Machs wie Gott, werde Mensch

Liebe Gemeinde,

die Hirten haben als erste von der Ankunft Jesu erfahren. Doch nicht alle glauben, was die Engel ihnen erzählt haben, dass in Bethlehem der Retter geboren ist. Aufgeregt besprechen sie das seltsame Ereignis. Die einen tun das als fromme Spinnerei ab und bleiben auf dem Feld bei den Schafen. Doch andere machen sich auf. Sie wollen überprüfen, ob das Ganze stimmt und was es mit diesem Retter auf sich hat. So folgen sie dem Stern, bis sie zu einem Stall kommen.

Als sie dann im Stall ankommen, sind sie erstaunt, was sie da finden. Einer der Hirten nimmt Anstoß an dem kleinen Kind in der Krippe und kehrt um. Wie kann denn so ein kleines Baby ein König sein? Der verheißene Retter muss doch viel großartiger sein, als so ein normales Baby in der Krippe?

Wenn der Glanz und die Stimmung von Heiligabend und Weihnachten vorbei sind, bleibt die Frage: Was ist eigentlich das Besondere an Weihnachten, wenn man den Rahmen, das Feiern, die Geschenke und das gute Essen mal wegnimmt? Was bleibt dann noch übrig von Weihnachten?

Nehmen wir all das weg, dann bleibt wirklich „nur noch“ das kleine Kind in der Krippe übrig. Aber auf dieses „nur noch“ kommt es gerade an. Gott wird Mensch. Der Herrscher und König der Welt wird aber nicht irgendein großartiger und berühmter Mensch. Er wird ein Mensch wie du und ich. Er wird nur ein Baby im Stall. Er kommt so auf die Welt wie du und ich.

Und das ist so, weil Gott uns Menschen im Innersten versteht. Er kennt uns und weiß, wie es um uns steht. Und um uns zu helfen, begibt er sich auf die gleiche Stufe mit uns Menschen. Und das ist so, damit wir Menschen Gott verstehen können. Wie können wir jemand begreifen, dass so groß und unvorstellbar wie Gott ist. Alle Vergleiche können nur unzureichend etwas über Gott aussagen. Doch Gott will, dass wir ihn verstehen. Weihnachten hat doch mit dir und mir zu tun. Weil Gott einer von uns wurde. Wenn wir also genau hinsehen hat sich in diesem kleinen Kind das Große ereignet. Gott war sich nicht zu schade ein kleines Baby zu werden, um uns Frieden zu bringen. Dafür können wir Gott danken.

Der Sinn von Weihnachten liegt also darin, dass wir Gott verstehen können. Der Sinn von Weihnachten ist in dem Satz, den die Engel singen, zusammengefasst:

«Gott im Himmel gehört alle Ehre; denn er hat den Frieden auf die Erde gebracht für alle, die bereit sind, seinen Frieden anzunehmen.»

Denn hier wird gesagt, dass Jesus geboren wurde, um den Menschen, die bereit sind sich auf die Sache mit Gott einzulassen, seinen Frieden zu bringen. Darum können wir ihn loben und preisen.

Denn Gott ist groß und unfassbar. Doch an Weihnachten hat er sich in einem kleinen Baby für uns begreiflich gemacht. Gott wurde arm für uns, damit wir durch seine Armut reich werden.

Die Weihnachts-Freude muss zur dauerhaften Freude werden, die unser Leben verändert und gestaltet. Dann komme ich von der Frage, ob Weihnachten nur fromme Spinnerei ist, zu einem festen Glauben. Darauf kommt es an.

Die Stimmung und der Glanz, das gute Essen und die Geschenke, ein paar Tage lang können sie uns erfreuen. Doch ein ganzes Jahr können sie uns nicht tragen. Fester Glaube an Gott, den Vater Jesu Christi, will uns jeden Tag im Jahr tragen.

Denn Jesus ist nicht nur am Tage seiner Geburt wichtig. Jeder der Kinder hat, kann mir das bestätigen. Mit der Geburt fängt erst alles an.

Wenn das Kind auf der Welt ist, kann ich es nicht einfach links liegen lassen. Es braucht zu essen. Es muss versorgt werden.

So ist es auch mit Jesus. Seit er auf der Welt ist, seit Gott zu uns gekommen ist, kann ich ihn nicht mehr einfach liegen lassen.

Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zu unseren Kindern. Er hat es nicht nötig, dass wir ihm zu essen geben und ihn versorgen. Dafür hat schon Maria gesorgt.

Hier ist es umgekehrt. Er möchte uns helfen mit dem Leben zurechtzukommen und uns versorgen. Wenn wir ihn links liegen lassen, schaden wir nicht ihm, sondern uns. Gott möchte uns Sinn und Frieden für unser Leben schenken. Denn er gibt uns ein Ziel: wir werden mit ihm in Gottes Reich leben. Und er schenkt uns Frieden: weil er unser Leben heil macht und uns vergibt, können wir andern vergeben. Daraus wächst Frieden in unserem Leben.

