Quark im Schaufenster

"Sag‘ mal Papa wann war das?" habe ich als Kind oft gefragt, als wir zu Hause Dias angeschaut haben. Die Antwort meines Vaters war dann meistens: "Ach damals, da warst Du doch noch Quark im Schaufenster!"

Liebe Gemeinde, ja es ist lange her. Lang her ist auch die Berufung des Jeremia zum Propheten über die Völker, wie wir gerade im Text gerade hörten. Doch noch länger liegt es zurück, dass Gott Jeremia zum Propheten über die Völker bestellte.

Schon damals als Jeremia auch noch "Quark im Schaufenster" war, beginnt Gottes Vorhaben mit Jeremia. "Ich habe Dich erkannt, ehe ich Dich im Mutterleib bereitete!" sagte Jeremia. Jeremia ward von Gott berufen. Gott hat etwas Großes mit Jeremia vor. Ist das nun Zufall oder Schicksal oder nennen wir es besser göttliche Fügung? Ist es Zufall oder göttliche Fügung dass ich heute hier in Ihrer Gemeinde Gottesdienst halten darf? Ich denke, dass es göttliche Fügung ist, dass ich heute hier bei Ihnen sein darf. Ja ich denke, dass Gott einen Plan mit mir hat und ich deshalb hier bin. So wie Gott auch einen Plan mit Jeremia hatte. Genauso, wie er mit jedem Menschen einen Plan hat. Ich denke, dass es einen Lebensplan von Gott gibt, auf dem unser Lebensweg eingezeichnet ist. Jeder bekommt von Gott einen solchen Lebensplan. Ganz individuell. Für Gott zählte da nicht, ob wir alt oder jung, arm oder reich, normal oder behindert sind. Denn was heißt das schon? Vor Gott sind wir alle gleich. Gott lässt keine Ausreden zu. Es zählt kein Alter, keine Tauglichkeit oder wie bei Mose eine schwere Zunge, oder wie bei Paulus, der ein scharfer Christenverfolger war. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Wahrscheinlich berief Gott gerade deshalb, den jungen Jeremia. Wahrscheinlich berief Gott gerade deshalb den Christenverfolger Paulus. Um dann zu sagen: "Fürchte Dich nicht vor Ihnen, denn ich bin bei Dir!" Diesen Satz wird Christus auch Christopherus, den Sie ja an der linken Wand neben dem Altarraum gemalt haben, gesagt haben, als dieser die ganze "Welt" auf seinen Schultern durch das Meer trug. Gibt es etwas größeres / schöneres als diesen Zuspruch von Gott? "Fürchte Dich nicht vor Ihnen. Ich werde bei Dir sein!" Für mich ist es einer der bedeutenden Sätze Gottes an uns Menschen. Für Jeremia, Paulus, Christopherus … ist es der Zuspruch nicht zu verzagen. Jeremia ist Prophet geworden. Ein Prophet, der erst Unheil über sein Volk verkündet, das von Gott abgefallen ist. Das von Jeremia verkündete Unheil wird von Norden her das Land überlaufen, wie es schon wenige Zeilen nach der Berufung Jeremias prophezeit wird. Norden steht als Synonym für die Babylonier mit dem König Nebukadnezar. Der dann Unheil für alle Völker verkündet. Und der zum Schluss Heil für sein Volk verkünden darf, als es im Exil ist. Heil symbolisiert Jeremia durch Ackerkauf im Heimatland. Das ist Gottes Plan mit Jeremia gewesen.

Doch was ist die Aufgabe, die mir Gott zugedeckt? Das ist eine Frage, die sich sicher jeder von uns schon mal gestellt hat und die ich mir wohl nie allein beantworten werde. Eine Bestätigung für mein Tun sind mir immer wieder die kleinen Erfahrungen in denen ich merke, das könnte ein Handeln Gottes gewesen sein. So z.B. als ich abends merkte, dass ich keine Angst haben muss, da Gott mich schützend in seiner Hand hält. Jeremia wurde von Gott zum Propheten für die Völker bestellt unter anderem durch die Berührung der Hand Gottes. Die Hand Gottes, die Geborgenheit und Frieden geben kann, die aber auch zeigen kann, dass wir Menschen Gott gegenüber ausgeliefert sind, dass Gott einen Plan mit uns hat. Anders ausgedrückt eine segnende und strafende Hand in einem, nämlich Gottes Hand, in der wir , ein jeder von uns, Geborgenheit findet. Diese Geborgenheit Gottes macht sich bei Jeremia in seiner Berufung zum Propheten deutlich. Heute gibt es solche klassischen Propheten nicht mehr. Das Prophetenbild hat sich gewandelt. Heute ist jeder an Gott glaubende, Getaufte ein Prophet, ein Berufener schon vor seiner Geburt, für einen Nächsten. Ein christlicher Prophet für seinen Nächsten ist er, indem er ihm Gottes Wort verkündigt und von Gottes Liebe und von Gottes Plan mit Ihm erzählt.

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