Leben in Freiheit und Bindung

Liebe Gemeinde,

zuerst die gute Nachricht: Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Dadurch sind wir von aller Schuld und Sünde reingewaschen. Gott hat uns geheiligt und gerecht gemacht. Wir können uns das aber weder selbst nehmen noch gegenseitig zusprechen. Das gibt uns ganz allein Gott.

Auf diesem Hintergrund, reingewaschen, geheiligt und gerecht zu sein, fordert der Apostel Paulus dazu auf, entsprechend zu leben. Der Glaube an Jesus Christus heilt unsere erlittenen Verletzungen und gestörten Beziehungen. Rein, heilig und freigesprochen zu sein befähigt uns zu einem neuen Umgang mit uns selbst und den Menschen.

Was die Korinther früher für Menschen waren, zählt Paulus in seinem Lasterkatalog auf. Das hat bereits seit zweitausend Jahren verhängnisvolle Folgen. Paulus stellt verschiedene Lebensformen der Sexualität in den Zusammenhang von Kriminalität und Krankheit. Wenn heute immer noch homosexuell veranlagte Frauen und Männer in einem Atemzug mit Unzucht, Götzendienst, Missbrauch, Diebstahl, Raub, Sucht genannt werden, ist das ein schweres Unrecht.

Wir können uns nicht mit unseren Urteilen und Vorurteilen auf die Bibel berufen. Auch nicht auf Paulus. Für alles, was wir sagen, beurteilen, verurteilen, tun und unterlassen, sind wir jeder einzelne Gott gegenüber verantwortlich. Auch dann, wenn wir unsere Einsichten aus seinem Wort gewonnen haben. Unsere Verantwortung für unser Reden und Tun können wir nicht auf Gott abschieben.

Die Bibel spricht grundsätzlich nicht gegen den Menschen, sondern für ihn. Sie bezeugt, wie das gebrochene Verhältnis zwischen Gott und Mensch wieder heil werden kann. Als Folge daraus kann das Verhältnis der Menschen untereinander heil werden. Die Bibel ist nicht leib- und sexualfeindlich. Das sind die Menschen, die sie dazu machen.

Sexualität ist eine gute Gabe Gottes. Sie ermöglicht uns Nähe, Glück, Geborgenheit und Frieden zu einem Menschen, wie wir sie nur noch bei Gott finden können. Für sie gilt nichts anderes, als was für alle anderen Formen verantwortlichen Miteinanders gilt. Nur die Liebe zählt!

Wie Christen auch bei Problemen miteinander umgehen sollen, versucht der Apostel Paulus hier zu sagen. Es geht ihm nicht um eine enge oder weite Moral. Er droht nicht mit der Wendung: "Wenn – Dann". Er ermahnt als zur Freiheit berufenen Menschen, zu denen uns Christus gemacht hat zu leben.

Paulus nennt diesen Katalog von Verhaltensweisen, die dem Zustand vor dem Glauben an Jesus Christus entsprechen. So waren die Korinther einmal. Die Sexualität ist ein sehr wesentlicher Punkt menschlichen Miteinanders. Er sagt uns das nicht, damit wir andere dann von Gott und Jesus Christus ausschließen.

Wenn es schon jemand nötig hat, diesen Katalog anzuwenden, dann darf er ihn nur auf sich selbst anwenden und sich fragen, wie er mit seinen Fehlern und Schwächen, mit seinem Versagen und Schuldigwerden umgehen will.

Paulus gibt uns keine Maßstäbe an die Hand, um andere zu verurteilen und ihnen zu schaden. Wir sollen vielmehr das neue Leben noch fester halten, indem wir uns bewusst machen, wie unser Leben ohne Christus war. Da war es leer und hoffnungslos.

Mit dem Lasterkatalog veranschaulicht Paulus, dass christliches Lebens sich in Freiheit und Bindung vollzieht. Frei zu sein ohne Bindung und Verbindlichkeit wäre grenzenlose Freiheit. Sie ist keine christliche Freiheit. Sie führt in die tödliche Abhängigkeit der Freiheit, die um jeden Preis erhalten sein soll. In der Freiheit zu bestehen ist Freiheit in Bindung.

Freiheit können wir nur vom anderen her leben. Das Motto "Freie Fahrt für freie Bürger" meint nur den einzelnen selbst. Die eigene Freiheit wird um jeden Preis gelebt. Sie überrollt, was ihr im Wege steht. Durch den anderen erfährt meine Freiheit ihre Begrenzung und Weite zugleich. Das ist ein sehr beweglicher Vorgang, weil die Grenze immerwieder neu gefunden werden muss. Der andere Mensch gibt die Richtung der Freiheit vor. Weil für ihn das Gleiche gilt wie für mich, begegnen sich unser beider Freiheit zu einer gemeinsamen Freiheit.

Ich kann nur dann tun und lassen was ich will, wenn ich völlig allein und niemandem verantwortlich bin. Nur – das gibt es nicht. Wir sind eingebunden in ein vielfältiges und uns verpflichtendes aber auch tragendes Netz von Beziehungen und Verantwortung.

Grenzenlose Freiheit ohne Verbindlichkeit und Verantwortung für den anderen, zerstört das eigene und andere Leben. Der Maßstab für verantwortete Sexualität ist nicht, ob jemand Menschen des anderen, gleichen oder beider Geschlechter und alle dazwischen liegenden Möglichkeiten liebt. Maßstab ist allein die Liebe füreinander. Sie wird nicht von der Sexualität her bestimmt, sondern sie bestimmt alle Verhaltensweise und damit auch die Sexualität. Die Liebe fragt zuerst nach dem, was dem anderen und nicht mir gut tut. Das Ergebnis kann in bezug auf zwei Menschen schon gleich entgegengesetzt sein. Es führt aber auch zu Ergebnissen, die viele Menschen gemeinsam vertreten. Was die Liebe vermag, hat der Apostel im Kapitel 13 dieses Briefes gesagt. Er hat uns gute Worte mitgegeben, damit wir das kostbare Gut des Glaubens und ewigen Lebens durch alle Wirrnisse des Lebens hindurch bewahren und weitergeben können.

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