Weihnachten ist uns dabei eine Hilfe. Hier haben wir Gott greifbar in der Krippe. Schauen wir noch einmal auf die Hirten. Die Hirten, die den Engeln glaubten, kamen sofort. Wenn ich Gott, wenn ich Weihnachten Glauben schenke, muss ich auch sofort aufbrechen. Dazu möchte ich eine Legende aus Russland erzählen:

Sie erzählt vom Mütterchen Babuschka, das sich in einer kalten Winternacht gerade anschickt, ins warme Bett zu schlüpfen, als es heftig an der Tür klopft. Sie hört nicht darauf, aber das Klopfen wird lauter. Schließlich öffnet sie einen Spalt breit die Tür. Draußen stehen Hirten, mit roten Nasen und mit Schnee im Haar. Ihre Bärte sind vereist. Aufgeregt erzählen sie Mütterchen von einem königlichen Kind, das nicht weit entfernt eben in dieser Nacht geboren wurde. „Komm schnell, Babuschka“, sagt der Ältere, „komm schnell, du kannst doch mit Kindern umgehen.“

Babuschka schüttelt den Kopf. Zu warm ist das Bett, und zu kalt pfeift der Wind durch den Türspalt. „Morgen“, sagt das Mütterchen, „wartet bis morgen.“

Die Hirten lassen es dabei bewenden und ziehen ab. Kurz darauf klopfen sie wieder an der Tür. Um einen Korb betteln sie, um etwas Fleisch oder Brot. Sie wollen es selbst zum Kind bringen. „Morgen“, sagt Babuschka.

Am nächsten Tag hält sie tatsächlich ihr Wort. Sie packt einen Beutel mit Essen und Geschenken: einen weichen Schal für die Frau, einen silbernen Löffel für den Jungen, Spielzeug und Schachfiguren aus Elfenbein. doch als sie ankommt ist der Stall leer. Der Stall ist leer.

Wenn der Weihnachtsrummel erst einmal vorbei ist, kann es uns passieren, das der Stall leer ist. Wir müssen wie die Hirten sofort und ohne Umschweife aufbrechen. Jetzt wenn wir dies hören. Dann können wir den Sinn von Weihnachten finden. Dann ist der Stall nicht leer. Sondern in dem Stall liegt das Baby, das der König der Welt ist. Gott wurde arm für uns, damit wir durch seine Armut reich werden.

Und wir brauchen Jesus nichts bringen außer uns selbst. Ja wir finden von uns aus nicht einmal zu Gott. Gott schickt den Hirten einen Stern damit sie den Stall finden. Der Stern, durch den wir heute Gott finden, heißt Jesus Christus. Ohne ihn wissen wir gar nicht, wie wir Gott kommen können.

Die Hirten folgen dem Stern. Und sie haben auch nichts dabei außer sich selbst. Wir müssen und wir können Gott nichts bringen. Wir können so zu ihm kommen, wie wir sind. Wir können uns selbst mitbringen. So wie wir sind. Gott fordert nichts, als das wir ehrlich kommen und sagen: Gott ich möchte an Dich und Deinen Sohn Jesus Christus glauben. Und wir können den Weg finden, wenn wir Jesus Christus folgen. Und dann werden wir in unserem Herzen verändert. Wir spüren Gottes Frieden. Machs wie Gott, werde Mensch.

Und wenn diese Veränderung geschehen ist, dann wirkt das nach außen.

Die Weihnachtsbotschaft muss von den Hirten unter die Leute gebracht werden. Die Weihnachtsbotschaft muss auch von uns unter die Leute gebracht werden.

Wenn Gott uns verändert, ist Weihnachten mehr als Stimmung.
Wenn Gott uns verändert, ist Weihnachten mehr als Kaufrausch und Konsumzwang.
Wenn Gott uns verändert, ist Weihnachten mehr als Gutes zu tun.

Die Hirten kehren zurück und loben und danken Gott. Sie gehen wieder in ihren Alltag, aber sie sind verändert und können ganz neu in die Zukunft sehen.

Wenn wir Jesus begegnen, dann werden wir verwandelt, dann loben auch wir Gott. Dann können wir ganz neu in die Zukunft blicken und unser Alltag ist durch den Glauben und Gott verwandelt.

Zum einen bewegt sich in unserem Herzen etwas. Gott und der Glaube dringt in unser Herz und verändert uns. Durch die Botschaft von Weihnachten werden wir im innersten umgewandelt.

Zum anderen macht uns diese Verwandlung fähig, die Botschaft an andere weiterzusagen. Und gerade an Weihnachten ist das besonders wichtig. Gerade bei diesem Fest ist so wenig von dem eigentlichen hinter dem Glanz der Geschäfte und des Wohnzimmers sichtbar. Und wie viel Not und Einsamkeit wird an diesen Tagen gerade damit übertüncht. Doch Gott will unsere Not und Einsamkeit nicht übertünchen. Er will mit uns gehen und uns auch in Not und Einsamkeit begleiten. Und letzten Endes wird er die Not und die Einsamkeit besiegen. Darum müssen wir den Menschen, die merken, dass dies keine Erfüllung bietet, weitersagen, was das Eigentliche ist: Gott wird Mensch. Machs wie Gott, werde Mensch.

Wir wollen heute noch einmal auf die Botschaft der Engel, der Boten Gottes hören:

«Gott im Himmel gehört alle Ehre; denn er hat den Frieden auf die Erde gebracht für alle, die bereit sind, seinen Frieden anzunehmen.»

Sie weist uns auf die beiden wichtigen Dinge von Weihnachten. „Gott gehört alle Ehre“. Wir sollen durch unser Leben und Handeln, durch unseren Alltag Gott ehren und ihn loben und preisen. Und das andere ist, wenn wir bereit sind Gottes Frieden anzunehmen, dann verheißt er uns hier und heute seinen Frieden für unser Leben.

Diese Botschaft gilt uns. Sie gilt allen Menschen. Wir dürfen sie frohen Mutes weitersagen. Gerade an die Menschen, die von Weihnachten enttäuscht sind.

Aus dem Glanz und der Stimmung von Heiligabend und Weihnachten muss dauerhafte Freude werden. Dauerhafte Freude finden wir im Glauben an den Gott, der sich nicht zu schade war, Mensch zu werden. Machs wie Gott, werde Mensch.

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