Ohne Happy End

Von Christus geliebte Gemeinde ; heute besonders liebe neue
Vorkonfirmanden;

das ist eine ziemlich miese Geschichte, die Jesus da erzählt, nicht wahr? Sie hat überhaupt kein ‚happy end‘. Dabei steht viel auf dem Spiel – im Grunde alles.

Ihr 9 habt euch nun auf den Weg gemacht, das Spiel des Glaubens mitzuspielen. Nehmen wir einmal an, die Geschichte, die Jesus erzählt, sei ein Theaterstück und die Rollen könnten neu vergeben werden. Wer bietet sich an? Das ist der Reiche, der keinen Namen hat. Bloß reich ist er. Er kann sich also leisten, was er will. Schöne, weiche Klamotten z.B.; das trägt sich angenehm und jeder sieht, man kann sich’s leisten. Das macht Eindruck. Auf die Kleidung legt man viel Wert. Markenklamotten sollen es sein. Stars und Sternchen werden auch nach dem beurteilt, was sie tragen.
Aber auch sonst kann er das Leben in vollen Zügen genießen; er kann essen, wonach ihm der Sinn steht – Geld spielt keine Rolle. Dann ist Essen immer auch ein Fest, mit Gästen und allem, was dazu gehört. Das Leben ist schön. Auf jeden Fall hat er alle Möglichkeiten, das Leben von seiner herrlichsten Seite zu genießen – und das jeden Tag. Nicht hin und wieder, sondern immer.

Manchmal wird man ja schon neidisch, nicht wahr? Wenn man sieht, was Leute sich leisten können und wie sie leben. Wie und wo sie wohnen, was
sie besitzen an Autos, Yachten, Schmuck, wo und wie sie Urlaub machen, wie sie und mit wem sie Feste feiern. Manche leben wirklich märchenhaft – so wie dieser Reiche ohne Namen. Auf den ersten Blick lockt diese Rolle zum Mitspielen.

Dass das aber nur die eine Seite des Lebens ist, erzählt Jesus auch. Luxus und ausschweifendes Leben reichen bis an seine Tür. Dann hört es auf und etwas ganz anderes beginnt. An seiner Tür liegt ein Armer. Weil er krank und schwach ist, muss er wohl liegen – wo soll er auch hin? Ein Haus, eine Wohnung hat er offensichtlich nicht, auch keine Familie und keine Freunde. Sein Leben beschränkt sich darauf zu sehen, irgendwie zu überleben. Und seien es nur die Reste, die den Reichen vom Tisch runterfallen. Aber dazu müsste er
schneller sein als die Hunde – ist er wahrscheinlich bloß nicht. Also kommen die Hunde zu ihm und lecken ihm seine offene Wunden und er hat keine Kraft, sie wegzujagen.

Nicht so einladend, diese Rolle, oder? Wer ist schon gern arm. Einsam, angewiesen auf das Mitleid der Andern. Die sind so oft mit sich und ihren scheinbaren Problemen beschäftigt,
dass sie ihn nicht sehen, nicht sehen wollen. Beim Elend schaut man lieber weg.

Die Rolle bleibt liegen, freiwillig nimmt die keiner. Man ändert das
bekannte Sprichwort locker um und wünscht sich: lieber reich und gesund
als arm und krank. Lieber der namenlose Reiche als der arme Lazarus.

Aber die Geschichte geht weiter, beide sterben und dann dreht es sich um: der Reiche wird begraben, landet in der Hölle, leidet in den Flammen und wird gequält. Lazarus wird nach seinem Tod von den Engeln in Abrahams Schoß, in dessen Arme getragen – jetzt wird er getröstet und entschädigt. Es geht ihm gut. Ob man jetzt über den Rollenwunsch noch einmal neu nachdenkt?

Die Frage aber ist ja: woran liegt es, dass der Reiche so übel behandelt, der andere so reich beschenkt wird. Bringt Reichtum in die Hölle, Armut und Krankheit in den Himmel? Was sollten wir euch dann im Unterricht beibringen? Bloß aufpassen, dass ihr nie reich werdet, euch nie was leisten könnt, keine guten Klamotten
besitzt, keinen Spaß im Leben genießt? Damit ihr euch so einen Platz im Himmel sichert? Dann möchte sicher niemand zu Jesus Christus gehören und keiner von euch wäre bereit, Konfirmand einer christlichen Gemeinde zu sein. Und ich
hätte auch keine Lust euch zu unterrichten. Wer könnte sich denn schon durch völligen Verzicht den Zugang zum Himmel erkaufen?

