Schick die Zweifler zu Jesus

Liebe Gemeinde,

Johannes sitzt im Gefängnis. Er hat dem König zu deutlich gesagt, dass es nicht richtig ist die Ehe zu brechen und dann auch noch mit der Ehefrau des Bruders. Die Wahrheit zu sagen war schon immer unbequem und gefährlich.

Johannes war ja eine unheimlich tragische Gestalt. Da haben sie ihn in eine Gefängniszelle gesperrt. Bald wird er geköpft werden. Schöne Aussichten! Was hat der überhaupt mit Weihnachten zu tun? Johannes ist eine fast abstoßende Gestalt, seltsam unattraktiv. Ungewohnt ist schon seine Kleidung. Er verzichtet auf allen Luxus und trägt nur ein Mantel aus Kamel-Haaren. Auch seine Speise hat er den Bewohnern der Wüste abgeschaut: Heuschrecken und wilden Honig. Ihm war die Kleidung unwichtig, das Essen war ihm unwichtig. Er hatte nur eine Leidenschaft, für die er sich verzehrte: Er wollte Jesus, dem Christus, den Weg bereiten. Alles ändere sollte bei ihm zurücktreten – Essen, Kleidung, Wohnung. Aber eine laute Stimme wollte er sein: »Siehe, der Herr kommt gewaltig!« Das hat ihn ganz erfüllt. Er war kein Miesepeter, sondern ein Mann der Freude. Er nannte sich selbst den Brautwerber, der dem Bräutigam die Hochzeit ausrichtet. Diese große Freude hat auch die Menschen angezogen. In großen Scharen zogen sie ans Jordanufer. Aufmerksam lauschten sie seinen Worten. Natürlich sprach er auch von den Hindernissen die dem kommenden Heiland den Weg versperren. Die Türen sind verriegelt. Handfestes Unrecht blockiert. Das Nein gegen Gottes Wort verschließt. Darum ruft Johannes: Er kommt! Macht doch den Weg frei für den Retter, der schon vor der Türe steht! Bereitet ihm den Weg und lasst ihn einziehen! Nur so kommt es zur rechten Weihnachtsfreude. Du musst den Retter Jesus kennen und finden. Ohne ihn gibt es keine Freude, weder an Weihnachten noch anders wann.

Aber jetzt, in der Haft, war da Johannes nicht vom Zweifel schwankend geworden? Nein, das ist nicht denkbar, dass Johannes im Glauben nur deshalb schwach wurde, weil er Unrecht erleiden musste. Bei ihm sind keine selbst erdichteten Vorstellungen zusammengebrochen. Das war für ihn kein Schock, sondern ganz selbstverständlich: Jesus »muss wachsen, ich aber muss abnehmen!« Darum trat er furchtlos dem Tyrannen Herodes in den Weg und deckte ohne Scheu die miese Schurkerei von dessen Ehebruch auf. Er war ein Prophet, der für sein Wort den Kopf aufs Schafott legte und nichts bereute. Aber mit seinen niedergeschlagenen Jüngern hatte Johannes schreckliche Nöte. Er hatte sie schon mehrfach aufgefordert, mit Jesus zu ziehen. Sie wollten aber nicht, sondern hingen nur fanatisch an ihrem Meister Johannes. Sie glaubten Jesus nicht und verfolgten eifersüchtig, ob vielleicht Jesus mehr Erfolg habe als ihr Meister. Sicher ärgerte sie das auch bei Jesus, dass er nicht Heuschrecken aß und sich nicht mit einem Fell kleidete. Da stehen sie vor uns: fromme, eifrige Leute mit vielen religiösen Pflichten, aber furchtbar enttäuscht und niedergeschlagen, weil ihr Meister elend im Gefängnis endet. Die Freude fehlt ihnen, weil sie Jesus, den Messias und Heiland der Welt, nicht kennen und ihre Zweifel an ihm nicht überwinden können. Und Johannes lässt sie in ihren Zweifeln nicht allein. Er schickt sie zu dem, der unseren Zweifel überwinden kann.

