Licht der Welt

Lichttexte bestimmen heute morgen unseren Gottesdienst, Lichttexte ganz unterschiedlicher Art. Doch in einem sind sie miteinander verbunden, das Licht, von dem die Rede ist, das ist immer das Licht Gottes.

Wir haben gehört von dem Licht des Anfanges. Es werde Licht und es ward Licht. Ein Wort, das jeder von uns kennt, oft zitiert wenn es darum geht, einen dunklen Raum zu erhellen. Hinter diesem ersten Lichtwort steht der Gedanke, dass Gott selber diese Welt am Anfang erst durch sein Licht ins Leben rief. Vorher war es dunkel, wüst, chaotisch. Das Licht war der erste Schritt zur guten Schöpfung, zur guten Ordnung Gottes, die der Schöpfung Gottes und dem Menschen gut tut. Das Licht gottes als das grundlegende Lebenselement in dieser Welt. Von diesem Licht leben wir, von diesem Licht geht Leben aus. Und an diesem grundlegenden Licht Gottes sind dann auch alle anderen Lichtworte der Bibel orientiert, die wir heute gehört haben.

Der zweite dieser Lichttexte war ein Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jesaja, der heutige Predigttext. Ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde, so spricht Gott. Zu wem, das ist leider etwas unklar, klar ist nur wann dies gesagt wurde. Nämlich zu einer Zeit, als das Volk Israel schon viele Jahre in der Verbannung gesessen hat. Ca. 587 v. Chr. wurde das Land Israels durch die Babylonier besetzt, das Volk wurde nach Babylonien gebracht, so dass für das Volk Gottes die Heimat verloren war und damit auch ein wichtiger Bestandteil der Grundlage ihrer Religion. Etwa 40 Jahre später trat dann der Prophet Jesaja auf und verkündete, dass das Exil vorbei ist, dass das Volk bald zurückkehren kann. Und im Raum steht diese Verheißung: ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht. Dieses Wort gilt dem Propheten, der einen Neuanfang mit Israel gestalten soll. Es ist aber auch an das Volk Israel gerichtet, das als besonderes Volk Gottes dastehen soll, dessen Wirkung nach außen dringen soll, ja das in der ganzen Welt das Licht Gottes darstellen soll.

Wenn wir das in diesen Tagen hören, dann fällt es uns schwer, solchen Worten Glauben zu schenken. Wir erleben eine sehr gewalttätige Auseinandersetzung der Israelis und Palästinenser, ein neuer Krieg im Nahen Osten ist nicht auszuschließen. Ist das noch das Licht der Völker, das Licht Gottes, das da zu sehen ist? Wir leben weit weg von Israel, wir haben nicht die Geschichte von Vertreibung und Bedrohung erlebt, wie dieses Volk. Und so etwas lebt ja in den Menschen weiter bis in die Jugend hinein. Wir haben auch kein orientalisches Gefühl in uns, das sicher mit zu solchen heftigen Auseinandersetzungen beiträgt. Aber all dies sind auch keine Entschuldigungen für ein gewalttätiges Handeln. Ich kann den Wunsch nach dem Land und dem Lebensrecht der Israelis verstehen, aber auch das Lebensrecht der Palästinenser muß man im Blick haben. Ich denke, dass dieser über 2500 Jahre alte Text des Propheten Jesaja hier aber eine Sprache spricht, die weiter reicht, als nur vordergründige Machtinteressen. Es geht doch darum, dass Gott das Volk Israel in eine besondere Rolle gebracht hat. Sie sind nicht einfach ein Volk neben vielen, sondern, wie es Jesaja formuliert: Licht der Heiden, auf dass du mein Heil seist bis an die Enden der Erde. Das heißt doch, dass der religiöse Hintergrund moderner Auseinandersetzungen doch eine ganz andere Sprache spricht. Hier geht es um Heil, um Verbindung statt Trennung, um Lebensrecht statt Mord und Totschlag, um Zukunft für alle, statt enges Denken nur in eine Richtung. Erinnerung daran tut nicht nur uns gut, die wir heute morgen diese biblischen Worte hören, sondern sie täten auch den Führer des Volkes Israel gut, die dies scheinbar vergessen haben.

Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde, diese Worte wurden von den ersten Christen aber auch sehr schnell auf Christus bezogen. Jesus Christus das Licht der Welt. Das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat’s nicht ergriffen, mit diesen Worten faßt das Johannesevangelium die Weihnachtsbotschaft und den Karfreitag zusammen. Für die Christen war und ist Jesus Christus das Licht Gottes in der Welt, das Licht der Heiden, das Heil bis ans Ende der Welt. Viele haben davon gehört, aber nicht alle haben es angenommen, darum auch wurde Jesus gekreuzigt. Diejenigen, die an Jesus glauben, vertrauen darauf, dass in ihm das Licht Gottes Wirklichkeit ist, dass wir in ihm ein Licht haben, das in die Dunkelheiten dieser Welt scheint. Und ich denke, das vermag Jesus Christus auch, weil er selber ja diese Dunkelheiten des Lebens durchschritten hat, als leidendender an der Not der Welt, als jemand, der das Leiden selber durchlebt hat, der auch den Tod nicht gescheut hat, um dort das Licht Gottes aufleuchten zu lassen. Und für viele Menschen in den letzten 2000 Jahren war und ist Jesus Christus das Licht, das sie aufrecht erhält, das ihnen Hilfe zum Leben, Wegweisung und Ziel des Lebens ist. Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben, so heißt es als Wort Jesu im Johannesevangelium. Wer Jesus folgt, wer seine Weisungen annimmt, wer in seinem Geist sein Leben führt, der wird dieses Licht Gottes spüren, der wird merken, dass selbst in den dunkelsten Zeiten des Lebens immer ein Licht leuchtet, dessen Kraft größer ist, als die vermeintlich alles erdrückende Finsternis, in der man sich gerade befindet. Jesus ermutigt darin zum Leben, er ermutigt dazu, alles Todbringende zu überwinden.

Und in diesem Leben in der Nachfolge Jesu sind wir nicht nur Boten Jesu, sondern wir werden selber zu diesem Licht Gottes. Ihr seid das Licht der Welt, so sagt Jesus in der Bergpredigt. Und in den Briefen heißt es: wir sind Kinder des Lichtes, wir wandeln im Licht. Wir Christen sind das Licht der Welt, das nicht unter den Scheffel gestellt werden soll, sondern das leuchten soll, damit alle es sehen.

Was bedeutet das und wie kann das aussehen? Zunächst einmal sieht das sicher so aus, dass man uns Christen als solche erkennen sollte. Man sollte an uns und unserem Leben erkennen, dass wir getragen sind von diesem Licht, das weiter reicht als all unsere menschlichen Lichter, also weiter als all das, wovon man sich in dieser Welt so etwas wie Heil verspricht. Man sollte sehen, dass wir eine Licht folgen, das für diese Welt Heil will, Heilung will auf allen Ebenen.

Und das würde für mich im Blick auf die derzeitige Situation im Nahen Osten heißen, wir Christen dürfen da nicht wegschauen, sondern es gilt, unseren Teil dazu zu tun, dass das Licht Gottes in dem Volk Gottes wieder sichtbar werden kann. Nun können wir nicht dahinfahren, und Barak und Arafat unsere Meinung sagen und dann ändern die sich schon. Das schafft ja nicht einmal der amerikanische Präsident. Aber das heißt nicht, dass wir nichts tun können. Ich denke, wir können beten, können innere und äußere Lichter anzünden für den Frieden im Nahen Osten. Und dieses Gebet ist nicht schlichte Ausflucht, weil wir ja nichts anderes tun können, es ist lebendiger Ausdruck dessen, was Jesus uns zutraut: Licht der Welt zu sein. Wir erleben dies doch immer wieder, wo Menschen an Grenzen stoßen, wo Ereignisse uns überwältigen und unsere Ohnmacht sichtbar wird. Dann werden Kerzen aufgestellt, äußerlich sichtbares Licht, äußeres Zeichen innerer Betroffenheit. Es sind sichtbare Gebete, die deutlich machen, dass das, was uns hier ohnmächtig macht, nicht sein soll, dass ein anderes Licht leuchten soll. Erinnern sie sich an die Kerzen in den Kirchen der ehemaligen DDR, oder an Kerzen für die Opfer von Anschlägen. Es sind Zeichen dafür, dass ein anderes Licht leuchten soll, dass ein anderes Licht die Welt bestimmt, auch wenn viele dieses Licht nicht wahrhaben wollen.

