Sein Geist wird uns geben, was wir brauchen

Liebe Gemeinde,

anspruchsvolle Worte sind das: Tröster, Geist der Wahrheit, Zeugnis, Zeugen, hinter denen eine schwer begreifbare Wirklichkeit steht. Wir sprechen von Erfahrungen, die wirklich sind, obwohl sie unbeweisbar bleiben. Von den 400.000 Menschen am Abend der Begegnung auf der Straße des17. Juni am Eröffnungsabend des Ökumenischen Kirchentages werden das sehr viele bezeugen. Wir spürten Gottes Geist ganz nahe. Er begegnete uns in den Menschen um uns herum. Er war da in Worten, die wir hörten, in Gesten, die uns galten. Er sprach durch uns, als wir mit jemand anderes in einem Gespräch vertieft waren.

Der Geist Gottes, ist nah, ganz nah und zugleich unverfügbar. Er ist wie der erfrischende Wind auf unserer Haut. Er tut uns gut, aber wir können ihn nicht festhalten und einpacken. Wenn wir ihn beschreiben wollten, so wäre es wie mit dem erfrischenden Wind auf der Haut. Jeder erlebt ihn anders.

Jesus geht fort und ist doch zugleich ganz da. Sein Abschied lässt uns nicht allein zurück. Er sagt uns Gottes Geist als Kraft, als Hilfe, als Wahrheit, als Trost zu. Gottes Geist lässt sich in vielfältigen Bildern beschreiben. Sie stehen für eine uns tragende Wirklichkeit, nach der wir uns unentwegt sehnen.

Was ist der Trost und die Hilfe? Gottes Geist tröstet uns nicht über den Abschied und Verlust von Menschen hinweg. Er öffnet uns Wege zu einem neuen Leben. Dazu sitzen wir ganz sicher nicht im Sessel und warten darauf, dass sich der Himmel öffnet. Es geschieht, indem wir die Aufgaben, die es zu erledigen gibt, im Vertrauen auf Gottes gute Gegenwart anpacken. Da hat jeder von uns auch sehr eigene Weisen, in denen sich das Vertrauen ausdrückt. So z.B. täglich Losung und Lehrtext lesen. Die fortlaufende Bibellese als Brücke zu Gott nehmen. Das Gebet in der Stille oder auch sehr spontan. Einfach innehalten und sich auf Gott besinnen. Das Vaterunser beten.

Abschied bedeutet zugleich auch immer neu zu beginnen, aufzubrechen. Es ist etwas zu Ende gegangen. Aber es erfolgt kein Stillstand. Auch kein zurück gehen. Wohl dankbar zurück blicken auf den Reichtum einer gewesenen Zeit. Einer Zeit auch mit Jesus Christus und Gottes Geleit. Selbst dann, wenn wir oft nichts davon gemerkt haben.

Die Zukunft ist zugleich auch Zukunft mit Jesus Christus. Das sagt Jesus in dieser Stunde des Abschieds. Er ist nicht sichtbar und dennoch bei ihnen. Wir sind nicht ohne Gott. Seine Gegenwart, Liebe, Kraft und Stärke erfahren wir immer wieder. Es wäre gut, wenn wir öfter einmal davon ohne falsche Scham erzählten. Das ist nicht nur Sache der „bezahlten“ Gläubigen. Erinnern Sie sich daran, wo Sie getröstet wurden! Erinnern Sie sich, wie Ihnen geholfen wurde! Erinnern Sie sich an Begegnungen, von denen Sie heute sagen, dass Ihnen in einem Menschen oder Ereignis Jesus Christus, Gott selbst begegnete! Erzählen Sie davon! Vielleicht gleich beim Kaffee nach dem Gottesdienst unten im Kelleraum des Gemeindehauses.

Der erste Schritt, der Anstoß gewissermaßen, Gott zu bezeugen, kommt von Gott selbst. Sein Geist bezeugt IHN unserem Geist. Wir sind auf sein Zeugnis angewiesen und nicht umgekehrt. Gott braucht nicht unser Zeugnis, um unser Gott zu sein. Er ist nicht Gott durch unser Bekenntnis. Sondern wir glauben und vertrauen ihm, weil er sich uns zuerst geöffnet hat.

So wenig, wie wir über den Geist Gottes verfügen können, so wenig können wir von uns aus, sozusagen als ersten Schritt, den Geist Gottes für uns in Anspruch nehmen und ihn zuerst bezeugen. Gott hat sich zuerst zu uns bekannt, damit wir uns zu ihm bekennen können. Damit nimmt er uns zugleich eine große Last vom Herzen. Wir müssen nicht zuerst an ihn glauben. Was wir allerdings aus dem Zeugnis Gottes uns gegenüber und den Glauben, den er uns gibt machen, ist schon etwas ganz anderes.

Christen sind, vor allem in der frühen Zeit des Urchristentum, immer verfolgt worden. Auch heute gibt es noch Orte auf der Welt, wo Christen um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Dabei geht es nicht darum, wie beharrlich sie ihre Lehrsätze aufsagen und anderen gegenüber verteidigen. Das ist recht unwichtig. Jesus lebt, er ist auferstanden. Das ist unser Bekenntnis. Es hat schwerwiegende Folgen für unser Verhalten und Leben in der Welt. Wir mischen uns ein in Politik und Gesellschaft für Frieden und Gerechtigkeit. Wir lieben, wo andere nur Hass und Gewalt als Mittel der Politik und Durchsetzung ihrer persönlichen Machtansprüche sehen.

Christen mussten nicht so sehr die Synagoge und damit die Juden fürchten. Sondern umgekehrt haben Christen Juden verfolgt und getötet. Dafür stehen die Kreuzzüge und der Holocaust.

Nicht wir müssen um unser Leben fürchten, sondern darum, dass die Liebe, die Fürsorge und Solidarität mit den Notleidenden, den anders Denkenden, den anders Seienden, den anders Glaubenden, der Minderheiten in Staaten und Gesellschaften auf der Strecken bleiben. Vorurteile, Intoleranz, Fundamentalismus, Fanatismus, Rassismus, Machtmissbrauch usw. bestimmen das Denken und Handeln vieler Menschen, Politiker und Gruppen.

Hier benötigen wir den Geist Jesu Christi, damit er uns leitet, ermutig, stärkt und auch tröstet, damit der Glaube lebendig sei. Lebendiger Glaube zeigt sich aber im Eintreten für die Menschen und die Welt.

Die Voraussetzungen dafür hat Gott durch Jesus Christus geklärt. Er hat uns gerettet, erlöst und vom Tode befreit, den wir noch in dieser Welt erleiden. Um unsere Seligkeit brauchen wir uns keinen Kopf zu machen. Sondern wir können aus sie heraus leben, um die kleinen und großen Dinge unseres Alltags und der Welt zu bewältigen. Denn wir sind gewiss, dass weder Tod noch Leben, noch irgendetwas können uns von Gottes Liebe trennen, die er uns in Jesus Christus geschenkt hat. Sein Geist wird uns geben, was wir brauchen. Was bleibt zu tun? Auf die Gegenwart Gottes vertrauend anzupacken, was zu tun vor uns liegt.

drucken