Stärkung für Müde

Liebe Gemeinde!

Wie fühlen Sie sich im Moment? Geht es Ihnen gut? Dann hören Sie zu, denn diese Predigt könnte Ihnen helfen, wenn Sie sich einmal müde und ausgelaugt vorkommen.

Oder fühlen Sie sich schlecht, weil der Alltag viel von Ihnen fordert und Sie mit all dem nicht mehr klarkommen? Dann hören Sie zu, denn diese Predigt könnte Sie anregen, erste Schritte zu überlegen, wie Sie mit Ihrer Situation umgehen können.

Es soll heute um die Müden gehen, um die Ausgepowerten, um diejenigen von uns, die sich viel aufgeladen haben und sich nach Ruhe und Stärkung sehnen. Es soll heute um die gehen, die sich einsetzen für ihren Glauben und ihre Gemeinde und immer wieder erfahren müssen, dass sie damit an Grenzen stoßen, die unüberwindlich scheinen. So mancher Erfolg in der Gemeindearbeit ist schnell wieder relativiert. Wenn die Kritiker um die Ecke kommen und einen dann auch noch durch ihre unbedachten Äußerungen kränken und verletzen fehlt nicht mehr viel, dass man die ganzen Brocken am liebsten hinwerfen würde.

Ich kenne einen, der war kurz davor, alles aufzugeben. Es ist der Gottesmann Elia. Er war Prophet und er war ein leidenschaftlich glaubender Mensch, der sich für seinen Gott und für seinen Glauben einsetzte ohne wenn und aber. Vom Propheten Elia wird uns berichtet, dass er gegen die falschen Götter des Königs Ahab und seiner Frau Isebell gekämpft hat und nun um sein Leben fürchten muss. Aber hören und lesen wir selbst: Die Geschichte steht im 1. Buch der Könige im 19. Kapitel. Ich lese Ihnen die Verse 1-8:

[TEXT]

Liebe Gemeinde! Das war zuviel für den guten Elia. Da hat er sich voll ins Zeug gelegt und hat den Glauben an Gott verteidigt und dann das: Isebel ist noch nicht mit ihm fertig. Er soll dafür büßen, dass er Ihren Götzenkult beseitigt hat. Er soll dafür mit seinem Leben bezahlen. Das ist wie ein Knock out für Elia. Er kann nicht mehr und er will auch nicht mehr. Er ist nur noch müde.

So dramatisch wie bei Elia wird es bei uns sicher nicht sein. Aber auch unter uns gibt es viele, die sich eingesetzt haben und einsetzen, damit die Botschaft Gottes sich in unserer Gemeinde durchsetzt. Auch unter uns gibt es solche, die müde geworden sind, die sich kraftlos und matt fühlen und dann vielleicht sogar noch von anderen verletzt wurden. Ja, die Müdigkeit der Menschen, die sich für Gott einsetzen ist heutzutage mit Händen zu greifen. Auch in unserer Gemeinde. Und manchmal zähle ich mich selbst zu denen, die müde werden.

Wie sollen wir damit umgehen, wenn uns die Kraft verloren geht in der Mitarbeit? Was hält Gott für uns bereit, wenn wir nicht mehr können? Dazu gibt uns unser Predigttext einige wertvolle Hinweise, die wir uns ansehen wollen: Zunächst: Elia bekommt Ruhe. Er schläft. Die Tatsache, dass Elia schläft ist ein Geschenk Gottes an ihn. Er kann schlafen. Er darf schlafen. Da ist nicht jemand, der hinter ihm steht und sagt: Aber du musst doch noch dies und jenes tun. Du kannst doch jetzt nicht schlapp machen. Elia darf schlafen. Der Schlaf ist ihm von Gott gegönnt worden. Elia muss gar nichts. Er bekommt die Ruhe, die er wirklich braucht.

Wie ist das bei uns? Schlafen wir genug? Oder machen wir die Nacht zum Tag, weil die Zeit nicht reicht, um alles zu erledigen, was uns aufgegeben war? Schlafen wir gut oder wachen wir oft auf, weil uns alles mögliche beschäftigt und wir nicht zur Ruhe kommen. Schlaflosigkeit ist zur Volkskrankheit geworden. Unsere Welt ist eine Welt, die keinen Schlaf mehr kennt. Tag und Nacht in Bereitschaft, ohne Pause ohne Schlaf. Wie gut tut uns zu hören: Der Mann Gottes darf schlafen. Er darf ruhen, denn den seinen gibt’s der Herr im Schlaf.

Und auch wir dürfen ruhen, dürfen schlafen, dürfen Pausen machen. Jeden Tag, beim Feierabend, jede Woche am Sonntag, dem Ruhetag der Woche, und dann in den Ferien. Gott hat es so eingerichtet, dass wir schlafen dürfen, uns ausruhen dürfen. Er verlangt nicht, dass wir für ihn 24 Stunden am Tag auf den Beinen sind. Er verlangt nicht, dass wir einen Dienst, den wir einmal übernommen haben, unser ganzes Leben hindurch beibehalten müssen. Wir brauchen auch schöpferische Pausen – auch hier bei uns in der Gemeinde. Denn nur wer Pause macht, nur wer sich wirklich einmal ausruht, bekommt auch wieder die nötige Kraft für neues.

