese einfach verschwinden. In zwei Generationen wird was über zwei Jahrtausende entwickelt worden ist, verpufft sein. Der Glaube braucht Kirche, denn nur eine Gemeinschaft kann sich gegenseitig die Unterstützung geben, die nötig ist. Wir müssen uns gegenseitig darin unterstützen, zu glauben, dass Liebe wichtiger ist als Gewinn. Wir brauchen einander, um die Überzeugung festzuhalten, dass diese Welt eine Zukunft hat. WWir brauchen die Hoffnung, dass Gott mächtig ist und unsere Kinder beschützt, und sie deshalb ein gutes Leben haben können, das einen Sinn hat. Jesus Christus spricht: Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Auf seinen Namen sind wir getauft. In seinem Namen dürfen wir hoffen, dass unser Leben gut ausgehen wird. Denn wir dürfen aus der Liebe Gottes leben und müssen nicht unserem eigenen Vorteil nachjagen.

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