Miteinander verbunden

Liebe Gemeinde –

wir haben in der Lesung den für heute vorgeschriebenen Predigttext bereits gehört: er findet sich im Brief des Paulus an die Römer im zwölften Kapitel. Heute aber ist ein besonderer Tag für einen Teil unserer Gemeinde, denn mit heute beginnt für viele Jugendliche die Präparanden- und Konfirmandenzeit. Im April 2005 werdet ihr voraussichtlich konfirmiert. Ich nehme mir deswegen heute die Freiheit, aus dem Predigtwort nur einen Abschnitt auszulegen – und ihn im Blick auf dieses Ereignis zu deuten. Ich lese aus dem Predigtwort den Vers vier: "Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus."

Ein Teil von euch, liebe Präparanden, kennt diese Gemeinde bereits ein wenig: ihr wisst, was es für Angebote gibt im Kinder- und Jugendbereich, vielleicht wart ihr selbst Teilnehmer am Kindergottesdienst oder auf Freizeiten oder auf Bibelwochen usw., ein anderer Teil kennt bisher nur einen Pfarrer dieser Gemeinde aus dem Schulunterricht (und ich weiß nicht, was der für einen Eindruck hinterlassen hat) und der dritte Teil ist vielleicht noch nicht so vertraut mit dem, was es heißt, eine Gemeinde Jesu Christi zu sein. Egal aber, zu welchem dieser drei Teile ihr gehört, nun tretet ihr einen Weg an, der euch ein Stück weiter führt. Einen Weg, der euch zu Gemeindegliedern machen will, die alle Rechte und Pflichten in einer Gemeinde wahrnehmen dürfen.
Teil des Leibes Christi aber seid ihr bereits seit eurer Taufe. Durch diese Taufe sind wir vor Gott als Gemeinde bereits alle miteinander verbunden und unsere Namen sind in dem Buch des Lebens verzeichnet. Warum dann aber überhaupt noch so etwas wie eine Konfirmation? Das Argument, dass man da viele Geschenke kriegt, kann ich zwar verstehen, will ich aber hier nicht gelten lassen, denn solche Geschenk-Feiern könnte man auch anders organisieren. Nein, es ist anders, nämlich so, dass ihr freiwillig in diese Zeit startet, zunächst als Präparanden, also auf Deutsch: als diejenigen, die sich auf etwas vorbereiten. Vorbereiten nämlich auf die Zeit, in der ihr als Gemeindeglieder voll anerkannt sein werdet und in der man von euch erwarten kann und erwarten wird, dass ihr fähig Auskunft zu geben, wenn euch jemand fragt: "was glaubst du da eigentlich"?

Präparanden-Zeit ist nachgeholter Taufunterricht und deswegen werden wir uns mit all den Themen beschäftigen, die im Gottesdienst und im Glaubensleben immer wieder vorkommen: mit dem Kreuztod Jesu, mit dem Gebet, mit dem Kirchenjahr, mit der Bibel, mit dem Leben als Christ in dieser Welt. Nach der Präparanden-Zeit werdet ihr zu Konfirmanden: auf Deutsch: zu denjenigen, die etwas bestätigen, etwas bekräftigen. Man geht davon aus, dass ihr dann ein deutliches und ernsthaftes "Ja" sagen könnt zu dem, was uns im Glauben wichtig ist. Die Gemeinde hier vor Ort will euch im April 2005 ernstnehmen, wenn ihr euer "Ja" sprecht in dem festlichen Gottesdienst. Sie vertraut euch und nimmt euch ernst als erwachsene Christen und sie wird in jenem Gottesdienst auch zu euch "Ja" sagen, sie will euch begleiten und helfen in eurem Leben, in Glaubensfragen unterstützen und Beispiel sein, wie man aus dem Glauben an Christus heraus leben kann. Denn allein darum geht das alles: wir sind ein Leib, aber das Haupt des Leibes ist Christus. In ihm alleine finden wir den Weg zu Gott, von dem wir überzeugt sind, dass es der einzige Weg ist, um in dieser Welt und in der kommenden Welt das wahre Leben zu finden. Mit anderen Worten: wir sind an diesem Sonntag und an allen anderen Sonntag um dieses eine versammelt: den Glauben an den einzigen Herrn Jesus Christus – mit seiner Hilfe feiern wir Gottesdienst – Dienst an Gott, weil wir uns zu ihm wenden mit Gebet und Lied und weil wir von ihm hören in Predigt und Lesung und weil wir ihn spüren und greifen in Taufe und Abendmahl.

So einfach ist das, könnte man sagen – und hier sitzen ja auch ein paar aktuelle Konfirmanden, die im Mai konfirmiert werden: die könnte man doch wohl hoffentlich darüber befragen?!

Dass es aber so einfach nicht ist, zeigt uns unser tägliches Leben, in dem uns manches gelingt, aber vieles auch zerstört wird. Dass es nicht so einfach ist, zeigt unser Gefühlserleben: Traurigkeit und Leid, Tod und Verzweifelung gehören dazu. Auch der Zweifel an Gott und seinen Taten gehört dazu. Ich glaube aber, dass wir Christen ein tieferes Wissen haben, warum dies alles so ist, als es die Welt um uns herum hat. Es ist nicht bloß Zufall und Glück oder Unglück, es sind keine Geister und Dämonen, keine Erdstrahlungen oder Gestirnsmächte und es ist auch nicht einfach nur der Glaube an die Leistung und den Willen des Menschen, sondern was uns im Leben bestimmt, geht tiefer und versteht umfassender, was den Menschen umtreibt, als es all diese Lehren tun können. Wir – die Gemeinde – wollen euch in eurer Vorbereitungs- und Bekräftigungszeit etwas davon vermitteln, euch etwas zeigen von dem Glauben, der Berge versetzen kann, euch versuchen, etwas spüren zu lassen von der Kraft und der Macht, die derjenige hat, der ein Teil am Leib Christi ist. Gott-sei-Dank müssen wir das nicht alles alleine machen: ihr habt einen Anteil daran, wie weit ihr euch einlassen wollt, auf das, was wir gemeinsam vorhaben, wie weit ihr bereit seid, euch ansprechen und anfragen zu lassen von den Themen des Glaubens. Gott-Gott-sei-Dank sind wir viele in der Konfirmandenarbeit, so dass ihr an verschiedenen Menschen sehen könnt, wie Glaube gelebt werden kann. Schließlich aber: Gott-sei-Dank liegt es allein in Gottes Hand, wie weit er euch berufen wird in dieser Gemeinde Gottes. Denn die Glieder am Leib Christi haben verschiedene Aufgaben und es wäre unsinnig, wenn alle das Gleiche werden wollten.

Ich vertraue in meiner Arbeit darauf, dass Gott mit euch allen einen Plan und einen Weg hat, dass er euch leiten und begleiten wird – auch auf diesem Weg bis zu eurer Konfirmation.
Ich glaube auch, dass wir uns dann als Glieder am Leib Christi unterstützen und helfen werden, dass wir uns wiedersehen – auch jenseits dieser 15 Monate, die wir gemeinsam vor uns haben.

Auf diese Zeit aber freue ich mich und halte mich an unser Predigtwort von heute: "Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus."

drucken