Nimm deine Brille ab!

Liebe Gemeinde,

was meint ihr: sind Christen eher Optimisten oder Pessimisten? Wenn wir deswegen heute morgen herumfragen würden, dann fänden wir wahrscheinlich kaum eine Mehrheit für den einen oder anderen Standpunkt. Die einen sagen: „Christen sind Optimisten, denn in der Bibel werden wir doch immer wieder zur Freude und zur Hoffnung aufgefordert, auch wenn alles um uns herum kaputtgeht." Andere behaupten. „Christen sind Pessimisten. Schau dir doch einmal an wie es in den Gemeinden aussieht. Schau dir doch mal an, wie wir immer wieder mit der Umsetzung des Glaubens in den Alltag scheitern."

Das geht nicht nur im Gottesdienst so, diese unterschiedliche Sichtweise geht bis hinein in unsere Familien. Meine Frau ist bei uns eher der Pessimist, die die Dinge eher von der schwierigen Seite und den Gefahren her sieht. Ich dagegen bin eher der Optimist, der eher die positiven Seiten und Chancen sieht. Wer hat nun recht von uns beiden? Ich denke: keiner von uns beiden! Denn Optimisten sind Menschen, die eine rosarote Brille tragen. (rosarote Brille aufsetzen) Da ist alles nur positiv und wunderschön. Optimisten können die Wirklichkeit des Bösen in der Welt und die uns umgebenden Probleme nicht richtig einschätzen.

Pessimisten dagegen haben eine schwarze Brille auf. (schwarze Brille aufsetzen) Hier ist alles nur böse und schlecht. Sie können das Positive in der Welt nicht richtig wahrnahmen. Christen aber sind aber Leute, denen Gott ihr Brillen durchsichtig gemacht hat. (schwarze Kleber abnehmen) Sie sehen daher die Wirklichkeit aus Gottes Sicht: eine schreckliche, aber auch eine herrliche Wirklichkeit. Denn davon redet unser heutiger Predigttext:

[TEXT]

"Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünden aller Menschen hinwegtragen wird." Das ist schrecklich und herrlich zugleich. Erstens: die schreckliche Wirklichkeit: die Sünde der Welt. Die Schuld ist die schreckliche Wirklichkeit: Wer ist schuld an dem Skandal um BSE? Wer ist schuld an meinen inneren Verletzungen? Wer ist schuld am Mord durch die vielen Abtreibungen? Wer ist schuld am Streit mit Nachbarn und Familie? Wer ist schuld, dass ich benachteiligt werde, kein so tolles Haus habe, keine so tolles Auto, kein so tolles Gehalt? Wer ist schuld, dass es andere einfacher haben, ihnen vieles nachgeworfen wird, was ich mir erarbeiten muss?

So könnte ich jetzt noch ein ganze Weile weitermachen und die Schuld aufzählen, die wirklich und vermeintlich da ist. Denn das ist die schreckliche Wirklichkeit der Sünde. Und wer ist schuld an dieser schrecklichen Wirklichkeit: der Mensch. Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch. Ich bin mit schuldig, du bist mit schuldig an dieser schrecklichen Wirklichkeit der Sünde. Es geht nicht um meine oder deine einzelnen Taten. Es geht um deine und meine Grundhaltung Gott gegenüber. Der Mensch hat sich Gott abgewandt und ist für seine Verstrickung in Sünde selber schuld. Davon zu reden. dass der Mensch selber schuld ist, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Es sind die anderen, die Umstände, die Prägung, die Erziehung, nur nicht ich selber die schuldig sind.

Wir wollen uns um die Schuldfrage drücken und wissen doch in unserem Innersten: wir sind die Schuldigen. wir können uns nicht drücken. Gott hat sich um die Schuldfrage nicht gedrückt. Er hat zwar zum Menschen gesagt: du bist schuld, du hast dich in diese Lage selbst hineinmanövriert. Aber er hat uns dann nicht im Regen stehen gelassen: "Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünden aller Menschen hinwegtragen wird." Das ist die Entdeckung die Johannes der Täufer, der Cousin von Jesus, macht. Das ist auch die Entdeckung, die du machen musst. Der Verwandte Johannes entdeckt, wer Jesus wirklich ist: Hier wird deutlich: Du kannst meinen, du hast Jesus entdeckt und liegst meilenweit falsch. du hast Jesus erst entdeckt, wenn du deine Schuld entdeckt hast. Johannes, der mit Jesus sogar verwandt war, hat dreißig Jahre gebraucht bis er entdeckt hat, wer Jesus ist: "Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünden aller Menschen hinwegtragen wird." Diese schreckliche Teil ist nur der erste Teil der Wirklichkeit. Der zweite Teil ist die herrliche Wirklichkeit: Gottes Sieg über die schreckliche Wirklichkeit Das erste an Gottes herrlicher Wirklichkeit ist: Jesus kommt. "Am nächsten Tag kam Jesus an den Jordan." Nicht du fängst an, Gott fängt seine Geschichte mit dir an, lange bevor du es ahnst. Jesus kommt, das ist das erste. Und da wo Jesus ist, bleibt nichts wie es war. Wo Jesus ist, fährt Gottes Geist herab und verwandelt den schrecklichen Alltag in einen herrlichen.

