Leben feiern

Heute am Karfreitag gedenken wir des Todes Jesu Christi. Dieser Tod lastet schwer auf uns, wie all die anderen Tode, die um uns herum gestorben werden. Ich denke da an die Mutter einer Klassenkameradin meiner jüngsten Tochter. Das Mädchen war noch im Kindergarten als seine Mutter Krebs bekam. Kurz vor der Einschulung ist sie gestorben. Wie darf so etwas sein? Ich denke an den verzweifelten Mann am Grab seiner Frau mit der zusammen er über 90 Jahre alt geworden ist. Voller Wut fragte er, wie konntest du nur vor mir gehen. Wieso werde ich gezwungen auch nur einen Tag ohne sie weiterleben zu müssen. Ich denke an die geschockten Eltern, die erfahren mussten, dass ihr Sohn bei dem Seilbahnunglück in Österreich ums Leben gekommen ist. Er hatte sein Leben doch noch vor sich. Wie können wir in dieser Welt leben, wo der Tod doch immer nur ein Schritt breit von uns entfernt ist, wo wir uns niemals auch nur eine Minute vor ihm sicher fühlen können. Das Entsetzen ist da, wenn wir dem Tod begegnen auch dem Tod Jesu Christi. Ich lese die Schilderung von Jesu Tod nach dem Matthäusevangelium 27,33-56:

[TEXT]

Langsam und grausam ist der Tod am Kreuz. Letztendlich stirbt man dann an Kreislaufversagen oder Ersticken. Und dann um Jesus herum kein Mitgefühl sondern nur Gleichgültigkeit und Schadenfreude. Andern hat er geholfen doch sich selbst kann er nicht helfen. Und der Spott: Wo ist denn jetzt Gott, wenn er Gottes Sohn wäre würde ihm Gott ja wohl helfen. Und dann Jesu letztes Gebet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Jesus betet mit seiner letzten Kraft den 22. Psalm. Er stirbt in der Verzweiflung über die Ferne Gottes aber auch mit der Hoffnung, dass Gott ihn doch noch retten wird. Und er schreit auf und stirbt. Tot. Alles ist aus. Alles ist vorbei. Dunkelheit liegt über der Stadt. Und dann geschieht das Ungewöhnliche: Die Erde bebt, die Felsen zerspringen, der Vorhang im Tempel zerreißt, und die gestorbenen Heiligen kommen aus ihren Gräbern und erscheinen in der Stadt. Die Welt ist erschüttert. Dieser Tod ist der nicht der Lauf der Welt. Dieser Tod hat die Welt erschüttert. Er hat etwas grundlegendes geändert. Die Grenzen der getrennten Welten werden gesprengt. Gott hat die Grenzen zwischen dem heiligen Bezirk dem allerheiligsten im Tempel und der Welt zerrissen. Gott hat das Totenreich geöffnet. Er ist selbst ins Reich der Toten gegangen, um diese aus der Herrschaft des Todes zu befreien. Und die die dem Leben am nächsten sind, die Heiligen laufen schon umher. Dieser Tod hat alle Tode geändert. Keiner ist mehr endgültig. Das Reich des Todes ist durch den lebendigen Gott betreten worden. Der Tod hat seine Macht verloren. Jesus wird durch den Tod hindurch zu neuem Leben gehen und wir werden ihm folgen.

Diese Hoffnung eröffnet uns die Schilderung der Geschehnisse um Jesu Tod nach Matthäus. Aber können wir das wirklich glauben? Müssen wir nicht mit unserem rationalistischen Weltbild sagen: Nein so etwas ist nicht möglich. Es gibt keine Auferstehung von den Toten. Was tot ist, ist tot, endgültig? Müssen wir nicht die Erfahrungen der Jüngerinnen und Jünger, die Jesus nach seinem Tod begegnet sind, und die seine Auferstehung leibhaft erfahren haben, abschwächen, und mit einem berühmten Theologen unseres Jahrhunderts sagen: Jesus ist ins Wort auferstanden. Das ist Auferstehung, dass seine Botschaft weitergetragen wurde, und die Kirche entstanden ist. In der Kirche lebt Jesus weiter.