Oder wenn ich an die Anschläge auf Synagogen denke, an brutale Gewalt rechtsradikaler Gruppierungen gegenüber den Randgruppen unserer Gesellschaft, auch da sind wir gefordert, das Licht Gottes weiterzutragen, das Licht Jesu im Umgang mit den Menschen leuchten zu lassen. Da gilt es aufzustehen und nein zu sagen gegenüber jeglichem Haß gegen Menschen anderer Religion, Hautfarbe und Rasse. Es gilt aufzustehen gegen die Gewalt, die die Schwächsten zu Opfern macht, und es gilt aufzustehen gehen jegliche Äußerung von Fremdenfeindlichkeit und überhaupt Feindlichkeit gegenüber anderen Menschen. Es mag Gründe zu Auseinandersetzung über Fragen von Asyl, von Zuwanderung, von politisch nationalen Gedanken geben, dies ist keine Frage, aber wenn es um die Diskriminierung von Menschen geht, dann sind wir Christen gefragt aufzustehen, den Mund aufzumachen und uns schützend vor diese Menschen, als das Licht der Welt, zu dem Jesus uns berufen hat, als das Licht Gottes, das den Menschen Heil bringen soll.

Das ist ein oft schwieriges Unterfangen. Man ist vielleicht manchmal selber gefangen in seinen eigenen Gedanken, in seiner eigenen Mutlosigkeit oder ist es auch langsam leid, immer wieder gegen eine Mauer zu laufen. Seit 2000 Jahren nun versucht ja die christliche Kirche dieses Licht in der Welt zu sein und hat sich oft genug selber daran beteiligt, das Licht Christi nicht so weit leuchten zu lassen. Auch Kirche hat ja ihre dunklen Seiten. Dennoch gilt das Wort Jesu an uns Christen: ihr seid das Licht der Welt. Der Prophet Jesaja, der diese Wort geprägt hat, kannte diese Vergeblichkeit. Unnütz kam er sich vor, weil niemand seinen Worten glauben schenken wollte, weil niemand hören und glauben wollte, dass sich etwas verändern wird. Immer wieder empfand er sein Amt als unnütz, als ein leeres Amt ohne Sinn und Ziel. So wie wir ja vielleicht auch angesichts dieser Welt manchmal verzweifeln mögen, an dem, was wir glauben und was wir aus diesem Glauben tun. Es nimmt uns doch keiner wahr, es will uns keiner Hören. Die Kirchen sind leer, die Welt ist friedlos und das Licht Gottes – es scheint verschwunden zu sein.

Doch Jesaja hielt durch, er wußte sich berufen, von Mutterleib von Gott angesprochen und berufen. Er hielt fest an dieser Berufung und versah sein prophetisches Amt bis das Volk endlich begriffen hat, dass Gott auf seiner Seite ist. Auch Jesus hielt durch. Am Kreuz noch rufend: mein Gott, warum hast du mich verlassen, rief er doch Gott an, flehend, glaubend, vertrauend. Die Auferstehung zeigte, dass dieses Vertrauen nicht ohne Grund war.

Und so werden wir heute ermutigt, unser Amt als Licht der Welt doch neu wahrzunehmen, es zu erkennen und uns nicht entmutigen zu lassen. Seid das Licht der Welt, gebt euch als Licht Gottes zu erkennen, in aller Bescheidenheit, in aller Bruchstückhaftigkeit und aller Fehlerhaftigkeit unseres menschlichen Tuns. Gott selber will, dass wir sein Licht weitertragen. Und eben nicht nur zu Weihnachten, wo das Licht für uns seinen Platz hat, sondern mitten im Leben, da wo wir stehen und sind, und zu jeder Zeit, wo es uns möglich ist.

Und ich möchte Sie nun bitten nach vorne zu kommen, jeder von ihnen soll eine Kerze erhalten und sie an der Osterkerze anzünden und wir wollen hier vorne dann miteinander das Glaubensbekenntnis sprechen mit dem Zeichen des Lichtes Gottes in unserer Hand.

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