Lieben können, wie wir uns selbst lieben

Liebe Gemeinde,

unsere Kleider geben wieder, was wir empfinden. Gestern waren sie alle bei der Trauung festlich gekleidet. Dazu gehören dunkle Kleider ebenso, wie schöne Farben. Weiß bleibt der Braut vorbealten als Zeichen des Festes und der Freude. Kinder bei der Taufe erhalten ein Taufkleid. Jenachdem es ein Junge oder Mädchen ist, ist das Taufkleid rosa oder blau.

Die schwarze Kleidung ist den Trauernden vorbehalten. Aber auch ohne es zu wissen, kleiden wir uns oft nach unseren Stimmungen. Menschen denen es im Moment nicht so gut geht, neigen eher zu dunklen Kleidern. Damit signalisieren sie den anderen, ihnen nicht zu nahe zu kommen. Zerrissene und zerlumpte Kleidung trauen wir den Gescheiterten zu. In meiner Jugend gab es noch die Alltags- und Sonntagskleidung. Manchmal lästern auch einige Menschen, dass die Kirche für viele der Ort sei, um neue Kleider vorzuführen.

Kleidung empfinden wir vielleicht auch als eine Provokation. Wenn der Pfarrer statt in traditionellem schwarzen Talar auf einemmal im weißen Talar erscheint, gilt das als Zeichen des Fortschrittes oder auch des Ärgernisses.

Wir bilden uns oft ein Urteil über einen anderen Menschen ganz allein vom Äußeren seiner Kleidung her. Einem Betrüger in guter Kleidung vertrauen wir, einem ehrlichen Menschen in abgetragener Kleidung misstrauen wir.

Unsere Kleidung bedeckt unsere Blöße. Nackt sind wir verletzbar. Wir halten unsere Körperwärme mit den Kleidern bei uns. Mit unserer Kleidung geben wir bewusst oder unbewusst zu erkennen, ob wir altmodisch oder auf dem Laufenden sind.

Um Jesu Kleider wurde gewürfelt und gefeilscht (Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.

Menschen des Alten Testament und Neuen Testament zerreißen ihre Kleider als Zeichen der Trauer, der Wut oder der Entrüstung. 209 Mal kommt das Wort Kleider in der Lutherbibel vor.

Kleider machen Leute. Von manchen Leuten wird erwartet, dass sie immer in guten Kleidern in der Öffentlichkeit erscheinen, z.B. Fernsehmoderatoren. So genießen sie dann auch Ansehen. Königinnen und Könige, Prinzessinnen und Prinzen sind mit ihren Kleidern Gegenstand der Klatschblätter.

Der schlecht oder sogar unbekleidete Mensch erregt öffentliches Ärgernis. Auch in der christlichen Gemeinde. Damals und heute. Wir schauen so arg auf die Äußerlichkeiten, dass uns dahinter der eigentliche Mensch mit seinem Charakter völlig entschwindet. Wir be und verurteilen vorschnell. Wir diskriminieren offen und geradezu unverschämt jene, deren Aussehen wir als unpassend betrachten. Bei der Begrüßung werden sie geschnitten. Ein Platz als erwünschte Gäste wird ihnen verwehrt.

Der Schreiber fragt, ob es recht ist, solche Unterschiede zu machen. Gott macht solche verletzenden Unterschiede auf keinem Fall.

"… denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott." Es geht niemals um das Ansehen der Person, sondern darum, ob wir lieben oder nicht. Das aber scheint in unserer Zeit weitaus schwieriger zu sein. Denn wir haben so unsere Vorstellungen und Vorurteile. Einem Funktionsträger der Öffentlichkeit, wie z.B. Politikern, Fürsten, Bürgermeistern, Pfarrern, Lehrern gestehen wir wenig Menschsein zu. Sie haben zu funktionieren. Ganz bestimmt nach unserer Vorstellung. Sie dürfen sich nicht in Lügen verstricken. Sie dürfen nicht ausweichen in ihren Antworten. Sie müssen immer freundlich und aufgeschlossen sein. An sie werden nur hohe Forderungen gestellt. Zumeist solche, die wir nicht einen einzigen Tag bereit wären zu erfüllen. Oder solche, die wir von ihnen erwarten, weil wir uns dazu nicht imstande sehen.

Ebenso erwarten wir nichts mehr von denen, die nach unserem Urteil bei uns unten durchgefallen sind. Sie sind und bleiben Menschen zweiter Klasse. Sie werden immer Lügen, gemäß dem Wort: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht."

Gott aber traut jedem einzelnen Menschen von uns einen grundlegenden Wandel zu. Er geht davon aus, dass wir sein Wort gern hören. Bei ihm genießen wir hohes Ansehen um Jesu Christi willen. Nicht wegen unserer guten Taten, unserer Gesinnung oder gar unseres Glaubens. Ganz einfach nur um Christi willen, haben wir bei Gott ein hohen Ansehen.

Wer sich auf Christus beruft, wird dieses Ansehen bei Gott genießen. Sich aber auf Christus zu berufen, ist wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße.

Gott kleidet uns mit Ehre und macht uns zu seinen Kinder. Folge für unser Leben: Lieben können, wie wir uns selbst lieben. Leidenschaftlich und mit ganzer Hingabe für den anderen Menschen. Geschenk und nichts anderes ist es.

drucken