Mit Herzen, Mund und Händen

Liebe Gemeinde,

im Kinder- und im Familiengottesdienst haben wir immerwieder das Lied gesungen: "Schwarze, Weiße, Rote, Gelbe, Gott hat sie alle lieb." Der Kehrvers bezieht uns aber mit ein, wenn es da heißt: "Gott macht keine Unterschiede, Gott hat uns alle liebt. Gott ist Liebe, Gott gibt Frieden, Gott hat uns lieb." Wir haben dann je nach Gottesdienstbesuchern Eltern, Kinder, Lehrer, Schüler, Alte, Junge, Große, Kleine und ähnliches eingesetzt.

Immer wenn ich wieder ausgegrenzt werde, tut es mir gut zu wissen, dass im Gegensatz zu den Menschen, Gott keine Unterschiede macht. Bei ihm haben ganz offensichtlich alle Menschen Raum.

Jesus sagt: "… im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten. Und wenn alles bereit ist, werde ich wiederkommen und euch zu mir holen. Dann werdet auch ihr dort sein, wo ich bin."

Auch wenn eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt, bevorzugt Gott nicht einseitig die Armen. Er stellt sich schützend auf die Seite der Armen, Unterdrückten, Benachteiligten, Ausgestoßenen, Gemiedenen und Verachteten. Sein Herz schlägt für sie, weil die Menschen meinen, sie hätten ein Recht dazu, sich über sie zu stellen. Gott stellt sich auf ihre Seite, um damit der Welt deutlich zu machen, dass sie unsere Hilfe, unseren Schutz, unsere Fürsprache, unsere Barmherzigkeit brauchen, um oft nur überleben zu können. Weder sie, noch ein anderer Mensch, haben sich in irgendeiner Weise Gottes Zuwendung verdient. Gott ist uns gnädig und barmherzig um Jesu Christi willen, den er von den Toten auferweckt hat.

Die Reichen, nicht nur im Sinne von Vermögenden, sondern die auch reich an Klugheit, Verstand und an Fähigkeiten aller Art sind, werden ermahnt. Sie sind gefährdet, den Reichtum zum Maßstab des Verhaltens zu machen. Das beschreibt der Jakobusbrief sehr eindrücklich.

Auch uns ermahnt der Jakobusbrief. Wir lassen uns vom Äußeren eines Menschen schnell beeindrucken. Wir vertrauen, wo wir misstrauen sollten. Wir misstrauten, wo wir offen sein sollten. Wir urteilen und verurteilen auf Grund von Äußerlichkeiten.

Wir urteilen auch schnell mit zweierlei Maß. Wir lassen alles andere sprechen, anstatt allein unser Herz, das sich des anderen einfach nur annimmt, wie er es gerade braucht. Gebote oder Bibelstellen dienen auch uns dazu, nicht nur zu trösten und aufzurichten, sondern um andere zu verurteilen und auszugrenzen. Das, was dann Gott oder Jesus gesagt haben sollen, lässt sich nicht mehr hinterfragen. Dahinter steht sehr viel Willkür, weil wir die Bibel so gebrauchen, wie sie uns gerade passt.

Wir benutzen Gottes und Jesu Worte nicht ausschließlich dafür, um anderen den Weg zum Leben zu öffnen, sondern wir schlagen sie ihnen oft genug nach Belieben um die Ohren, um zu verurteilen. Damit stellen wir uns über sie.

Mit dem Maßstab aber, mit dem wir andere richten, werden auch wir gerichtet. Darum kann Maßstab unseres Redens und Handelns nur die Liebe sein, wie wir uns selbst lieben. Christus hat uns längst davon befreit, uns über andere zu erheben. Wir brauchen uns nicht besser zu machen als andere. Wir sind alle miteinander vor Gott gerecht und gut.

Alle unsere Kräfte können wir für die Menschen einsetzen, die in jeder Hinsicht ärmer sind als wir. Da wo sie uns brauchen, können wir für sie da sein. Manchmal brauchen sie nur unsere guten Worte. Manchmal werden wir mit anfassen müssen und ihnen wirklich handgreiflich helfen. Manchmal brauchen sie nur unser Geld.

Jene, die sich etwas auf ihren Reichtum, oder auch auf ihr Können, ihre Weisheit, ihren Verstand, ihre Jugend und was auch immer einbilden und große Worte schwingen ohne sie zu tun, wird Gott zur Rechenschaft ziehen.

Wir als Christen und Gemeinde können in der Welt viel zum Frieden hin bewegen, wenn unser Reden und Tun der Liebe übereinstimmen. Die Menschen suchen nach Werten und Maßstäben, die lebbar sind. Maßstäbe, für die sie bereit sind, bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Jesus nennt das die Hingabe des Lebens.

Die Liebe ist das Gebot der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, welches mit Herzen, Mund und Händen zu leben ist. Indem wir sie leben, wird Gott mitten in der Welt sichtbar als der, der Leben schafft und erhält.

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