Liebe mal drei

Liebe Gemeinde,

dass der Samariter richtig gehandelt hat, wird wohl keiner hier im Gottesdienst bestreiten. Dennoch gibt es bis heute Menschen, die mit dieser Geschichte nicht zurechtkommen. Sie haben auf Teufel komm raus ihren Nächsten geliebt und dabei nicht gemerkt, wie sie selbst vor die Hunde gingen oder ihren Glauben verloren haben. Sie haben nicht verstanden, was Jesus damit sagen wollte. Mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter wollte er das Doppelgebot der Liebe erklären: »Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben mit deinem ganzen Herzen, von ganzer Seele, mit aller Kraft und deinem ganzen Verstand. Und auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst.« Es geht hier um Liebe, und zwar um unterschiedliche Arten von Liebe. Und es entscheidet sich alles an der Reihenfolge. Es gibt drei Arten von Liebe, Liebe mal drei: Was ist die erste Art von Liebe? Gott liebt dich. Die erste Art von Liebe ist gar keine Liebe, die von dir kommt. Sondern am Anfang steht, dass du geliebt wirst. Unendlich und bedingungslos geliebt. Das ist die eigentliche Quelle der Liebe. Weil Gott, dich liebt, kannst du ihn lieben. Du brauchst keine Angst vor Gott zu haben. Gottes Liebe zu dir steht fest. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass du so lieben kannst, wie es hier heißt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt. Denk einmal nach, wie es mit deiner ersten Liebe war. Du hast einen Menschen geliebt. Und die große Frage war: liebt er mich auch. Wenn deine Liebe erwidert wurde, dann warst du unheimlich glücklich und hast dich gefreut. Wenn sie nicht erwidert wurde, hat dich das in den tiefsten Liebeskummer gestürzt. Du warst unendlich traurig. Genauso traurig ist Gott, wenn du seine Liebe nicht erwiderst. Denn zu einer Liebesbeziehung gehört beides: geliebt werden und lieben. Und wenn ich weiß, dass Gott mich liebt, dann komme ich besser mit mir selbst klar. Denn in der Liebesbeziehung mit Gott erfährst du, dass du etwas wert bist. Du weißt dann, Gott hat mich so geschaffen wie ich bin. Ich kann mich so annehmen.

Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee
und dass du atmest war kein Entschluss von dir.
Vergiss es nie: Dass du lebst war eines anderen Idee
und dass du atmest sein Geschenk an dich.
Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du
und niemand lächelt so wie du’s grad tust.
Vergiss es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du,
und niemand hat je, was du weißt gewusst

Die Gründe warum du dich annehmen und lieben kannst, kann ich beliebig fortsetzen. Doch kommen wir zu einer weiteren Art der Liebe. Wenn ich mich von Gott geliebt weiß, Gott liebe und mich selbst liebe, dann kann ich auch meinen Nächsten lieben und ihm helfen. Die Quelle für unsere Liebe ist, dass Gott uns liebt. Und aus dieser Quelle fließen die Ströme unserer Liebe. Nur darum kann ich Gott lieben, mich selbst lieben und meinen Mitmenschen lieben. Jeder von euch hier im Gottesdienst steht an irgendeinen Punkt. Frage dich einmal selbst: weiß ich mich von Gott geliebt? Das ist die entscheidende Frage, ob du an die Quelle angeschlossen bist.
Wenn du sie mit Nein beantwortest kann ich dir nur eines raten: Suche Jesus Christus, er steht neben dir. Wenn du sie mit Ja beantwortest, dann stelle dir drei weitere Fragen: Liebe ich Gott? Liebe ich mich selbst? Liebe ich meine Mitmenschen? Wenn du eine Frage mit Nein beantwortest, dann kann das ein Grund für deine Unzufriedenheit sein. Lange Zeit hat man die Nächstenliebe so sehr betont, dass die Liebe zu Gott und zu sich selbst verkümmerten. Manchmal ging darüber das Wissen verloren, dass Gott uns liebt und die Quelle der Liebe versiegte.

