Nicht Heulen und Zähneklappern …

Liebe Gemeinde,

gehen wir dieses Gleichnis Jesu aus dem Matthäusevangelium mit ein paar grundsätzlichen Überlegungen an. Grundsätzlich ist das Evangelium von Jesus Christus eine gute Nachricht. Es sagt uns Leben zu in einer Welt des Leidens und Sterbens. Jesus befreit uns von allem, mit dem wir uns einengen. Er lebt und wir sollen auch leben. Das ist die zentrale Botschaft.

Wenn wir uns darüber heute Morgen einig sind, wollen wir dieses Gleichnis unter diesen Voraussetzungen betrachten. Es muss um etwas Gutes, Positives mit diesem Gleichnis gehen!

Wir stehen mit unserer Zeit in der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und seiner Wiederkunft. Jesus ist bei Gott unserem Vater. Er wird wiederkommen. In der Zwischenzeit leben wir heute und an diesem Tag, dem 17. August 2003 unserer Zeitrechnung nach Jesus Christus. Wir warten und hoffen auf ihn. Wir wissen aber auch, er kann ganz unverhofft wie ein Dieb in der Nacht oder der Bräutigam kommen, auf den die 10 jungen Frauen warten.

Wir haben uns ganz gut in diese Zeit des Wartens eingerichtet. Zu gut in 2000 Jahren! Es ist unabhängig von Konfessionen und Glaubensgemeinschaften die Zeit der Kirche Jesu Christi. Um in dem Bild des Gleichnisses zu sprechen, hat uns Jesus Christus diese Wartezeit und die in ihr lebende Welt, anvertraut.

Um noch mal die wichtigsten Eckpunkte deutlich machen. Wir glauben, dass Gott uns durch Jesus Christus mit sich ins Reine gebracht hat. Jesus Christus ist die Brücke zu Gott und damit auch zum Leben. Wir können nun gar nicht anders, als dies der Welt weiterzugeben. Das Gleichnis fragt danach, WIE wir das Evangelium von Jesus Christus weitergeben. Es sagt und setzt damit voraus, dass es uns von Gott anvertraut ist. Das Evangelium ist das Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi und dem, was Jesus nach dem Zeugnis des NT uns Menschen gesagt hat. Das Evangelium wird durch das geschriebene und mündliche Wort bezeugt. Zu ihm gehört aber auch, dass wir das, was wir glauben, durch unser Leben bezeugen.

Unser gelebter Glauben vergewissert die Wahrheit des Evangeliums. Unser Lebensvollzug macht das Evangelium glaubwürdig. Belassen wir es nur bei dem Wort, wird es schnell zum hohlen Reden. Da sind es schöne Worte ohne Wirklichkeit. Was das wohl für gute Auswirkungen hätte bei so zentralen Worten wie Liebe, Frieden und Gerechtigkeit?

Das Gleichnis beleuchtet nun, wie wir mit dem Evangelium in Wort und Tat umgehen. Rufen wir uns zuerst noch in Erinnerung, dass wir uns das Evangelium nicht selber gegeben haben oder nehmen könnten. Auch unseren eigenen Glauben können wir nicht Besitz anzeigend als “unseren Glauben” ausgeben. Er ist Gottes Geschenk! Er ist unabhängig von unserem Verdienst, unserer Hautfarbe, unseres Geschlechtes, unserer Lebensweise oder was auch immer, Gottes Gabe. Auf “unseren” Glauben brauchen und können wir uns also nichts einzubilden. Wir tun das hoffentlich auch nicht. Gottes Liebe und Gaben gelten ausnahmslos jedem Menschen.

Ebenso wenig können wir das Evangelium verhindern, verändern oder gar vor Missbrauch bewahren. Der Geist Gottes weht, wo er will. Wir brauchen uns keine Sorgen darum machen, wir müssten das Evangelium beschützen und bewahren. Daraus entstehen zumeist furchtbare Glaubenskriege. Glaubenskongregationen und Inquisitionen sind Instrumente der Machtausübung und Machterhaltung!

Wir können nur eines wirklich tun: Ohne Angst und mit großer Freude leben und weitersagen, was uns von Jesus Christus bewusst ist. Die angeblichen Hüter und Bewahrer des Glaubens und der Moral, werden die Zeugen des AT und NT pingelig und ängstlich auslegen. Sie führen die Ehre Gottes, Christi und aller ihrer selbsternannten Heiligen ins Feld, die es zu schützen gelte. Was ist das für ein jämmerlicher Glaube der meint, Gott beschützen zu müssen? Er ist mit Jesus Christus angetreten uns zum ewigen Leben hin zu bewahren.

Gott hat sich in unsere Untiefen, in unsere Fragen und Zweifel, in unsere Verzweiflung und Sterblichkeit hineinbegeben, um uns dort herauszuführen. Er kann es ertragen, missverstanden zu werden. Er hat sich dem Missverstehen ausgeliefert. Wir leben nicht für Gott. Er lebt für uns. Er geht gerade in unseren Untiefen an unserer Seite und lässt uns keinen Augenblick los.

Wie kann da Freude entstehen, wenn wir meinen, das Evangelium von Jesus Christus bewahren zu müssen? Die Wahrheit, die Jesus Christus für die Welt ist, befreit und engt nicht ein. Wir können zu uns stehen, weil Gott zu uns steht. Wir können dazu stehen, dass uns Zweifel und Unglauben das Leben schwer machen. Aber sie werden uns nicht von Gottes Liebe trennen, die uns in Jesus Christus begegnet. Wir können zu unseren Stärken und Schwächen, zu unserem Gelingen und zu unseren Fehlern stehen, weil Gott uns so annimmt, wie wir sind. Dieses Wissen und diese Gewissheit befreien uns von dem Zwang, es unbedingt allen Menschen und Gott recht machen zu wollen.

Der dritte Verwalter mag uns vielleicht ein wenig gefallen. Wir finden uns in ihm ein Stück wieder. Wenn wir zum Beispiel die Frage stellen, warum Gott mir dies oder das antut oder zulässt. Wir trauen Gott eine Menge Gemeinheiten und Schweinereien zu. Er straft uns nicht, um uns auf den rechten Weg zu bringen. Er ist kein Sadist, der am Leiden der Menschen seinen Spaß hat. Er ist auch kein Masochist, der am Leiden seines Sohnes sich weidet. Ein solches verkorkstes Gottesbild hat auch der dritte Verwalter.

Die Menschen des AT und NT bezeugen übereinstimmend, dass Gott uns unendlich liebt. Ihm ist nichts zu teuer, um unsere Not und letztlich unseren Tod zu beseitigen.

Gott hat uns seine Liebe und Jesus Christus anvertraut. Er macht uns Mut, uns seiner Unmittelbarkeit in unseren tiefsten Tiefen gewiss zu sein. Was wir von ihm viel oder wenig erkannt haben, können wir sichtbar mit unserem Leben leben. Es wird sich wunderbar vermehren wie Brot und Fisch in den Händen Jesu.

Am Ende erwarten uns nicht Heulen und Zähneklappern, sondern das Fest ewigen Lebens. Und mitten unter uns wird unser Gott sein.

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