So einfach ist das!

Es ist wieder soweit. DSDS. Deutschland sucht erneut einen Superstar. Auch wenn sie keine Jugendlichen zuhause haben, die sich für diese Sendung interessieren, oder vielleicht kein Kabelfernsehen besitzen, so dass sie die Sendung gar nicht sehen können. Auch wenn sie die Regeln dieser Talentshow gar nicht kennen und vielleicht auch nicht kennen wollen, wird Deutschlands Auflagenstärkste Tageszeitung dafür sorgen, dass auch sie irgendwann Menschen kennen lernen, die sie vorher nicht kannten.
Und vielleicht werden auch sie irgendwann das Gefühl entwickeln, dass die wichtigste Frage der Republik heißen kann: Darf Gracia weiter singen oder nicht?

Nach Talkshowfieber und einem bewohnten Container, haben nun Talentshows den deutschen Fernsehmarkt erobert. In der letzten Staffel haben Millionen Menschen zugesehen, als junge Erwachsene sich vor laufender Kamera blamiert haben oder zeigen konnten, was in ihnen steckt. Und egal was an kritischen Stimmen laut wurde, sie werden es wieder tun. Diese Sendungen haben einen Nerv getroffen, den Nerv der Hoffnungen und Sehnsüchte. Nachahmung erwünscht. In Glinde gab es bereits die erste Show unter dem Titel „Glinde sucht den Popstar“.

Was ist es, was Jugendliche und junge Erwachsene dazu bewegt, da mit zu machen? Und ich bin sicher würde es eine Sendung geben, Deutschland sucht begabte Senioren, auch hier würden sich 1000e beim Sender melden und vor laufender Kamera singen, tanzen und was auch immer tun. Der Künstler Andy Warhol hat einmal sinngemäß gesagt: Jeder Mensch hat die Chance einmal 10 Minuten in den Schlagzeilen zu stehen.
10 Minuten in den Schlagzeilen. Nur für 10 Minuten bekannt und berühmt sein, das ist als wäre man, wenigstens ein bisschen unsterblich. Unsterblich sein. Das Gefühl haben, mehr als alles im Leben zu erreichen, zu sein, zu erleben.
Unsterblich sein. Eine instinktive Reaktion auf das, was in unserer Gesellschaft Konjunktur und damit Wert hat. Heute, wo alle Kontinente erforscht sind, wo Kriege schon lange keine Helden mehr hervorbringen, wo Geld allein, mit dem man sich ein Denkmal setzen könnte nicht mehr ausreicht, muss man Popstar werden, um berühmt zu sein und wenn auch nur für einen Tag.

Ein „normales Leben“, in dem wir uns ausbilden lassen und dann zu arbeiten beginnen. 5, 10. 20, 30 Jahre im selben Unternehmen, das scheint utopisch. Der gerade Weg zum kleinen Glück und zum persönlichen Erfolg gerät ins wanken. Darum also nutze deine Chance auf Geld, auf Ruhm und mach mit.

„Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“, fragt der Schriftgelehrte Jesus. Was muss ich tun um am Ende des Lebens sagen zu können. Ja, das war richtig gut. Was muss ich tun, damit ich ein gutes Leben führen kann, dass ich mich bewähre. Was muss ich tun, dass mein Leben ein Ziel hat? Es muss ja nicht gleich die Ewigkeit sein, aber für die nächsten Jahre, für 10 vielleicht, was doch schon ewig ist, was kann ich da tun, damit etwas bleibt von mir? Was kann ich tun, damit mein Leben nicht so lahm vor sich hinplätschert? Wie wird es zu einem erfüllten Leben, für mich und für die, die mir wichtig sind? Ein Haus mit Garten, das kann doch nicht alles im Leben sein? Wer braucht mich? Der Schriftgelehrte, er hat Glück. Er kommt mit Jesus ins Gespräch. Er kann seine Fragen, die ja manchmal nur so ein Gefühl sind, ein Suchen und Tasten in Worte fassen. Er kann sie aussprechen und hat einen, mit dem er darüber sprechen kann. Jesus lässt ihn selbst die Antwort geben, denn Patentrezepte, im Sinne von mach doch mal dies oder das, die helfen hier nicht. Und Jesus sagt: „Du weißt es doch …“

Was würden wir ihm antworten, wenn wir gefragt würden? Was glaubst du, was musst du tun, damit dein Leben Sinn hat? Was musst du tun, damit du am Ende des Lebens sagen kannst: Ja, das war gut. Was müssen wir tun, damit ein Leben, ein gelungenes Leben ist, eins, das sich bewährt. Was muss ich tun, damit mein Leben ein Ziel hat?

