Reicht Dir die verschwommene Wahrheit?

Liebe Gemeinde,

ein Ire, ein Däne und ein Deutscher gehen in die Kirche. Also sie dort sitzen, geht die Tür auf – der neue Besucher ist Jesus. "Ich heile durch Handauflegen." sagt er. Der Ire sogleich: "Hier mein Tennisarm". Jesus legt seine Hand auf den Arm – und? "Super", sagt der Ire, "der Schmerz ist weg". Kommt der Däne zu Jesus: "Mach‘ mal meinen Nacken wieder ganz". Gesagt getan. Jesus heilt durch seine Berührung auch den Dänen. Dann dreht er sich zum Deutschen um, der bleich wird, einen Schritt zurück weicht und sagt. "Fass mich ja nicht an, ich bin noch 6 Wochen krank geschrieben …"

Jesus heilt niemand gegen seinen Willen. So ist es auch hier Die heutige Geschichte steht in einem größeren Zusammenhang. Davor und danach geht es darum, dass die Jünger Jesus und seinen Weg, den Weg des Erlösers ans Kreuz nicht verstehen. Und so geht es bei dieser Geschichte nicht nur um den blinden Mann, der am Ende wieder sehen kann, sondern auch um die Jünger, die für Jesus und seinen Weg blind sind. Jesus muss also nicht den Blinden heilen, sonder auch die innerlich blinden Jünger gesund machen. Denn blind ist nicht nur jemand, der ohne Sehkraft ist, sondern auch jeder, der sehenden Auges ins Verderben rennt. Oder jemand, der wieder besseres wissen keine Lehre annimmt.

So müssen wir bei unserem Nachdenken über die Geschichte auch immer über die beiden Aspekte nachdenken: über die körperliche Blindheit des Mannes, der geheilt wird und über die innerliche Blindheit der Jünger. Drei Dinge sind in unserer Geschichte besonders, die von dem gewöhnlichen Verhalten Jesu bei den Heilungen abweichen.

1) Der Kranke wird zu Jesus gebracht
2) Jesus geht vor das Dorf, aus der größeren Öffentlichkeit weg, um den Blinden zu heilen
3) Die Heilung geschieht in zwei Schritten
Schauen wir uns diese drei Dinge, vor allem das Dritte, einmal genauer an.

1) Der Kranke wird zu Jesus gebracht
Das gilt zuerst einmal körperlich, denn er findet seinen Weg nicht alleine. Das ist toll, das es da Menschen gibt, die sich um ihn kümmern und ihn ganz praktisch zu Jesus bringen Und so gibt es auch Fälle von innerer Blindheit, die ich selber gar nicht sehe. Da muss dann ein anderer auf mich zugehen und sagen: "Komm wir gehen und bringen die Sache zusammen im Gebet zu Jesus." Die Sache gehört dann aber nicht in die Öffentlichkeit, sondern in den kleinen Kreis von Freunden, darum:

2) Jesus geht vor das Dorf, aus der größeren Öffentlichkeit weg, um den Blinden zu heilen
Jesus nimmt ihn bei der Hand und führt ihn aus dem Dorf. Jesus macht die Arbeit eines Dieners, einen blinden zu führen, zur Chefsache. Manche Menschen muss Gott beiseite nehmen, um an ihnen handeln zu können. Und es geht auch nicht immer auf einen Schlag. Gott ist so groß, dass er sich uns Menschen, er sich der jeweiligen Situation anpassen kann. Hier heißt das:

3) Die Heilung geschieht in zwei Schritten
Und interessant ist: Gott verwendet die Heilmethoden der jeweiligen Zeit: Speichel war zu damaligen Zeit eine anerkannte Arznei und ein gebräuchliches Heilmittel. Heute wissen wir durch die Medizin, dass der Speichel eine Menge heilender, körpereigener Enzyme enthält. Handauflegen war das Zeichen, dass jemand helfen kann. Jesus macht damit deutlich: ich will dir helfen. Der erste Schritt führt nicht gleich zum Erfolg. Es klappt nicht auf Anhieb. Die Jünger denken bei sich: "Heute ist der Chef wohl nicht gut drauf. Normalerweise klappen seine Heilungen doch auf Anhieb." Und dabei merken sie gar nicht, dass sie es sind, die nicht gut drauf sind und nicht Jesus, der fit ist wie immer. Denn dass die Heilung nicht auf Anhieb klappt, ist keine Panne, sondern soll den Jüngern etwas ganz wichtiges zeigen. Das sehen wir, wenn wir uns den Ablauf genau anschauen. Jesus fragt nach dem erstenmal: «Kannst du etwas sehen?» Und der Mann antwortet: "Ja, ich sehe!" Und die Versuchung wäre recht groß gewesen ist, mit dieser Antwort aufzuhören. Denn er sieht ja wirklich etwas. Aber er redet weiter Für ihn ist es vielmehr lebenswichtig, nicht zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Und, Gott sei Dank, er beschreibt auch nicht seinen Freunden, was er jetzt alles sehen kann. Es wäre nämlich nur die halbe Wahrheit und Wirklichkeit. Und damit kommen wir dazu, was die Geschichte für uns und unsere Gemeinde bedeutet:

