Nun hören alle menschlichen Maßstäbe auf!

Als Paulus durch Athen geht ist er schon beeindruckt von den vielen Tempeln, Götterbildern und Altären und auch von der religiösen Kunst, die er hier wahrnimmt, scheint ihn zu überwältigen. Aufgrund dieser Eindrücke stellt er fest, dass bei diesen Menschen eine Ahnung von Gott vorhanden sein muss.

In den vielen Gesprächen über Gott mit Menschen anderer Religionen, Moslems, Buddhisten oder Hindus, hörte ich immer wieder die gleiche Antwort: "Wir glauben alle an den einen, gleichen Gott, auch wenn dieser verschiedene Namen hat."

Mit wem haben wir es dann eigentlich zu tun? – Für viele Menschen und auch für uns heute, ist Gott ein nicht mehr bekannter, fragwürdiger und abhanden gekommener Gott. Von Gott selbst haben auch wir nur noch eine Ahnung, dass er vorhanden sein muss.

Liebe Gemeinde, unser heutige Predigttext ist, so denke ich, sehr aktuell. Denn auch wir verehren Götter, die seinen Platz, Gottes Platz, eingenommen haben. Da gibt es den Gott, der sich Kino oder Fernseher nennt. Da gibt es den Gott, der sich Auto oder Motorrad nennt, ein anderer heißt Computer, Internet, Video, DVD, Heroin oder Haschisch – und wer will sie alle zählen die neuen Götter?

Mit wem haben wir es zu tun, wenn wir von Gott sprechen? Ist es wirklich immer der gleiche Gott, auch wenn er nur verschiedene Namen hat?

Es scheint mir recht fragwürdig zu sein, ob Gott der gleiche Gott ist, wie ich ihn durch Jesus Christus kennen gelernt habe, oder was ein Moslem aus dem Koran über Gott weiß oder ein Hindu über Gott erfahren hat.

In Athen war die Situation eine ähnliche. Mit den Menschen dort musste Paulus allerdings eine ganz andere Sprache sprechen, als mit den Juden in den Synagogen, um den Gott, den wir durch Jesus Christus kennen gelernt haben den Athenern näher zu bringen.

Ein Altar mit der Inschrift: "Dem unbekannten Gott" nimmt Paulus zum Anlass den Athenern darzulegen, dass sie ja schon den Gott verehren, welchen er ihnen verkündigen will.

Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.

Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

Ihr Athener tragt in euch eine Sehnsucht, ja eine Ahnung davon, dass es um Gott mehr sein muss als die Tempel und Götterbilder euch verraten.

Wir sind getauft, auf den Namen Christi, und bei unserer Konfirmation haben wir ihm dieses Versprechen erneut gelobt.

Gott ist Schöpfer und Erhalter der ganzen Welt, allen Lebens. Er bedarf keines Tempels und auch keiner Opfer. Er hat die Menschen geschaffen.

Durch seine Allmächtige Hand ist aus dem Nichts seine Schöpfung ins Dasein gerufen.

Und dann, dann höre ich die Zweifler und Atheisten: Was, Schöpfung? – Alles ist Natur! Was da ist, ist durch sich selbst da, dies war immer so, und so wird es auch immer bleiben, wie es ist. Naturgesetze regieren uns. Dem einen reißen sie den Kopf ab und dem anderen setzen sie eine Krone auf. Dagegen kann man nichts machen.

Liebe Gemeinde, der allmächtige Gott, der über seine Schöpfung liebend, richtend und auch belohnend waltet, sucht die Herzen der Menschen. Und es ist auch sein ausschließlicher Wille, dass wir ihn suchen. Dieses "Gottsuchen" verträgt sich allerdings nicht mit der Verehrung von Götzenbildern.

Er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht. So sind wir "göttlichen Geschlechts" und eine große Familie und sollen einander wie Schwestern und Brüder betrachten, lieben und dienen. Und wer von uns "göttlichen Geschlechts" ist, der kann Gott nicht in den von Menschenhand erschaffenen Götzenbilder verehren. Darum kehret um, wendet euch ab von euren Göttern, denen ihr insgeheim huldigt.

Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.

Nun aber ist Christus gekommen, der Herr und das Ziel aller Geschichte. Nun hören alle menschlichen Maßstäbe auf. Nur Christus hat das Wort, den Gott zum Herrn gemacht hat. Was Menschen von sich aus denken, sagen und tun, wird danach beurteilt, ob sie Christus in ihr Dasein hineingenommen haben.

"Ohne mich könnt ihr nichts tun" spricht Christus. Ohne mich könnt ihr euer Leben im Kleinen und im Großen nicht meistern und nicht vollenden.

Dass Anhänger anderer Religionen und Weltanschauungen dem widersprechen werden, weil sie sich in ihrer Würde verletzt fühlen, sagte schon der alte Simeon: Jesus ist gekommen zum Fall und Auferstehung vieler. Jesus wird zum Fall aller, die ihm widersprechen, und zur Auferstehung aller, die sich an ihn halten. Das wird sich am Ende der Tage herausstellen. Wir Menschen können nur durch Christus errettet werden. In ihm kann jeder sein Heil finden.

Als die Athener dies alles hörten, begannen die einen zu spotten, andere aber sprachen: Ein andermal wollen wir mehr darüber mehr hören. Und andere wurden gläubig.

Liebe Gemeinde, die Predigt des Paulus vor den Philosophen in Athen könnte das heutige Suchen und Fragen nach Gott in seinen positiven Aspekten, aber auch mit seiner Gefahr der Selbsterlösung entfalten, und einladen zu vertrauendem Glauben: an Gott unseren Schöpfer, an Jesus Christus, unseren auferstandenen Herrn, und an Gottes Heiligen Geist, der die Herzen zu wandeln vermag.

Dass wir dies hier und da erfahren dürfen, dass wir dies hier und da anderen herüberbringen dürfen, das möchte ich uns wünschen.

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