Zweifel sind die große Not unseres Jahrhunderts. Sie haben eine tiefe Glaubenskrise in unserer Kirche aufgerissen, die unsere Glaubensfreude lähmt. Schrecklich ist die Ungewissheit. Viele werden von schlimmen Anfechtungen gequält. Auch um uns leben viele, die traurig und schwermütig in diese Weihnachtstage hineingehen. Johannes war ein erfahrener Seelsorger. Darum hat er mit seinen treuen Freunden nicht leidenschaftlich über Jesus gestritten. Es bringt nichts. Glauben kann man nicht mit noch so klugen Worten herbeireden oder beweisen. In dieser Erzählung steht, dass Johannes die Gelegenheit beim Schopf ergreift, als alle Leute von den großen Wunderzeichen Jesu reden. Johannes weiß: Diese »Taten Jesu Christi« (V. 2) müssen Zweifelnde überführen. Darum rät er diesen Skeptikern: Geht doch zu Jesus und fragt ihn einfach, ob er der sei, der da kommen soll. An Tannenzweigen und Kerzen kannst du dich nicht halten; die machen dich nicht froh. Wenn Zweifel plagen: Wo ist der Gott der Liebe? Hält mich Gott oder stürze ich in bodenlose Tiefen? Gibt es eine Rettung vor den unheimlich finsteren Mächten? Da musst du jetzt Jesus selbst begegnen und Ihre Zweifel und Nöte ihm selbst vortragen. Zweifel haben handfeste Gründe. Auch wenn jetzt vor Weihnachten viele in der Traurigkeit stecken bleiben. Was soll denn helfen können? Jesus sagt es: Seine Wundermacht kann Tote lebendig auferwecken. Seine Kraft kann Kranke aufrichten. Und sein Evangelium macht Verzweifelte mutig und fröhlich. Zu ihm selbst muss man gehen, zu niemandem sonst. Er will die Werke des Teufels vollständig zerstören.

Das böse Unrecht der Gefangenschaft wird nicht beendet. Die heiß ersehnte Freiheit wird nicht geschenkt. Auch gibt es keine Antwort auf die bedrängende Frage, warum Gott das schlimme Unrecht überhaupt zulässt. Nicht das Elend der Welt wird abgeschafft, aber Menschen werden völlig verändert. Der Theologe Oetinger spricht in seinen Auslegungen zur Stelle von der Erleuchtung, die bei uns geschehen muss. Nur so bekommt der Glaube den Durchblick auf Jesus. Aber das hat Folgen:

Hier ist klar gesagt, was passiert, wenn das Evangelium gepredigt wird:

"5 Blinde sehen, Gelähmte gehen, Leprakranke werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet." Fangen wir hinten an:

Erstens: und Armen wird die frohe Botschaft verkündet:

Ein junger südindischer Schuhputzer wurde durch seinen Kontakt mit Christen gläubig. Bei seiner Arbeit sang er: "Suchet zuerst Gottes Reich und seine Ge­rechtig­keit, dann werden euch all diese Sachen zufallen.“ Kollegen fragten: Was sind denn das alles für Sachen, die dir gegeben werden sollen? Der Schuhputzer wusste es nicht, fragte, aber am Sonntag in der Kirche nach. die Antwort war: Essen,. Kleider und ein Zuhause. Einige Wochen vergingen. Der junge Schuhputzer war immer noch hungrig. Er schlief immer noch unter freiem Himmel und sein einziges Hemd hing in Fetzen. Wo sind nun all diese Dinge, und wann werden sie dir zufallen? spotteten seine Freunde, als sie ihn immer noch singen hörten. Freundlich, aber mit großer Traurigkeit antwortete er: Mein himmlischer Vater hat diese Sachen bereits meine Schwestern und Brüdern geschenkt. Diese haben sie einfach noch nicht an mich weitergegeben.

