Schätze

Ein Stadtstreicher aus Stuttgart erzählt: "Ich gehe in meine Leonhardtskirche. Ich bete zu meinem Jesus … Ich sage zu Jesus: Jupp, sage zu ihm Jupp, tja … Ich sage ihm, ich freue mich, Jupp, dass ich körperlich gesund bin, dass ich laufen kann, dass mir sogar das Bier noch schmeckt und alles mögliche. Alles paletti. Ich bedanke mich, dass ich noch lebe. Ich lebe nämlich gerne." (Platte machen S. 28) Dieser Stadtstreicher ist ein Vorbild. Er feiert Erntedank.

Oft denke ich: Ich stehe auf einer anderen Seite, spiele in einer anderen Liga.: "Er hat den Hals zu voll, um Danke zu sagen." hat Wilhelm Busch dazu gesagt.

Jesus nimmt in seiner ihm eigenen Art Stellung zum Thema Besitz und Dank:

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Ich fühle mich erst einmal vor den Kopf gestoßen: Als wäre das alles so einfach. Ist es nicht wichtig, Schätze zu sammeln. Nun gut, keine Riesenschätze, aber so die kleinen Sparbücher, Lebensversicherungen, Rentenansprüche. Das Auto – eine Nummer größer als nötig. Sind das Schätze oder nicht? Es geht mir wohl doch zu gut. Immerhin kann ich es mir leisten, Schätze zu sammeln. Und ich tu es immer wieder und gerne. Will Jesus jetzt kommen und mir ein schlechtes Gewissen einreden?

Mammon ist ein aramäisches Wort für alles, was Eigentum bildet: Geld, Sklaven, Grundbesitz! Sklaven habe ich nicht, Grundbesitz auch nicht. Wie schön. Also bin ich vielleicht doch ein besserer Mensch – aber Geld habe ich. Werde ich ein besserer Mensch, wenn ich es nicht habe? – Wohl kaum, wenn ich beobachte, wohin die Verzweiflung des Hungers manche Menschen treibt.

Wovon lebe ich? Mit dieser Frage nähere ich mich dieser Predigt Jesu an diesem Tag, bei dieser Feier. Und da merke ich, dass da eine große Zusage steht: Weil Gott euch liebt, darum habt ihr längst euren Schatz im Himmel. Ihr müsst euch da nichts verdienen und nichts beweisen. Ihr habt längst und ihr seid längst. Ihr müsst eure Existenz und euer Leben nicht absichern. Gott liebt euch so sehr, dass euch nichts mehr kaputt machen kann. Dafür dürft ihr dankbar sein. Darum heißt Erntedank auch: dankbar sein für die Liebe, die ich empfange und die ich geben kann. Darum hat der Stadtstreicher recht, wenn er Gott einfach dafür dankt, dass er lebt.

Und trotzdem bleibt auch der Angriff auf unseren Lebensstil: Es heißt nicht: Ihr dürft nicht oder ihr sollt nicht à ihr könnt nicht zwei Herren dienen. Es geht um eine klarer Feststellung Jesu: es funktioniert nicht! Wie oft Ihr das auch versucht. Der Spagat muss misslingen. Ihr könnt nicht immer wieder ausweichen. "In Gefahr und Not bringt der Mittelweg den Tod." heißt ein Wort, dass ich immer wieder neu lernen muss zu akzeptieren. Ein Fluch lastet manchmal auch auf der Harmoniesehnsucht, die um des lieben Friedens willen versucht alles hinzubiegen. Ihr könnt nicht das Unkraut mit Chemie vertilgen und biologische Lebensmittel ernten. Ihr müsst Entscheidungen fällen.

Im Sinn bleibt der Riss, der zwischen der Welt liegt, die wir vorfinden und dem reich Gottes, das Jesus ausruft. Mitten in diesem Riss leben wir. Wir sind noch nicht die erlösten, aber wir sind auf dem Weg. Wenn wir beten "Dein Reich komme", dann sollten wir das auch leben. Zumindest versuchen. Damit leben, dass ich den Hals zu voll habe und trotzdem leben im Glauben, dass er mir hilft, mein Leben zu leben.

Es geht auch um meine Sehnsucht. Wohin ist sie gerichtet. Wovon träume ich – wenn ich träume – und was tu ich gegen meine Träume und für meine Träume? Welche Ziele habe ich. Wohin treibt mich der Dank. Wenn ich dankbar bin für die Gaben Gottes, kann ich sie dann wegschließen und sammeln – oder will ich sie teilen?

Zum Licht wird das Auge davon, dass es das Licht erblickt, dass es in das Licht hinein schaut und es aufnimmt und den ganzen Menschen hell werden lässt. Jesus in mein Leben lassen und nicht nur meine Ziele, meine Pläne meinen Besitz über alles herrschen lassen. Das ist das Ziel von richtigem Dank: Erntedank.

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