Mit der Kraft Gottes rechnen …

Liebe Gemeinde,

heute am Buß- und Bettag begegnen uns diese Worte aus dem Jesajabuch. Sie sprechen über den Gottesdienst der Gemeinde des Volkes Israel und dessen alltäglichem Handeln.

Wir hören Gottes Wehklagen, Empörung und Enttäuschung. Gott liebt sein Volk. Gott teilt sich seinem Volk mit, immer und immer wieder. Gott umwirbt sein Volk, lockt es zu dem erfülltem Leben, das dem Volke gut tut und gleichzeitig Gott selbst gefällt. Nichts davon halten sie ein, übles Treiben, Unrecht, blutrünstige Verbrechen. Sie feiern ihre Gottesdienste, halten die Rituale ein und ihr Alltag bleibt komplett unbeeinflusst davon.

Ich höre, wie Gott darüber klagt und ich sehe die Notwendigkeit von Umkehr und veränderten Wegen. Ich spüre in den Worten eine Sehnsucht nach Einsicht, nach Neubesinnung auf Gott und sein Heilsgeschehen, das ohne die Menschen überhaupt nicht erfahrbar werden kann.

Ich höre auch die Frage an uns, wie verhält sich bei uns Gottesdienst und alltägliches Handeln? Oder machen wir auch einen Kult davon und unser Alltag bleibt unberührt?

Gott kritisiert bei Jesaja genau dies, da_ es keine Beziehung zwischen Gottesdienst und Alltag gibt. Gott erwartet nicht die perfekte Inszenierung der besonderen Gottesdienste und Gott kritisiert nicht den Gottesdienst an sich, sondern Gott erwartet viel eher, das der Gottesdienst in den Alltag hineinwirkt für das Tun des Guten. Das dass nicht stattfindet, das ruft die Enttäuschung hervor, die aus den Worten des Jesaja klingt. Ist Gott nicht dann auch enttäuscht über uns? Wie schnell hält uns der Alltag mit seinen Anforderungen gefangen und der Gottesdienst liegt weit zurück.

Da provozieren sich die Kinder, es gibt böse Worte, es wird laut, einer/eine schreit, Streit. Es nervt und wie schnell schreien Eltern genervt zurück.

Der Weg zur Behörde fällt schon schwer und angespannt erwartet man, wie es diesmal wird. Ein falsches Wort und schon fallen andere böse Worte und für heute ist man fertig.

In unserer Gesellschaft fallen oft noch ganz andere Entscheidungen über das Schicksal von Menschen in Not. Und wenn ich dann auf der Seite dieser Menschen stehen, spüre ich oft auch Ohnmacht, Empörung und Enttäuschung. Ich suche nach Veränderung, danach dass Gott Raum gewinnt, gerade dann und mir Kraft zuwächst. Gottesdienst mit dem Alltag verbinden, sich neu darauf ausrichten. gerade dann, wenn Konflikte weite Kreise ziehen. Was brauchen wir um die Kraft Gottes in uns wirken zu lassen „Lernt Gutes zu tun, sorgt für Gerechtigkeit, haltet die Gewalttätigen in Schranken, helft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht“! so sagt es Jesaja. In der Fortbildung, an der unser Diakon und ich teilgenommen haben zu dem Thema: Projekte Alternativen zur Gewalt, Konflikte gewaltfrei überwinden , im Rahmen der ökumenischen Dekade ‹berwindung von Gewalt sprachen wir von der verändernden Kraft, für die wir immer mehr offen werden wollen, um im Alltag zwischenmenschliche Gewalt zu vermindern. Diese Kraft bedeutet für mich, mich von der Kraft Gottes verwandeln zu lassen. Diese immer wieder neu in den Blick zu bekommen sie einzubeziehen in das was mich ausmacht und sich von ihr verwandeln zu lassen, zu einer Lebenshaltung, die Gott in den Alltag einbezieht, in das Tun und Denken, in das Gebet und in das Gottesdienstliche Feiern, die Gerechtigkeit fördert und Frieden sucht. Wie geht das?

Es fängt bei jedem selbst an. In einer Gruppe wurde als erstes gesagt: anerkennen, dass ich und andere nur Menschen sind. Das heißt, sich nicht über die anderen zu erheben, sondern dem Anderen, der Anderen auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie wert zu schätzen als Mitmensch.

Als ChristInnen sprechen wir von Schwestern und Brüdern in einer Gemeinschaft. Aus dieser Erfahrung heraus bräuchten wir keine Auseinandersetzung führen müssen um Sieger oder Siegerinnen zu benennen. Aus dieser Erfahrung bräuchten wir einander auch nicht abwerten oder bewerten. Urteile könnten wir getrost Gott überlassen. Dann könnten wir dafür sorgen dass alle anderen Menschen sich selbst annehmen können, weil Gott sie schon längst angenommen hat und damit eine gute Lebensgrundlage haben.

Du und Ich können in uns gehen, in uns hineinspüren, hören auf das, was wir fühlen, auch dann wenn es schmerzt und von uns selbst sprechen, ich sagen und das was ich brauche und damit den anderen Mut machen auch sich zu fühlen und von sich zu sprechen und von dem was sie brauchen. Das hat nichts mit überdrehten Wünschen, für die jetzt im Fernsehen und anderswo als Festtagsgeschenk zu Weihnachten geworben wird zu tun. In mich zu gehen und zu erfühlen, was ich brauche um in Frieden und erfüllt zu leben, das zu verinnerlichen bedeutet für mich mit der Kraft Gottes zu rechnen mitten in unserem Leben. Gott erwartet nicht, dass wir uns abhetzen für Idylle und perfekt sein und uns aufopfern müssen, vielmehr dass wir bereit sind und uns öffnen Gott selbst zu empfangen und seiner befreienden Botschaft vom Kind in der Krippe für uns. Gott in unserem Leben Raum zu geben, damit Gott selbst in uns wirken kann. So können wir uns stärken lassen von seiner Nähe, sie suchen, sie feiern und uns für ein menschenwürdiges Leben für alle einsetzen.

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