Nein, liebe Gemeinde, ich glaube wir müssen das nicht. Es gab hunderte von Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung Jesu. Und es ist auch nicht einzusehen, wieso wir die naturwissenschaftliche Vorstellungswelt des 19. Jahrhunderts bestimmen lassen sollen, was in unserer Welt möglich ist und was nicht. Wir wissen alle, dass er mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Wenn es heute möglich ist, Antimaterieteilchen herzustellen und die Physik allen Ernstes mit Paralleluniversen mit Verbindungen zu unserem Universum rechnet, ist es geradezu lächerlich, Gott die Fähigkeit abzusprechen, seinen Sohn von den Toten aufzuerwecken. Sehen Sie sich doch einmal um in der Welt. Es gibt soviel wunderbares. Wieso soll die Auferstehung von den Toten wunderbarer sein, als die Zusammenarbeit der Ameisen in einem Ameisenhügel. Wenn wir zusehen wie ein kleines Kind wächst und lernt die Welt zu begreifen. Das ist so staunenswert. All dieses Wunderbare und Erstaunliche hat Gott gemacht. Wieso sollte Gott gezwungen sein, seinen Sohn im Tod zu lassen? Nein ich muss den Glauben an die Auferstehung von den Toten nicht ablehnen, weil so etwas unmöglich sein soll.

Im Gegenteil! Wenn ich an die vielen Menschen denke, mit denen ich diese Jahre den Weg zum Grab gegangen bin, finde ich es immer unerträglicher, nicht an die Auferstehung von den Toten zu glauben. Ich merke wie sehr ich auf diese Hoffnung angewiesen bin, dass der Tod nicht die letzte und größte Macht in unserem Leben ist. Wie sehr ich hoffe, dass Jesus Christus dem Tod die Macht genommen hat, dass es eine Zukunft für alle diejenigen gibt, deren Leben hier brutal abgebrochen wurde:

– für die kleinen Kinder die kaum Zeit hatten mehr als drei Atemzüge zu tun,
– für die die der Krieg um ihre Jugend und ihre Gesundheit gebracht hat.

In unserem Leben hier gibt es soviel Unglück und soviel Ungerechtigkeit und soviel Leid, dass ich einfach hoffen muss, dass all das nur ein Teil der Wirklichkeit ist, und dass in einem anderen Teil der Wirklichkeit all das Leid einen Sinn bekommt, dass es aufgehoben wird bei dem Gott, der letztendlich die Liebe ist auch wenn er uns hier manchmal wie ein schreckliches und ungerechtes Schicksal erscheint.

Mit den Jüngerinnen und Jüngern Jesu glaube ich an die Auferstehung von den Toten, hoffe ich dass Gott uns allen ewiges Leben schenkt. Ich hoffe es um so mehr wenn ich auf Jesu schrecklichen Tod blicke. Es kann doch nicht sein, dass Gott es zu lässt, dass derjenige, der seinen Willen getan hat, der Gerechte in jungen Jahren sterben muss, und das überhaupt keinen Sinn und keine Folgen hat.

Ja, ich vertraue darauf, dass die Folge dieses Todes Leben für uns ist. Leben vor und nach dem Tod. Lassen Sie uns dieses Leben feiern, das wir in der Verbindung zu Jesus Christus erhalten. Lassen Sie uns Abendmahl feiern, damit wir schmecken und sehen wie freundlich Gott ist. Lassen Sie uns Abendmahl feiern in der Hoffnung, dass der Auferstandene in diesem Mahl unter uns gegenwärtig ist und sein Tod uns die Nähe Gottes ermöglicht.

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