Sturheit?

Liebe Gemeinde,

gestern las ich in der Zeitung von einem Juristen historische Überlegungen zum Prozess Jesu. Seine Grundthese fand sich in der Überschrift: "Die Sturheit Jesu war Schuld am Kreuzestod." solch ein Artikel reizt natürlich zum weiterlesen und so fragte ich mich was wohl dahinter steckt. Die Hohepriester ließen Jesus wegen Gotteslästerung verhaften und vor dem jüdischen Gericht wurde er auch verurteilt, weil er sich als Sohn Gottes und Messias ausgab. Doch mit dieser Anklage wären sie nicht vor dem römischen Gericht bei Pilatus durchgekommen und so machten Sie aus dem religiösen Anspruch Jesu eine politischen, sie klagten ihn an, das Jesus sich als König der Juden der Juden bezeichne. Pilatus durchschaute das Spiel der jüdischen Führer und fragte Jesus nach römische Rechtsgepflogenheit dreimal die Anklage: "Bist du der König der Juden." Jesus schwieg dreimal. Aufgrund diesem Schweigen, der Jurist bezeichnete es als Sturheit Jesu, verurteilte Pilatus Jesus zum Tod am Kreuz.

Dreimal Fragen ist uns die vergangen Wochen schon einmal begegnet, Dieses mal im Bundesrat von Deutschland. Dreimal zu fragen scheint bei heute problematisch, wnen wir auf das jetzige Theater des Zuwanderungsgesetzes blicken, sind wir seit den Römern nicht weiter gekommen. einer schiebt dem anderen den schwarzen Peter zu und damit wird gar nichts erreicht, außer das Schuld weitergeschoben wir, man sich gegenseitig verletzt und wir keine Lösung dafür finden, wie wir mit den Menschen, die zu uns kommen menschenwürdig umgehen. Auch hier war es das Schweigen, das den Stein ins rollen gebracht hat, war es Sturheit oder war es, wie ich bei Jesus eher glaube, weil es nichts zu sagen gab. Es gibt Situationen, in denen ist, egal was wir sagen alles falsch. Hätte Jesus geantwortet: "Ich bin der König der Juden", dann hätten die Hohepriester gesagt: "Siehst du Pilatus, du musst ihn verurteilen." Hätte er gesagt: "Ich bin nicht der König der Juden", wäre es auch nicht die Wahrheit gewesen. "Du sagst es" sagt Jesus im Johannessevangelium, und meint damit, "Du sagst, was die Hohepriester sagen", mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Das historische ist eine wichtige Seite in der Leidensgeschichte Jesu, die Frage was historisch dahinter steckt. Wäre das alles, dann wäre das so wie wenn wir eine Liebenbeziehung zweier Menschen mit der Ausschüttung von Glückshormonen erklären würden. Die Frage ist, was dies für unseren glauben bedeutet. Ich will das mit Hilfe von drei Fragen angehen, mit der Frage nach der Schuld, der Frage nach dem Leid und der Frage nach dem Tod. Menschliches Leben ist, das haben alle schon schmerzhaft erfahren, immer wieder schuldbehaftetes Leben. Nun gibt es unterschiedliche Arten, mit dieser Schuld umzugehen:

Ich kann die Schuld verneinen – die Umwelt hat mich darum gebracht oder die Erziehung. Ich die Schuld verschweigen – Schuld gebe ich nur zu, wenn sie rauskommt. Ich kann die Schuld klein reden – mein grau sieht doch vor dem schwarz anderer ganz weiß aus.

Alle drei haben eines gemeinsam. sie bieten keine Lösung der Schuldfrage an. Warum haben wir den so ein so gespaltenes Verhältnis zur Schuld. Weil wir im Grunde unseres Herzens wissen, das uns Schuld von Gott trennt und wir den Graben zu Gott aus eigener Kraft nicht überwinden können. Jesus dagegen ist die Antwort Gottes auf die Frage nach der Schuld."Die Kinder aber sind wir, Menschen aus Fleisch und Blut. Christus ist nun auch ein Mensch geworden wie wir, damit er durch seinen Tod dem Satan – als dem Herrscher des Todes – die Macht entreißen konnte." Jesus hat in seinem beharrlichen Weg ans Kreuz, zu dem auch das Schweigen vor Pilatus gehörte, unsere Schuld auf sich genommen. Indem er zu der ihm vorgeworfenen Schuld schwieg, machte er deutlich, ich will die Schuld der Menschen tragen, um sie aus der Macht des Teufels zu entreißen.

Kommen wir zum, zweiten, auch das wir uns immer wieder vor Augen gestellte: menschliches leben wird immer wieder von Leid erschüttert. Gerade im Angesicht von Schicksalsschlägen, die über ein Leben herein brechen, wird sehr schnell deutlich, ob der Grund auf dem es aufgebaut ist,, auch tragfähig ist, oder ob es wie ein Kartenhaus zusammenstürzt. Blicken wir wieder auf das den Weg von Jesus, er hat leid erfahren, verraten vom eigenen Freund, ausgeliefert vom eigenen Volk, verurteilt im ungerechten Prozess, gefoltert und unschuldig gekreuzigt. Leid ist Jesus nicht fremd, aber es ist noch mehr. Jesus dagegen ist die Antwort Gottes auf die Frage nach dem Leid. "So ist es auch kein Widerspruch, dass Gott – für den alles geschaffen wurde und durch den alles ist – seinen Sohn durch das Leiden am Kreuz zur Vollendung gelangen ließ." Das Kreuz, das wie eine Niederlage aussah, ist Gottes Ziel und Vollendung. Leid, Not und Schmerz sieht in menschlichen Augen oft so sinnlos und ziellos aus und muss doch am Ende zu Gottes Ziel und Vollendung dienen. In diesem leben sehen wir, was Leid angeht nur bis Karfreitag. Den Blick des Ostersonntags werden wir erst bei Gott bekommen.

Das wird erst nach unserem Tod sein, damit kommen wir zur dritten Frage. Denn was viele hoffen, die sich hier mit dem Leben genügen lassen und hier allen Saß suchen, das mit dem Tod alles aus ist, die haben sich auf die Frage nach dem Tod die falsche Antwort gegeben. Aber auch, die sich damit trösten, das es mit dem Tod gut weiter geht und es so schlimm nicht kommen kann, müssen aufpassen, das sie sich nicht verrechnen. Wir können viel spekulieren und fragen, wie es mit dem Tod ist. Jesus dagegen ist die Antwort Gottes auf die Frage nach dem Tod. "So hat er alle befreit, die aus Furcht vor dem Tod ihr ganzes Leben hindurch Gefangene des Satans waren." Wer hier in diesem Leben mit Jesus gelebt hat, der wir auch die Ewigkeit bei Gott verbringen. Wer hier lieber der Gefangene seiner eigener Wünsche war, den nimmt Gott ernst, er darf es auch in Ewigkeit tun. Der Tod trifft alle gleich, aber er macht nicht alle gleich. Unsere Beziehung zu Jesus entscheidet es.

Wenn wir beides zusammen sehen, dann wird aus dem, was der Jurist im historischen Zusammenhang als Sturheit bezeichnet hat plötzlich zu Beharrlichkeit. Ein kleiner aber bedeutender Unterschied. Sturheit geht mit dem Kopf durch die Wand. Beharrlichkeit geht den richtigen Weg, immer das Ziel im Blick, uns eine Antwort auf die Fragen nach Schuld, Leid und Tod zu geben.

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