Diese halbe Wahrheit und halbe Wirklichkeit passiert leider allzu oft in unserer Gemeinde: da sehen Leute im Glauben nur verschwommen, nur die halbe Wahrheit, sie haben also keinen Durchblick, und trotzdem bezeugen sie kräftig, was sie sehen. Im Grunde richten sie oft nur Unheil und Verwirrung an. Denn wer nur verschwommen sieht, kann auch nur Verschwommenes wiedergeben. Natürlich steht der Mann in der Geschichte in der Gefahr, genau das gleiche zu tun. Er hätte auch aufgeben können und bei sich denken: "Es hat doch alles keine Zweck, ich werde sowieso nie richtig sehen können." Ähnlich kannst auch du heute denken: "Ich werde sowieso nie richtig glauben können. Ich habe mehr Fragen als Antworten." Und dann legst du die Bibel aus der Hand und setzt dich von der Gruppe und der Gemeinde ab. Aber das ist auch keine Lösung. Es mangelt nach meiner Einschätzung in der Gemeinde an drei Dingen:

1) Es gibt Menschen, die haben keinen Gefallen an Gewissheit und Klarheit. So wie der Deutsche, der nicht gesund werden sollte. Einer sagte mal: "Die beruhigenste Religion ist immer die unklare Religion" Von daher erklärt sich auch die Beliebtheit der Esoterik-Bewegung. Die Lehre der Esoterik ist ein einziger Mischmasch, denn du immer wieder durchrühren kannst. Alles ist möglich und nichts ist verbindlich. Und wer nichts weiß, kann sich trotzdem als Wissender ausgeben. Dagegen gibt es nichts unbequemeres als klar umrissene biblische Wahrheiten, die eine Entscheidung verlangen. Es steht fest: Für wenn der Glaube nicht klar und scharf umrissen ist, der wird wie der Blinde nur verschwommen sehen können.

2) Die Autorität der Bibel wird nicht anerkannt. Das ist die Ursache für viele geistliche Probleme, vor allem für Lauheit und Inkonsequenz im Glauben. Anstatt auf Gott zu vertrauen, dass er das Beste für mein Leben will und dass deshalb auch sein Wort für mein Leben gut ist, wird sein Wort erst einmal relativiert. Man sagt dann z.B.: "Wir leben heute schließlich 2000 Jahre später und können Gottes Wort nicht so einfach auf unser Leben übertragen." Und dabei sind diese Leute nur zu bequem und selbstzufrieden und haben es noch gar nicht probiert, ob Gottes Wort stimmt. Denn Gott ist der gleiche geblieben und so brauchen wir Gottes Wort nicht an unsere Denken anpassen und selbst zu bestimmen, wie Gottes Wort auf unser Leben anzuwenden sei. Wer auf diese Weise die Bedeutung von Gottes Wort für sein Leben schmälert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keinen geistlichen Durchblick hat.

3) Nicht nur Ungewissheit und mangelndes Vertrauen auf die Bibel sind ein Problem.: es kommt auch darauf an, die biblischen Wahrheiten in der richtigen Reihenfolge zu sehen. So möchte jemand die Rechtfertigung durch Glauben und Vergebung der Sünden erfahren, ohne den Weg der Sündenerkenntnis und des Sündenbekenntnisses gegangen zu sein. Oder ein anderer will als Christ leben und handeln, ohne dass er sein Leben an Jesus übergeben hat. Wer sich über etwas freuen will, dass er nicht bekommen hat, der wir das Gegenteil erleben: er wird unglücklich werden. Gott will aber nicht unser Unglück.

Schauen wir uns also an, was wir gegen die Ungewissheit, das mangelnde Vertrauen auf die Bibel und die falsche Reihenfolge der biblischen Wahrheiten machen können. Der richtige Weg kann nur sein, deine Situation richtig einzuschätzen. Genau das hat der Mann getan. Er hat sich und den anderen nichts vorgemacht. Er sagt: «Ja, ich sehe Menschen herumlaufen. Aber ich kann sie nicht klar erkennen. Es könnten genauso gut Bäume sein.» Diese Ehrlichkeit hat ihn gerettet. Sei im Blick auf dein Leben einfach ehrlich, damit tust du dir den größten Gefallen. Du kommst hier in den Gottesdienst, Jesus hat dich schon an die Hand genommen und aus dem Dorf hier in diesen Gottesdienst geführt. Und so hast du schon angefangen, etwas im Glauben zu sehen. Aber bist auch schon den zweiten Schritt gegangen, hast du Gewissheit im Glauben, erkennst du die Bibel als Richtschnur für dein Leben an, hast du Jesus dein Leben schon gegeben.

Jesus ist nicht gekommen, damit bei dir am Ende alles im unklaren bleibt. Deshalb frage weiter, bohre weiter, lies weiter die Bibel, setz das Gespräch mit Christen fort. Sage: "Ich will die Wahrheit ganz." Der Mann in der Geschichte sagt Jesus ehrlich, wie es um ihn steht. Er sagt es nicht hinter der vorgehaltenen Hand, er sagt es im Kreis seiner Freunde, die ihn zu Jesus gebracht haben. Andere um ihn herum kriegen mit, was er ausspricht, und das ist beileibe keine Schande. Und so kannst auch du aussprechen, was dich bedrückt, was bei dir nicht in Ordnung ist. Hier findest du Menschen, die nicht die Nase rümpfen, wenn du mit deinen Problemen kommst. Im Namen Jesu haben sie ein offenes Ohr. sie helfen dir, deine Lasten und Schuld bei Jesus abzuladen. Auf diese Weise kommst du erneut unter die segnenden Hände Jesu. Du kannst ihm glauben und in deinem Leben neu durchstarten.

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