Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen!

Liebe Gemeinde!

Achtet also genau darauf, wie ihr lebt. Macht euch also über euer Leben Gedanken. Wie geht ihr mit eurer Zeit um? Teilt euch eure Zeit sinnvoll ein. Doch das sollen wir nicht aus dem hohlen Bauch heraus tun. Paulus gibt hier recht klare Verhaltensweisen: Wir sollen verstehen, was Gott will. Das gilt nicht nur Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter; sondern für alle Christen, jeden der heute den Gottesdienst besucht. Wie können wir Gottes Willen erfahren?

Paulus gibt hier die Antwort: "Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen." Was das bedeutet, will ich mit diesem Küchenschwamm verdeutlichen: Ich nehme den Schwamm und drücke ihn zusammen, während er in meiner Hand ist. So tauche ich ihn in das Wasser und halte ihn darin. Er ist jetzt im Wasser und das Wasser ist in ihm, wenn auch nur ein wenig. Aber jetzt, wenn ich ihn ins Wasser halte, öffne ich die Hand; und nun wird das Wasser alle Poren füllen, die jetzt freigegeben werden. Der Schwamm ist jetzt mit Wasser gefüllt. Je mehr ich mich dem Heiligen Geist öffne, um so mehr Raum nimmt er ein. So wie das Wasser in einen zusammengedrückten Schwamm kommt, wenn ich die Hand öffne; so kommt der Heilige Geist in mein Leben, wenn ich ihn darum bitte.

Der Geist schon ist da. Er will jede Pore unseres Lebens erfüllen. Doch wir können uns ihm verschließen. Darum "Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen." heute, nicht morgen; es geht darum, dass wir nicht morgen, nicht dann, wenn wir hoffen uns gebessert zu haben; sondern dass wir uns jetzt trotz unseres Versagens im Leben und im Glauben und wegen unserer täglichen Kämpfen, unserer Bedürftigkeit uns füllen lassen. Wir brauchen keine Vorbedingung ableisten, um uns vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen. Wir müssen ihn nur darum zu bitten. Denn der Geist ist nicht jemand, der ohne unseren Willen über uns kommt. Gott respektiert uns: wir müssen es wollen, darum "Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen." Du darfst wissen, wer der Heilige Geist ist. Der Heilige Geist ist eine Person. So wie Gott eine Person ist und wie Jesus Christus eine Person ist, so ist auch der Heilige Geist eine Person. Und er hat Anstand. Er kommt nicht ungebeten und unangemeldet zu uns. Wir müssen ihn einladen in unser Leben. Das haben wir schon gemacht als wir Christen wurden.

Als ich Christ wurde, dann bekam ich den Heiligen Geist. Jeder Christ hat den Heiligen Geist. Doch nun gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir sahen vorhin beim Schwamm, dass wir dem Heiligen Geist in unterschiedlichem Maße in unserem Leben Raum geben können. Und da wo ich ihm Raum gebe, da erfüllt er mich. Wenn wir mit dem heiligen Geist erfüllt werden, heißt das eigentlich: mit einem erfüllt zu werden, der schon da ist. Wir geben ihm mehr Raum in unserem Leben. Stellen wir uns das ruhig einmal ganz bildlich vor. Denken wir uns unser Leben einmal als großes Haus. Da gibt es Räume, in denen spielt sich das Leben ab. Und es gibt den Keller und den Speicher. In die hintersten Winkel von Keller und Speicher da geht selten jemand. Ich kann den Heiligen Geist einladen in alle Zimmer, da wo sich das Leben abspielt. Ich nehme Gott ernst und lasse mich vom Geist erfüllen. Er bestimmt mein Denken und mein Handeln.

Es genügt nicht, dass er nur als Gast in der guten Stube ist. Er will alle Räume, wie Küche, Bad und Schlafzimmer ausfüllen. Gott will nicht nur Gast, sondern ständiger Bewohner unseres Lebenshauses sein. Doch ich kann den Heiligen Geist auch im hintersten Kellerwinkel oder im äußerten Dachstübchen lassen. Er ist da in meinem Leben. Aber er bestimmt es nur selten. So selten wie man eben in die äußerste Ecke des Speichers oder in den hintersten Winkel des Keller kommt. Gott drängt sich uns nicht auf. Er wartet in der Person des Heiligen Geistes, bis wir uns von ihm erfüllen lassen. Nicht umsonst bitten wir in unseren Pfingstliedern darum: Komm, o komm, du Geist der Wahrheit. "Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen." – Christsein bewirkt einen klaren Kopf.