Und der Schriftgelehrte sagt, was er weiß. Er zitiert die alten Schriften, die Bücher Mose und die Propheten und sagt, Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele ganzer Kraft und seinen Nächsten Lieben. Er weiß es und Jesus bestätigt ihm. Genau so ist es. Das, was uns mehr sein lässt, das, was unserem Leben ein Ziel und eine Richtung gibt, das kommt nicht aus uns selbst, das kommt auf uns zu. In dem Augenblick, in dem wir verstehen, das Gott, ja sagt zu uns. Indem wir spüren, das sein Angesicht über uns leuchtet und er uns gnädig ist. Indem wir erkennen, dass da einer ist, dem unser Leben nicht egal ist, der uns für so wertvoll hält, das er daran Anteil nimmt, nicht nur heute, nicht nur morgen, bis in Ewigkeit. Genauso ist es, der erste Schritt. Und dann in einem zweiten Schritt verstehen wir, dass wir nicht allein sind auf der Welt, dass egal wo wir sind, links und rechts jemand neben mir sitzt, steht oder geht. Ein Anderer, mein Nächster. Manchmal gefallen mir diese Nächsten und manchmal sind sie mir fremd, oder unangenehm und dennoch, sie können mir nicht egal sein. Leben heißt nicht nur Ich, sondern auch Du, oder Wir.

Es ist wieder soweit. Nicht mehr lange und die ersten Lebkuchen und Spekulatius liegen in den Regalen der Supermärkte, die kalte Jahreszeit rückt näher und wir werden daran erinnert, dass es bis Weihnachten ja nur noch 3 Monate sind. Und auch das gehört dazu, mit dem Ende des Jahres werden wir einmal mehr mit der Not in dieser Welt konfrontiert. Spendenaufrufe auf Plakaten und in der Post. Wer regelmäßig etwas gibt, wird mit freundlichen Worten daran erinnert, es auch in diesem Jahr zu tun. Viele sind unter die Räuber gefallen in unserer Welt. Und wenn wir nicht vorübergehen, sondern wieder und wieder hinsehen, dann würden wir vermutlich ganz kirre werden. Überall könnten und würden wir Menschen Not sehen können. Hier in unserem Land, Einsame in Pflegeheimen und Krankenhäusern, Kinder, die an der Armutsgrenze leben, Männer und Frauen in der Schuldenfalle, Fremde auf der Flucht, ohne Heimat. All das könnte reichen, damit wir wie gelähmt dastehen und sagen. Ich kann nicht, ich muss weiter gehen, mir wird das alles zuviel. Ich habe Angst. Und dann könnten wir tun, was der Schriftgelehrte macht, wir könnten Ausreden erfinden, um nicht konkret zu werden. Wo soll ich den anfangen. Ich hab doch schon so viel, engagiere mich doch. Wie kann ich denn entscheiden, welche Spendenorganisation seriös ist und welche nicht? Ich brauche erst einmal mehr Informationen, um mich gründlich entscheiden zu können? Bei all den Informationen, bin ich jetzt völlig verwirrt.

Wer ist eigentlich mein Nächster? Nach seinem Gespräch über den Sinn des Lebens, wird es konkret. Jesus fragt den Schriftgelehrten, du weißt doch alles, wo also ist das Problem. Geh hin und leb dein Leben.
Ja, in der Theorie ist alles klar, doch irgendwie, ich weiß nicht. Das soll es sein? Die Lösung muss doch Größer, Anders, ich weiß nicht wie lauten. Und überhaupt wer ist eigentlich mein Nächster.

Und Jesus erzählt eine Geschichte, die Geschichte von dem Mann der unter die Räuber gefallen ist. Er liegt im Graben und braucht Hilfe. Einer geht vorbei sieht ihn und geht weiter. Ein anderer geht vorbei, sieht ihn und geht weiter. Und ein dritter geht vorbei, sieht ihn und geht weiter. Und dann kommt einer, von dem wir nicht so viel erwarten und ausgerechnet der, der geht hin un hilft ihm. Er hebt ihn auf, er trägt ihn in ein Gasthaus, wäscht seine Wunden, kümmert sich um ihn und als er gehen muss gibt er dem Wirt Geld, damit er weiter für ihn sorgt.

„Weißt du jetzt wie das ist mit dem Nächsten?“, fragt Jesus, den Schriftgelehrten. Ja, sicher der, der geholfen hat ohne wenn und aber, der muss es sein. Dann gehe hin und tu das gleiche. Die Antwort auf all die großen Fragen ist manchmal kleiner und bodenständiger als du es erwartest. Die Antwort auf die Frage, was macht das Leben reich und besonders. Was überdauert den Tag, die Woche, das Jahr. Was bleibt, wenn ich gehen muss. Die Antwort könnte heißen: Die Liebe. Und was ist dann das Ziel unseres Lebens? Die Liebe Gottes empfangen und erleben und sie weitergeben. So einfach ist es. Also, warum gehen wir nicht hin und machen es ganz genau so.

drucken