Es ist ein Gleichnis mit dem Jesus alle, die ihm zuhören, auf etwas aufmerksam macht – aber niemand von euch ist der Reiche und genauso ist niemand der arme Lazarus. Und ihr sollt auch keine der beiden Figuren sein. Die Zuhörer damals und heute – also auch ihr Konfirmanden – kommen trotzdem vor. Denn neben dem Abraham, der das Gespräch mit dem Reichen in der Hölle führt, gibt es ja noch die 5 Brüder. Und das ist eure, das ist
unser aller Rolle. Die sind wir – denn wir leben, noch. Für uns ist es nicht zu spät. Für den Reichen schon. Das ist das
Grausame an der Geschichte: nicht dass er reich ist, sondern dass es zu spät für eine Änderung seines Lebens ist, zu spät um auf Abraham zu hören, zu spät, auf Gott zu hören, zu spät zu glauben. Die 5 fünf Brüder leben noch, sie hätten jede Chance, das für sich zu verhindern, was ihr Bruder erleiden muss.

Jetzt komme ich also noch mal wieder zurück zu der Frage, warum der Reiche so übel behandelt und bestraft wird. Nicht weil er reich ist, sondern weil er Mose und die Propheten nicht gehört hat. Was er da gehört hätte, das haben wir vorhin gehört, als Helene den Abschnitt aus 5.Mose gelesen hat. Da war davon die Rede, dass Gott unser Herr ist. Er hat uns das Leben geschenkt und alles, was dazu gehört. Wer sich das sagen lässt, wer das weiß, der wird dankbar und wird seinen Gott, der ihn so beschenkt, auch lieb haben. Denn der weiß: Gott meint es
gut mit mir, er will, dass es mir gut geht – aber er will auch, dass es unser Verhältnis zu ihm gut macht, dass wir ihm vertrauen, dass er uns wichtig ist. Das hat Mose und das haben die Propheten immer wieder gesagt, aber die
Menschen haben es oft nicht hören wollen. Der Reich z.B. wollte nur sein
Leben genießen, sonst nichts; er wollte auch seine Mitmenschen nicht sehen, denen er gut hätte helfen können, ohne dass er deswegen arm geworden wäre. Aber er hatte einfach keine Augen dafür, keine Antenne. Und seht ihr, liebe Konfirmanden, jetzt sehen wir schon deutlicher, was der Unterricht sein soll: dass wir erkennen, woher wir kommen, wer uns das Leben geschenkt hat und dass wir gesund sind und alles haben, was wir brauchen.

Dass wir das erkennen uns darüber freuen und Gott dafür danken
und ihn lieb haben – dazu will der Unterricht eine Hilfe sein. Damit ihr nach 2 Jahren ehrlich sagen könnte: ich glaube, dass mich Gott geschaffen
hat – aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit. Dafür will ich ihm danken, ihn loben, ihm dienen und sein Wort ernst nehmen. So erklärt es Martin Luther. Aus diesem Dank wächst die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. Wer an seinen Gott glaubt und ihm vertraut, der geht nicht mehr blind durchs Leben. Der sieht seine Mitmenschen; sieht die, die arm sind; er sieht, die traurig sind oder einsam, oder unbeliebt, Außenseiter – Menschen
eben, die unter dem Leben leiden, die an manchen Stellen einfach zu kurz
kommen, die vieles, was euer Leben schön und bunt macht, nicht haben,
nicht kennen. Und sie zu sehen heißt: es ist mir nicht mehr egal; es lässt mich nicht kalt, ich denke nicht: selber schuld, Pech gehabt.

Wir sind füreinander da – und was Gott mir gibt, soll auch dem Leben anderer Menschen zugute
kommen. Das sagen Mose und die Propheten, die wir im Unterricht kennen lernen wollen. Das sagt vor allem aber auch der eine, der von den Toten
auferstanden ist. Der Reiche durfte ihn nicht hören, wir schon. Und das ist wohl das Wichtigste im Unterricht: auf Jesus Christus hören. Dann erleben wir nämlich, was wirklich wichtig ist im Leben. Dass es zwar schön sein kann, sich alles leisten zu können – Klamotten, Reisen, Auto, was auch immer – aber dass es nicht das Wichtigste ist. Sondern dass wir einen Gott haben, der uns liebt und dem wir mit unserem ganzen Leben – und auch einmal mit dem Sterben vertrauen – der uns beschenkt und der uns füreinander da sein lässt: mit offenen Augen und Ohren und vor allem: mit Liebe zu allen Menschen. Wie es in der 2. Lesung vorhin hieß: ‚Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe‘.

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