Dass der Samariter trotzdem richtig gehandelt hat, wird keiner hier im Gottesdienst bestreiten. Ich will euch die Geschichte vom barmherzigen Samariter einmal weitererzählen: Da geht der Samariter ein zweites Mal nach Jericho, fand einen zweiten Verwundeten, las ihn ein zweites Mal auf. Ging ein drittes, ein viertes, ein fünftes Mal den gleichen Weg und fand jedes Mal einen Verwundeten. Er ging hundertmal und fand hundertmal … Und immer an der gleichen Stelle. Als er zum 333. Mal von Jerusalem nach Jericho geht, dachte er bei sich: Es liegt bestimmt einer da … und stolperte prompt darüber …, holte dann wie üblich, den üblichen Vorrat aus der Satteltasche und begann mit der üblichen Sorge, diesen neuesten 333. Verwundeten übungsgemäß zu salben und zu wickeln, um ihn abschließend – weil Übung den Meister macht – mit einem einzigen Ruck auf den Esel zu verladen …, der auch sofort davonlief, in üblicher Richtung auf die Herberge, und dort auch richtig ankam, der Esel mit dem Verwundeten …, diesmal jedoch nur zu zweit, ohne den Samariter. Der Samariter war nämlich in der Wüste geblieben, um dort zunächst einmal ein Räubernest auszuspionieren … Als er über den 333. Verwundeten stolperte, war ihm plötzlich die Erleuchtung gekommen …, dass es eine bessere Qualität von Barmherzigkeit sei, sich vorsorglich und zwar resolut, mit dem Räubernest zu befassen, statt nachträglich Heftpflaster zu verteilen. Er merkte sich das Rezept. Und war von dort ab mit immer weniger Arbeit, ein immer besserer barmherziger Samariter.
Das könnte sich doch so zugetragen haben? Es kommt nicht nur darauf die Wunden zu verbinden, die schlechte Zustände schaffen, sondern es kommt auch darauf an, die Verhältnisse nachhaltig zu ändern. Zum Beispiel kann ich viel in die dritte Welt spenden. Das ist wichtig. Wenn ich aber nicht darangehe und darüber nachdenke, wie ich die ungerechte Verteilung des Besitzes von arm und reich verändern kann und dann anfange zu handeln, dann verbinde ich wie der Samariter einen weiteren Verletzten, ohne darauf zu drängen das das Räubernest der jetzigen Weltwirtschaftsordnung ausgehoben wird. Viele Menschen kommen in unser Land und bitten um Asyl. Ich verstehe das gut. Uns geht es so gut, wie nie zuvor und auch die politische Lage ist weitgehend stabil. Aber warum dürfen diese Leute bei uns nicht arbeiten, bis ihr Asylantrag entschieden ist. Es gibt genug Arbeitsplätze, die kein Deutscher annehmen würde, weil sie zu schlecht bezahlt sind. Dann brauchten wir ihren Mangel nicht mit der Sozialhilfe zu verbinden. Und die Leute müssten nicht den ganzen Tag herumlungern und wären zufriedener. Zum Glück wurden jetzt die Bestimmungen gelockert, dass die Asylsuchenden nach einer bestimmten Zeit arbeiten dürfen. Oder nehmen wir das aktuelle Beispiel Abtreibung. Abtreibung ist für mich Tötung von Leben. So bin ich dafür, dass es weiter unter Strafe gestellt wird. Es reicht aber nicht aus, den Frauen nur bessere, finanzielle Hilfen zuzusichern und die Wunden zu verbinden. Unsere Gesellschaft müsste kinderfreundlicher werden. Vermieter müssten bevorzugt an Familien vermieten. Alleinerziehende Mütter müssten Rückhalt und Unterstützung in der Bevölkerung finden. Wir müssen bereit sein, schwangeren Frauen materiell und ideell zu helfen und ihnen so ein Ja zum Leben ermöglichen.
Auf jeden Fall sollte man die Väter viel mehr zur Verantwortung ziehen. Für sie ist es einfach, sich aus der Affäre zu ziehen. Sie sollen nicht nur finanziell die Verantwortung tragen, sondern auch für die Erziehung der Kinder. Da sollte der Mann gleichberechtigt behandelt werden und allein erziehende Väter sollten so normal wie solche Mütter werden. Das eigentliche Räubernest ist die gedankenlose und zügellose Sexualität in unserer Gesellschaft. Gottes gute Gebote werden mit den Füßen getreten. Wer miteinander schläft muss auch heute damit rechnen, dass ein Kind, eine neues Leben, eine neue Person entstehen kann. Über all den Schwierigkeiten, die ich jetzt angesprochen habe, dürfen wir eines nicht vergessen: Gottes Größe. Gott ist größer als unsere Schwierigkeiten und Probleme und er hilft den Glaubenden ein erfülltes Leben trotz mancher unerfüllter Wünsche zu leben.

Machen wir es uns am Schluss noch einmal klar: Ich bin von Gott geliebt. Darum kann ich mich lieben und an meinen Problemen und Fehlern arbeiten.An diese Quelle angeschlossen, habe ich die kraft andere zu lieben. In dieser Kraft kann ich daran gehen und die Probleme meines Alttags anpacken.

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