Sein Wort ist unser Auftrag

Liebe Gemeinde,

– der Predigttext von heute ist für mich von besonderer Bedeutung: damals als jugendlicher Mensch, der von Gott nichts wusste, las ich das erste Mal im Leben die Bibel/das NT – dieser Text blieb hängen bis heute, ich kann das gar nicht so genau erklären, warum

– aber hört ihn euch erstmal ganz an:

[TEXT V. 1-11]

– das haben bestimmt schon viele gehört: Fischzug und Jüngerberufung, kennen wir – erledigt? Mal sehen, lass uns mal genauer in diesen Bericht des Lukas hineinsehen:

[TEXT V. 1-3]

– Jesus, wie wir ihn kennen: er lehrt das Volk am See Genezareth, "die Menge drängte, um das Wort Gottes zu hören", er musste sogar mit dem Boot auf den See, um zu sprechen, weil es so viele waren

– man könnte Trauer empfinden: wo drängt sich heute die Menge, um Gottes Wort zu hören. In einem Land, in dem sich noch fast 70% Christen nennen, wo wird da der christliche Glaube sichtbar? Wer betet noch, wer liest noch die Bibel, wer geht noch zum Gottesdienst? Die Umfragen sprechen da eine deutliche Sprache.
Wer würde noch bekennen: Jesus ist mein Retter, mein Leben gehört ihm. Heute hört man doch eher: "Naja noch gehöre ich bei dem Verein dazu, aber glauben tu ich den ganzen Kram noch längst nicht." Oder man ist schon lange ausgetreten: "bringt nichts für mich."

– Jesus damals brauchte keine großen Gebäude, ein Boot reicht und keine komplizierte bürokratische Kirchenverwaltung: Seine Botschaft kann an einem See genauso wirkmächtig werden, weil sie eben Botschaft von Gott ist, direkt und mächtig, keine Stellungnahmen zur Steuerreform oder Tierhaltung oder Biogasanlagen, wie sie unsere Kirchentheologen so oft auf die Menschheit loslassen. Nein, bei Jesus geht es nur um EINE einzige Sache: wie ich verlorener in mir selbst gefangener Mensch gerettet werde, wie mein Herz mit einer lebendige Hoffnung erfüllt wird, die weit über dieses Leben hinausreicht, kurz: wie ich in den Himmel und nicht in die Hölle komme.

– und das Volk spürt Jesu Besonderheit: große Begeisterung für ihn, viele auf seiner Seite, ABER: wie wetterwendisch ist das Volk, interessiert am Neuen, schnell zu begeistern: Hosianna beim Einzug in Jerusalem und kurz später: kreuzige ihn. Sie waren eben Fans, aber keine Nachfolger. Kierkegaard sagte mal: Jesus braucht keine Bewunderer, sondern Nachfolger. Bewunderer machen es sich zu leicht: sie schauen wie durch einen Glaskasten auf eine Sache und finden sie vielleicht chic oder kulturell wichtig. Sie hören mit Andacht die Matthäuspassion und sind gerührt und am nächten Tag hören sie mit der gleichen Andacht – was weiß ich: Musik aus einem buddistischen Kloster oder die alten Platten von den Stones. Kultur, Bewunderung, aber kein Glaube und keine Nachfolge.

– Bei der Nachfolge aber geht es darum, dass diese Sache Jesu viel weiter bei mir kommt, in mein Herz kommt, dass sie zur Mitte meines Lebens wird, zu einer lebendigen Beziehung, dass Jesus eine wirkliche Bedeutung für mein Leben hat.

