Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage

Liebe Gemeinde,

Patrick, ein Jugendlicher, der etwa so alt ist wie unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden hier, macht sich auf die Suche nach dem Sonntag in seinem Ort. Er geht durch alle Straßen und Gassen , an alle Plätze und Treffpunkte, und findet ihn nirgends. Darum geht er zum Fundbüro und schließlich auch zur Polizei und gibt eine Vermisstenanzeige auf: "Ich melde, das der Sonntag nicht mehr da ist." Nach einigem Zögern wird die Anzeige aufgenommen und weitergeleitet. Radio Sunshine bringt die Meldung, die Bildzeitung berichtet darüber. Bei der Polizei laufen die Telefone heiß und viele vertrösten Patrick: "Der Sonntag kommt schon wieder." Patrick erwidert: "Da bin ich mir nicht sicher, der Sonntag steht nur noch auf dem Papier."

Wie wäre es, wenn wir uns heute morgen in Hardheim auf die Suche nach dem Sonntag machen würden? Würden wir ihn finden, oder müssten wir wie Patrick morgen eine Suchmeldung bei Fundbüro und Polizei loswerden? Finden wir ihn nur in unseren beiden Hardheimer Kirchen oder auch bei der Mehrheit der Bevölkerung, die nicht hier ist?

Ich glaube, dass auch wir eine Suchmeldung aufgeben müssten, allerdings würde sie nicht angenommen, weder bei Polizei noch Fundbüro und auch nicht in der Presse kommen weder in Radio Sunshine, noch in der Bildzeitung. Der Sonntag wird nicht beachtet, ja nicht einmal vermisst.

Zur Zeit Jesu gingen die Leute dagegen zu streng mit dem Sabbat um, sie regelten genau, was man darf und was nicht. Die Hochschätzung des Sabbats sehen wir auch in der Aussage, die sich in manchen jüdischen kreisen bis heute hält: "Wenn alle Juden einen Sabbat halten, dann kommt der Messias, der von Gott versprochene Retter." Heute sind wir zu lasch mit dem Sonntag, und viele merken gar nicht, was wir damit verlieren.

Gott will den Menschen am Sonntag zu sich kommen lassen, der Mensch braucht diesen Tag als Geschenk Gottes, als Ruhetag für sein Leben. Dieses Geschenk steht heute zur Diskussion, seit ungefähr zwanzig Jahren durch Wirtschaft und Politik in Frage gestellt. In der 24 Stunden Gesellschaft ist der Sonntag eine ärgerliche Unterbrechung, auch der Sonntag muss sich letztlich rechnen, er wird in die Geschäftsinteressen mit einbezogen. Dem müssen wir entschieden mit einem leicht abgewandelten Satz Jesu widersprechen: "Der Mensch ist nicht um der Wirtschaft, der Politik oder der Geschäftsinteressen da, sondern die Wirtschaft usw. ist um des Menschen willen da!"

Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage. Und so müssen und dürfen wir entschieden allen wirtschaftlichen Erwägungen widersprechen, die uns einreden wollen: "es geht nicht anders." Die Auflösung des Sonntags und des gottgewollten Rhythmus wird am Ende den Menschen, die Gesellschaft und damit auch die Wirtschaft kaputt machen.

Wenn ich von jemand höre, das er am Sonntag arbeitet oder für die Schule Hausaufgaben macht und lernt, dann bedauere ich diesen Menschen immer – laut und öffentlich. Sie oder er hat noch nicht verstanden, dass der Sonntag ein großes Geschenk Gottes an uns Menschen ist, das wir uns selbst nehmen, wenn wir arbeiten.

Gottes Gebote sind zu unserem Schutz da, wir haben es oft nur noch nicht gemerkt. Viele sagen: "Am Sonntag darf man nicht arbeiten." Richtig ist: "Am Sonntag brauchen wir nicht zu arbeiten. Wir dürfen vielmehr daran denken, dass Gott uns unendlich viel mehr gegeben hat, als wir durch unsere tägliche Arbeit erreichen können." Das Ziel Gottes ist die Ruhe des Volkes Gottes.

Für viele Jugendliche ist der Sonntag ein öder Tag. Ein Viertel der Jugendlichen erklären, der Sonntag sei der langweiligste Tag der Woche. Das gilt vor allem für die Jugendlichen, die zu keiner Clique oder Sportverein gehören und so am Wochenende in die Familie eingespannt sind. Das liegt mit daran, das wir es verlernt haben, den Sonntag gemeinsam zu feiern.

