Sieger über den Tod

Liebe N.N., liebe zur Osternacht versammelten Freude Jesu,

diese Nacht wohl in besonderer Weise ist dazu da, uns zu erinnern und in unser Gedächtnis zu malen, wer Jesus Christus ist, wer er für dich, wer er für uns ist. In dieser Nacht kommt zum Hören des Wortes und Singen des Dankes vor allem das Erleben von Dunkelheit und Licht hinzu. Das vertieft die Eindrücke und stützt das Gedenken.

,Halt im Gedächtnis‘ – das ist ja ein Ruf dann, wenn wir in der Gefahr stehen, ihn zu vergessen. Wenn uns Jesus Christus gleichgültig wird und wir in den Dunkelheiten und Tiefen des Lebens uns ihm nicht anvertrauen, weil wir wenig oder kaum Hilfe von ihm erwarten, obwohl wir welche nötig haben.

Hilft es aber dann, zu sagen: ,Halt im Gedächtnis Jesus Christus? Denke an IHN? Vergiss ihn nicht?‘ Was soll das bringen? Nach hinten schauen, wenns vorne brennt? In der Vergangenheit kramen, wenn Gegenwart und Zukunft in die Enge treiben?

Dies Erinnern ist etwas anderes, dies Erinnern hält nicht den Blick auf Vergangenes, dies Gedächtnis hat verändernde Lebenskraft für heute und morgen. In diesem Gedächtnis steckt explosive Energie, die in Bewegung versetzt, sie durchbricht unseren Teufelskreis unserer Angst und Sorgen. Sie hält Hoffnungen wach, ruft Erinnerungen an lebendige Erfahrungen ins Bewusstsein zurück und gibt Zuversicht, dass sich eben nicht alles so entwickeln muss, wie es mir jetzt vor Augen steht.

Gerade diese Nacht macht deutlich, dass die Dunkelheiten des Lebens nicht ausgeblendet werden, unser Blick etwa selig verschleiert werden soll.

Auferstehung ist Erweckung nach dem Tod am Kreuz; das Licht scheint, nachdem sich die Sonne in Gottesverlassenheit verdunkelt hat; die Feier des Abendmahles ist Gedächtnis der Nacht des Verrates.

Der auferstandene Herr ist Sieger über den Tod, das ist die Botschaft dieser Nacht. Unser Herr ist ein Herr über Leben und Tod, einer, der sich durch alle Nächte hindurch als Herr erweist und für uns auch erweisen will. Die Osterbotschaft sagt: unser irdisches Leben in Höhen und Tiefen, in Licht und Dunkelheit wird vom Herrn begleitet, der jede Nacht kennt und jede Dunkelheit erlitten hat.

Solchen wirklich tröstenden Glauben finde ich sehr schön wieder in Johann Sebastian Bachs Kantate zum Sonntag nach Ostern ,Halt im Gedächtnis Jesus Christ‘. Auf die gewaltige, von strahlenden Trompeten der Freude begleiteten Chorauslegung dieser Ermahnung folgt eine Arie: ,Mein Jesus ist erstanden, allein, was schreckt mich noch? Mein Glaube kennt des Heilands Sieg, doch fühlt mein Herze Streit und Krieg, mein Heil, erscheine doch!‘ Anfechtung und Bitte um Hilfe auch nach Ostern. Und später wird die Unsicherheit überwunden und die Bitte um Begleitung erfüllt, wenn Jesus Christus zu seinen Jüngern spricht: ,Friede sei mit euch‘ und das ständig wiederholt, und die Jünger sagen: ,Wohl uns! Jesus hilft uns kämpfen und die Wut der Feinde dämpfen, Hölle, Satan, weich! Jesus holet uns zum Frieden und erquicket in uns Müden Geist und Leib zugleich. O Herr hilf und lass gelingen, durch den Tod hindurchzudringen in dein Ehrenreich.

Und am Ende steht der Choral der Gemeinde: ,Du Friedefürst, Herr Jesu Christ, wahr Mensch und wahrer Gott, ein starker Nothelfer du bist im Leben und im Tod: Drum wir allein im Namen dein zu deinem Vater schreien.‘

Darum, liebe N.N. und liebe Ostergemeinde: ‚Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist‘.

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