– was hat meistens Bedeutung für mein Leben, ganz ehrlich: das Alltägliche, die Familie, Feiern, die Arbeit, die Gesundheit, der Broterwerb usw. Das bestimmt uns und oft nimmt es uns auch gefangen. Das war damals nicht anders. Petrus und seine Gefährten waren Fischer, die in der letzten Nacht leider erfolglos waren. Und die bekommen vin Jesus nun nach seiner Rede einen für sie zunächst unsinnigen Auftrag

[TEXT V. 4]- ich habe von Fischen keine Ahnung, aber gelesen, dass die einzige Chance für Fischer damals am See Genezareth darin bestand, nachts und nahe am Ufer zu fischen: da sind die Fische, eben nicht da, wo es tief ist. Und Simon zeigt ja auch leichte Skepsis, gehorcht dann aber

[TEXT V. 5]

– in diesem kleinen Vers ist entscheidend: "auf dein Wort hin" will ich es tun. Ich weiß, das es normal keinen Erfolg hat, aber ich vertraue dir, Jesus, frag mich nicht, warum. Petrus spürt: bei Gott ist alles möglich und dieser Jesus ist etwas ganz Besonderes eine Erfahrung, die Menschen immer wieder mit Jesus machen: bei ihm geschehen Dinge, die eigentlich nicht möglich sind: Kranke werden geheilt, Blinde sehend, Süchtige frei, Habgierige verändern ihr Leben, Tote stehen auf, der Sturm legt sich. Jesus braucht für alle diese Dinge meist nur ein Wort, keine große Show. Keine Show: denn er will keine oberflächlichen Fans, sondern Menschen, die zu ihm umkehren ud ihm ihr Herz und ihre Hand geben – so wie Petrus, der Jesu Wort nun tut, und dabei nicht schlecht fährt

[TEXT V. 6- 10a]

– voller Erfolg, Netze bis zum Reißen gefüllt, Boote saufen fast ab, Bergung der Fische gelingt nur gerade eben. Da passiert etwas ungewöhnliches: Schrecken erfasst die Leute, nicht: Klasse Tip, Jesus, danke schön. Komm mal wieder längs. Oder: Mann ham wir ein Schwein gehabt, doch noch gut gegangen, toi, toi, toi. Nein: Schrecken, Furcht und Simon Petrus sagt, was die anderen denken: Geh weg, ich bin ein sündiger Mensch. In der Begegnung mit Jesus, mit dem Heiligen, erfasst ihn Furcht. Er spürt sofort: das ist keiner, dem ich etwas vormachen kann und muss, ich brauche hier nicht meine Standardmaske "Leistung und Erfolg" aufsetzen. Dieser Jesus kennt mein Herz. Er weiß, wie es darin aussieht. Er ist heilig und gerecht und ich bin es nicht. Ich bin gefangen in Sünde, in der Trennung von Gott, im Kreisen um mich selbst. Dieser Graben zwischen mir uns Jesus scheint unüberwindbar. Geh bloß weg, Jesus, mach dir nicht die Finger an mir schmutzig.

Wer so weit ist wie Petrus damals, ist schon sehr weit. Wer erkennt, dass er von Gott getrennt lebt, daß er ein Gefangener von Schuld und Selbstrechtfertigung geworden ist, ist schon sehr weit. Wer erkennt, dass er sich selbst nicht retten kann, ist schon sehr weit. Denn sein Herz wird demütig, der alte Stolz vergeht und seine Augen fangen an die Wahrheit zu sehen. So wie Petrus und seine Mitarbeiter damals. Voller Furcht und Demut bitten sie Jesus zu gehen. Doch was sagt der?

[V. 10b-11]

– "Fürchte dich nicht", wie oft hören wir diese Worte in der Bibel, meist von Engeln gesagt, zur einfachen Zimmermannsfrau Maria bei der Ankündigung der Geburt Jesu, zu den einfachen Hirten auf dem Felde von den himmlischen Heerscharen, bei der Geburt Jesu, zu den einfachen Fischern am See Genezareth von Jesus selbst. Fürchte dich nicht. Ich werde dich nicht vernichten. Ich bin mächtiger als deine Sünde, deine Krankheit, deine Angst, als alles das, was dich gefangenhält. Fürchte dich nicht! Vertraue mir, glaube! Und: Folge mir nach. (Mk 1,17, dort direkt gesagt) Bleibe bei mir, halte dich an mir!