"Ich [Johannes] sah den Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel herabkommen und bei ihm [Jesus] bleiben." Und nach dem gesagten gewinnt die Schuldfrage eine neue Aktualität. Wer ist schuld an dem Skandal um BSE? Wer ist schuld am Streit mit Nachbarn und Familie? Im ersten Teil sahen wir, dass wir ich an dieser schrecklichen Wirklichkeit mit schuldig sind. Jesus will mir helfen in meinen vielen Kleinkriegen, die ich mit Nachbarn und in meiner Familie führe Frieden schließen. Frieden schließen, bedeutet den ersten Schritt auf den Gegner zuzugehen. Frieden schließen bedeutet um Vergebung zu bitten, wo ich schuldig geworden bin. Das kann ich nur, wenn Jesus zu mir kommt und mir durch Gottes Heiligen Geist Kraft gibt. Wer ist schuld an meinen inneren Verletzungen? Innere Verletzungen stammen aus der Kindheit und frühere Erlebnissen. es sind dinge, die mich verletzt und gedemütigt haben. Da gibt es offene Wunden, weil jemand als Kind immer unfähig hingestellt wurde. Da gibt es eitrige Geschwüre der Bitterkeit, weil jemand die Bevorzugung der Geschwister nicht überwinden kann. Oder viele andere dinge, die ich nicht alle nennen kann.

Du merkst das daran, dass du nicht darüber hinwegkommst, dass sie immer wieder kommen und das sie in Beziehungen zu anderen Menschen unfrei machen. Wenn du merkst, das es solche Dinge gibt, dann brauchst du jemand, mit dem du darüber reden kannst. Denn sie hindern dich, dass Gottes herrliche Wirklichkeit in dein Leben kommen kann. Gottes Wirken ist es, deine Vergangenheit zu heilen und dir Hoffnung für die Zukunft zu geben. Wer ist schuld, dass ich benachteiligt werde, kein so tolles Haus habe, keine so tolles Auto, kein so tolles Gehalt? Wer ist schuld, dass es andere einfacher haben, ihnen vieles nachgeworfen wird, was ich mir erarbeiten muss? Die Wurzel dieser Probleme liegt darin, was der andere hat, sondern darin, dass ich mit dem unzufrieden bin, was ich habe. Darum: Schau nicht darauf, was du nicht hast, sondern auf das was du hast. Zufriedenheit ist nicht von der Menge des Besitzes abhängig, sondern davon, dass ich weiß, wenn ich mit Gott lebe, entgeht mir nichts und ich komme nicht zu kurz. Wenn ich merke, dass ich unzufrieden werde, ist für mich der erste Schritt, dass ich zu Gott bete und ihn bitte, mir die Unzufriedenheit zu nehmen. Du bist berufen Gottes herrliche Wirklichkeit an dem Platz leben, an dem er dich gestellt hat. An diesem Platz sollst du bezeugen: Jesus ist Gottes Sohn Christen sind also weder Optimisten noch Pessimisten. sie sind Realisten. Sie haben ihre rosaroten und schwarzen Brillen abgenommen und sehen die Dinge klarer. Gottes herrliche Wirklichkeit wird sich gegenüber der schrecklichen Wirklichkeit durchsetzen. Hier und heute bedeutet das für uns:

1) Ich setzte gegen die schreckliche Wirklichkeit Gottes herrliche Wirklichkeit, wenn ich den ersten Schritt zur Vergebung gehe.
2) Ich setzte gegen die schreckliche Wirklichkeit Gottes herrliche Wirklichkeit, wenn ich meine inneren Verletzungen von Gott heilen lasse
3) Ich setzte gegen die schreckliche Wirklichkeit Gottes herrliche Wirklichkeit, wenn ich Jesus als Gottes Sohn bezeuge.

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