Sich vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen hat nichts schwärmerisches an sich. Im Gegenteil: es führt dazu, dass wir einen klaren Kopf bekommen. Wir erkennen was Gottes Wille für unser Leben ist. Er macht uns Gottes Wort verständlich. Der Heilige Geist überführt uns auch der Sünde. Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, dann hat uns der Heilige Geist noch nicht erfüllt. Denn das macht der Heilige Geist: er überführt uns. Nicht, das wir mal ein Stückchen zuviel Torte gegessen haben. Das ist nicht Sünde, sondern führt höchstens zu Übergewicht. Nein, Sünde ist viel umfassender und grundsätzlicher: Sünde heißt das ich von Gott weit weg bin, dass ich von Gott getrennt bin. Ich führe mein Leben ohne ihn. Das macht mir der Heilige Geist klar. Er legt die Finger auf die wunden Punkte in meinem Leben, zeigt mir, wo es noch nicht dem Willen Gottes entspricht. Er weist mich darauf hin, dass ich mein Leben selber bestimmen will. Wenn der Heilige Geist mich erfüllt, dann kann ich dieser Wahrheit ins Auge blicken.

Aber das ist nicht so hart, wie es jetzt scheint. Der Heilige Geist ist auch der Tröster. Nachdem er mich überführt hat, richtet er mich wieder auf. Er zeigt mir Wege aus meiner Schuld. Er tröstet mich aber auch in schwierigen Zeiten meines Lebens. Er tröstet mich, wenn ich es schwer habe, oder über den Verlust eines Menschen traure. Dann will er mir wieder neuen Mut und neue Hoffnung schenken. "Lasst euch … von Gottes Heiligem Geist erfüllen." – Christsein bewirkt ein volles Herz. Sich vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen, betrifft nicht nur unseren Kopf. Gott will uns ganz erneuern. Das hat auch Auswirkungen auf unser Herz. Eine der ersten Folgen des Erfülltseins mit dem Heiligen Geist ist ein dankbares Herz: und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Und dieses dankbare Herz wirkt sich ebenso in der Küche, wie am Schreibtisch, wie am Arbeitsplatz oder im Gottesdienst aus. Hier zeigt sich, ob das Haus meines Lebens in jedem Raum vom Heiligen Geist erfüllt ist. Wenn ich bei allem was ich tue, wenn ich überall wo ich bin, Gott dankbar sein kann, dann erfüllt mich der Heilige Geist ganz. Wir dürfen unser Haus des Lebens ganz dem Heiligen Geist öffnen. Es hat Auswirkungen auf alle Bereiche. Und es hat auch Auswirkungen auf den Gottesdienst und seinen Ablauf: "Singt miteinander Psalmen, und lobt den Herrn mit Liedern, wie sie euch sein Geist schenkt. Singt und jubelt aus vollem Herzen!" Der Gottesdienst soll uns Mut machen. Wir sollen die Lieder und Psalmen froh singen. Denn auch Kirchenlieder kann man froh singen.

Doch die wichtigste Gabe des Heiligen Geistes an uns besteht darin, dass er uns Jesus Christus zeigt. Wenn wir vom Heiligen Geist erfüllt sind, weist uns dieser auf Jesus Christus. Er zeigt uns wie wir an ihn glauben können. Das ist das wichtigste, was der Heilige Geist an uns bewirkt. Ohne ihn können wir überhaupt nicht glauben. So müssen beide, Christen und solche, die an Jesus Christus glauben wollen, den Heiligen Geist bitten, in ihr Haus des Lebens zu kommen. Wenn du einer sagst, ich spüre nichts vom Heiligen Geist, heißt das noch lange nicht, dass er nicht da ist. Christsein hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun. Ich fühle, ich meine, das kann in machen Augenblicken recht schön sein. Aber das trägt uns nicht durch unser ganzes Leben im Glauben. Mit dem Glauben ist es wie mit einem Zug. Und stellen wir uns diesen ruhig einmal als altmodischen Dampfzug vor: mit einer Dampflokomotive; mit einem Kohlentender und mit Wagen. Dieser Zug soll jetzt unsere Christsein darstellen.

Die Lokomotive, die den Zug zieht, trägt den Namen Tatsache. Es ist die Tatsache, das Jesus Christus in die Welt gekommen, für mich gestorben und auferstanden ist. Es ist die Tatsache, dass Gott mich mit seinem Heiligen Geist erfüllen will. Diese Tatsachen werden durch den Kohletender namens Glauben geschürt. Mein Glaube verlässt sich auf diese Tatsachen, das Jesus Christus für mich gestorben, und dass der Heilige Geist zu mir kommen will. Erst ein Wagen trägt den Namen Gefühl. Hier zeigt, sich das nicht mein Fühlen und Meinen den Zug des Christseins zieht. Oder haben Sie schon einmal einen Zug gesehen, der vom Wagen gezogen wird? Nein, was den Zug meines Christseins zieht, ist die Tatsache, dass Gott gehandelt hat. Lange bevor ich überhaupt auf der Welt war. Lange bevor ich überhaupt Christ war. Und wenn diese Tatsache durch meinem Glauben geschürt, d, h. für mich in Anspruch genommen wird, dann habe ich einen sicheren Stand. Lasst euch jetzt vom Heiligen Geist erfüllen. Denn der heilige Geist schenkt uns eine klaren Kopf und ein volles Herz. Dann können wir Gott im Glauben freudig loben und preisen.

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