– Verlass das, was dich bindet und folge mir nach. Du hast einen Auftrag, ich will euch zu Menschenfischern machen. Ach ja, dieses Wort "Menschenfischer". Klingt scheußlich und bedrohlich, nicht wahr? Rattenfänger, Verführer, Bauernfänger – was fällt einem da nicht alles zu ein. Und zu recht! Denn immer dort, wo Menschen Heil und Rettung an Jesus vorbei versprochen wird, haben wir es mit nichts anderem zu tun. Heilsversprechen ohne Jesus sind Lüge und Betrug, wie nett verpackt und schön anzusehen sie auch daher kommen. Jesus allein ist der Weg zum Vater, nichts und niemand sonst. Und das sollen die Menschen auch wissen, damit sollen wir sie fischen, zur Ehre Gottes. Klingt superradikal und intolerant, nicht wahr?

– Aber Jesus damals war auch nicht gerade wenig radikal, als er zu Menschen sagte: Folge mir nach. Ihr müsst das mal lesen in Lukas 9, was die zu hören kriegten, die völlig berechtigte Einwände äußerten (Vater begraben, Acker beschauen, heiraten). Nein, in diesem Moment, da Jesus vor dir steht und sagt: Folge mir nach, das ist der Moment der Entscheidung. Kommst du oder kommst du nicht? Ein bisschen geht nicht. "Schnuppernachfolge" geht nicht.

– Und Petrus und seine Gefährten zögern nicht, ihm nachzufolgen. Was mich immer wieder wundert, ist: wie selbstverständlich das so in der Bibel steht. Jesus sagt: "Folge mir nach. Und er stand auf, verließ alles und folgte ihm nach." (Leviberufung) Die Fischer ließen alles liegen und gingen mit Jesus. Stellt euch das mal bei uns in Nordfriesland vor. Viele Menschen lassen sich doch lieber totschlagen als die Heimat oder die Familie zu verlassen (vielleicht übertrieben). Was muss dieser Jesus bloß für eine Kraft und Austrahlung haben, das so etweas geschehen kann …

– Und das Verrückte: es geschieht bis heute: bis heute ändern Menschen ihr Leben und folgen Jesus nach. Sie wollen zu ihm gehören, nicht als bloße Mitglieder irgendeines Vereins, die alle paar Jahre wieder mal christliche Traditionen abarbeiten, sondern wirklich innerlich dazu. Nicht unbedingt immer äußerlich, sie müssen nicht in die Wüste, um Gott zu finden. Aber sie spüren innerlich eine tiefe Sehnsucht nach Erlösung.

– Und sie wissen: in ihm liegt meine Rettung, nirgendwo sonst. Und sie machen sich mit ihm auf den Weg und ihr Leben verändert sich und wird spannend. Ein Leben mit Jesus ist nicht langweilig, ein Leben in einer Beziehung mit Gott ist das Erfüllendste, was es gibt. Lebendiges Leben, kein totes Leben. Orientierung, Hoffnung, Vertrauen, Trost, Heil – bei Jesus gibt es das.

– der Weg mit Jesus ist ein Lebensweg und er hört mit dem Tode noch lange nicht auf. Irgendwann hat er mal angefangen. Nämlich da, als Jesus zu uns sagte: Folge mir nach. Und wir nicht mhr loskamen von ihm.

– Jesu Stimme ist in unserer Zeit leiser geworden. Die große Menge der Menschen Europas drängt sich wohl nicht mehr, um Gottes Wort zu hören. Sie haben mit anderen Dingen genug zu tun. Wie wäre es, wenn wir ihnen mal etwas erzählen von IHM, vom Licht der Welt, von unserem Glauben und unserer Hoffnung? Vielleicht warten sie schon lange darauf, trauen sich aber nicht, zu fragen.

Vielleicht hören Sie dann auch die Stimme Jesu in ihren Herzen: Folge mir nach!” und ihr Herz in ihnen wird unruhig und voller Sehnsucht nach Gott und sie folgen Jesus nach. Dann wiederholt sich das, was damals am See Genezareth passierte.

– Es gehört Mut dazu, in unserer oft so grausam hohlen und übersatten Gesellschaft von Jesus zu reden. Aber sein Wort ist unser Auftrag und sein Weg ist der Weg des Lebens. Deshalb lasst es uns wagen, gegen alle Anschauung. Werft eure Netze aus, da wo es sinnlos scheint. Erzählt von Jesus. Möge Gott seinen Geist zu unserem Zeugnis geben.

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