Der Schlaf ist ein Element der Stärkung Gottes. Doch Elia bekommt noch mehr: Da kommt ein Engel Gottes, und berührt ihn ganz sanft und sagt: Elia steh auf und iß. Was der Engel dem Elia bringt ist nicht viel: Wasser und Brot. Doch es ist genau das Richtige. Wir würden vielleicht sagen: Was sind denn schon Wasser und Brot? Das ist doch nichts besonderes.

Aber wenn ich nicht mehr weiter weiß und zu müde zum Essen bin, dann sind Wasser und Brot gerade gut genug. Wasser ist das Lebensmittel schlechthin. Wir bestehen zu mindestens 80% aus Wasser. Im Wasser ist alles, was unser Körper braucht, um ein lebendiges Wesen zu sein. Wasser erfrischt, ermuntert, belebt. Ein Sprung ins kühle Nass tut im Sommer wahre Wunder. Ein Schluck aus einer Bergquelle hilft dem Wanderer, den Gipfel zu erreichen. Wer kein Wasser hat, ist arm. Mit Wasser sind wir getauft. Gott hat das Wasser zu einem Zeichen seiner Lebendigkeit gemacht. „Wasser ist Leben“ habe ich neulich auf einem Plakat gelesen.

Und das Brot? Brot ist aus unserer Ernährung nicht mehr wegzudenken. Es ist Grundnahrungsmittel. Ein frisch gebackenes Brot weckt den Gaumen und erfreut den hungrigen Magen. Brot ist Lebenskraft. Aus Korn wird es gebacken, in dessen Kern die Energie des Lebens steckt. Im Vater unser bitten wir: unser tägliches Brot gib uns heute. Und damit bitten wir um all die Dinge, die wir zum Leben brauchen wie Brot: Ein gutes Gespräch, Ermutigung durch Freunde, Liebe und Anerkennung.

Ja, Brot ist viel mehr als nur gebackener Teig. Es ist Symbol für die Kraft, die uns zuteil wird, wenn wir es brechen und essen. Es ist Symbol für die Stärkung, die uns von Gott her zuteil wird. Jesus hat das Brot genommen und es gebrochen und gesagt: Das ist für dich. Das bin ich für dich. Das stärke dich und richte dich auf. Das gebe dir Müden neue Kraft.

Brot und Wasser – Wasser und Brot, zwei ganz einfache und doch so wirksame Mittel gegen die Resignation, gegen die Angst, gegen die Hoffnungslosigkeit. Gott stärkt den Propheten Elia und er stärkt uns mit den Kostbarkeiten des Alltags. Ein letzter Hinweis, wie Gott mit müden und ausgelaugten Menschen umgeht:

Elia bekommt einen Engel. Ein Engel ist ein Bote Gottes. Jeder von uns kann einem anderen Menschen ein Engel, ein Bote Gottes sein. Durch ein freundliches Wort, eine liebevolle Geste, durch die richtige Hilfe zum richtigen Zeitpunkt, durch einen Blick, durch ein Lächeln. Es gibt viele Möglichkeiten, die Gott benutzt, um andere durch seine Boten zu stärken. Elia wird durch den Engel doppelt gestärkt: Zunächst ganz praktisch mit Brot und Wasser. Dann aber auch durch einen neuen Auftrag: Da wird Elia von Gott gesagt: du hast noch einen weiten Weg vor dir. Ich werde mit dir gehen auf diesem Weg. Ich habe dich nicht verlassen und ich werde dich auch nicht verlassen. Elia kommt später am Horeb, dem Gottesberg an und erfährt, wie Gott ist: zärtlich, liebevoll, behutsam und doch mächtig und erhaben.

Liebe Gemeinde! Gott will, dass auch wir erleben, wie er ist. Auch uns wird gesagt: Ihr in Massen – ihr habt noch einen weiten Weg vor euch. Und auf diesem Weg möchte ich euch begleiten. Auf diesem Weg möchte ich mit euch sein. Ich schaue euch an mit den Augen der Liebe und nicht der Zerstörung. Ihr sollt aufsehen und erkennen, dass ihr auf einem Weg ins Leben seid. Mein Weg mit euch ist ein Weg, der Pausen zulässt, der Zeiten der Ruhe und Zeiten der Stärkung kennt.

Dazu gehört: Ausreichender Schlaf, Stärkung durch das Wasser und Brot und der Auftrag, Gott nicht aus den Augen zu verlieren, sondern mit ihm zu rechnen in jeder Lebenslage. Im Abendmahl gleich wird es wieder konkret. Da stärkt uns Gott durch das Brot des Himmels. Im Oasegottesdienst am Mittwoch auch. Nehmen wir uns die Zeiten, in denen Gott uns stärken will, sei es durch einen guten Schlaf oder durch das, wodurch wir satt werden an Leib und Seele.

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