Evangelium leben, heißt nicht nur sonntags in die Kirche zu gehen und zuzuhören. Die schwäbischen Erweckungsprediger haben es treffend gesagt: der erste der es merkt, das ein Bauer gläubig geworden ist, ist das Vieh im Stall. Wir haben heute kein Vieh im Stall mehr, aber wie gehen wir mit den Sachen um, die uns gehören. Oder noch schwieriger: wie gehe ich mit Dingen um, die der Allgemeinheit gehören. Wie gehen wir mit Menschen um, die uns begegnen, vor allem mit denen, die wir nicht leiden können? "6 Glücklich ist jeder, der nicht an mir zweifelt " Glücklich ist, der sich nicht daran zweifelt, dass wir auch denen mit Liebe begegnen sollen. Aber wo kriegen wir dazu die Kraft her? die kriegen wir nur, wenn wir die große Freude erfahren, die Jesus Christus schenkt.

Zweitens: Tote werden wieder lebendig:

viele Gemeindeglieder haben sich innerlich abgemeldet; dort wo sie wieder aufwachen und zur Gemeinde kommen, werden Tote lebendig. ProChrist soll dazu dienen, dass solche Tote wieder auferstehen. Das sie aus dem geistlichen Tod, zu dem lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen. Betet mit und helft mit, dass solche Totenauferweckungen bei ProChrist geschehen. Bringt eure Freunde und Bekannten mit, damit sie die Macht des lebendigen Gottes sehen.

Leprakranke werden geheilt:

Vorurteile werden abgebaut. Wir sehen nicht, was der Mensch schon immer war, sondern was aus ihm werden kann. "Mit dem oder der will ich nichts mehr zu tun haben", das ist ein Satz den ich manchmal höre. Dieser Mensch gilt dann für den betreffenden als aussätzig. Das wo ich das Evangelium lebe, wird dieser Makel geheilt und ich sehe in dem Gegenüber das geliebte Geschöpf Gottes.

Gelähmte gehen:

Dort wo das Evangelium gepredigt, kommen Menschen Sonntag morgens aus dem Bett. Sie liegen nicht mehr lahm in den Federn. Dort wo das Evangelium gepredigt wird gehe ich zu meinen Freunden, Verwandten und Bekannten und bringe ihnen Jesus. Blinde sehen:

Sex, Geld, Macht gelten als die drei wichtigsten. Dort wo Menschen erkennen, dass sie höchsten die zweitwichtigsten Dinge nach Jesus Christus sind, gehen ihnen die Augen auf. sie werden von ihrer Blindheit geheilt.

Hier ist also klar gesagt, was passiert, wenn das Evangelium gepredigt wird. Johannes und seine Jünger werden darauf verwiesen. Johannes ist nicht nur eine tragische Gestalt, sondern auch ganz großes Vorbild für uns:

Allein Johannes stand ganz nah am unmittelbar anbrechenden Reich Gottes auf Erden. Darum nennt ihn Jesus den Größten von allen, die von Frauen geboren wurden. Aber Jesus fügt hinzu. der Kleinste im Himmelreich – das kann jemand aus dem Kindergottesdienst oder der Jungschar sein – sei größer als Johannes der Täufer. Warum eigentlich? Johannes hat zwar noch durch Jesu eindeutige Antwort an seine getreuen Jünger einen letzten wunderbaren Gruß genau da erhalten, wo er den Dienst für seinen Herrn im Martyrium bekräftigen sollte. Das Größte aber hat er nicht mehr sehen dürfen: das Haupt voll Blut und Wunden mit der Dornenkrone. Und darum ist der Kleinste im Himmelreich größer als Johannes. Derjenige ist glücklich zu preisen, der sich nicht an Jesus ärgert! Am kreuz von Golgatha lösen sich alle kritischen Fragen, wenn wir bekennen können: Du bist wirklich der Christus Gottes, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde, das meine Sünde trägt!

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