Die Juden beginnen ihren Sabbat, ihren Ruhetag damit, dass sie ihn mit dem Anzünden von zwei Kerzen und einem festlichen Essen begrüßen. Hier sehen wir wie Feiern und Ruhe zusammengehören.

Nachdem weithin Weihnachten zum Fest des Schenkens und Ostern zum Fest des Osterhasens degradiert ist, merken die Menschen, das ihnen etwas fehlt. Und da auch der Sonntag kein Fest des Atemholens in dem wöchentlichen Alltag mehr ist, wird nach Ersatz gesucht.

Ein solches Suchen ist das nächste Woche gefeierte Halloween-Fest. Was ist das eigentlich, schauen wir im Lexikon nach: Halloween, bedeutet englisch »heiliger Abend«, stammt von den Britischen Inseln und aus den USA und wird am 31.10., am Abend vor Allerheiligen gefeiert. Es ist ursprünglich keltisch-angelsächsisches Fest zur Feier von Winter- und Jahresanfang, das mit Opfern, Feuer, Maskerade Geister, Hexen und Dämonen vertreiben sollte. Symbol ist der ausgehöhlte und beleuchtete Kürbis. In den letzten Jahren kommt es verstärkt nach Deutschland und wird wieder verstärkt mit Geistern, Spuk und Dämonen verbunden. Das zeigt die geplante Halloween-Party für "Gruselfans" in Hardheim, verbunden mit der Dekoration "von Gespenstern und allem was zu Halloween" dazu gehört.

Hier merken wir wieder, das der Mensch ein zutiefst religiöses Wesen ist. Denn wie sagt das Sprichwort: . "Wo dem christlichen Glauben die Tür verschlossen wird, steigt der Aberglaube zum Fenster hinein" Der Aberglaube an böse Geister und dem Schutz vor ihnen, der Aberglaube, das ich böse Geister besänftigen kann, indem ich ihnen ein Fest feiern. Treffender als Jesus selbst kann das niemand widerlegen (Lukas 11, 14ff): "Würde nun ein Teufel den anderen austreiben, wie könnte dann das Reich des Teufels Bestand haben? … Wenn ich aber die Dämonen durch Gottes Macht austreibe, so begreift doch endlich, dass Gottes Herrschaft jetzt beginnt – mitten unter euch!"

Wir merken es immer mehr, das die Zeiten kommen, ja schon da sind, in denen wir uns öffentlich entscheiden müssen, für Gott oder für das Reich des Bösen mit seinen Geistern und Gespenstern.

Das Ziel des Böses ist nicht die Ruhe, sondern die Unruhe, nicht der Frieden, sondern der Unfrieden, so sagt die Bibel: "Niemals werden die Ruhe finden, die das Tier und sein Standbild angebetet und sein Zeichen angenommen haben." Ruhelosigkeit ist eine Strafe, von der öfters in der Bibel gesprochen wird.

Das Ziel Gottes ist, das wir zur Ruhe und inneren Einheit finden. Wir sind in uns gespalten, gut uns Böse kämpfen auch in unserem Leben um die Vorherrschaft. Und so kann nur Gottes Macht, die von Außen eingreift, uns Einheit bringen.

Eins ist mir noch wichtig, wenn ich vorhin von Halloween und den bösen Geistern geredet habe. Wer zu Jesus gehört, braucht keine Angst vor bösen Geistern zu haben: Gott ist stärker. Jesu Sieg am Kreuz hat das Böse besiegt und wer sich diesem gekreuzigten und auferstanden Herrn anvertraut braucht keine Angst zu haben. Der Sonntag ist der Auferstehungstag unseres Siegers Jesus Christus. Sein Tag dient dazu, das wir uns unter seinen Schutz stellen.

Auch das Abendmahl, das wir nachher miteinander feiern ist eine Gelegenheit zum Atem holen und zur Ruhe zu kommen. Gott feiert sein Mahl mit uns, damit wir aus unserer Zerrissenheit und Hektik zur Ruhe des Volkes Gottes finden.

Gottes Ziel ist, dass du zu Ruhe und Frieden findest. Ich wünsche Dir, das du am heutigen Sonntag und an jedem weiteren Sonntag das Versprechen findest, das Gott im Psalm 91 gibt: "Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt, der kann bei ihm, dem Allmächtigen, Ruhe finden."

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