Lass dich nicht vom Bösen besiegen

Liebe Gemeinde,

ein bekanntes Sprichwort besagt: "Kleine Bosheiten erhalten die Feindschaft." Hier dagegen wird gesagt: "Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht." Welche der beiden Aussagen stimmt. Ich will das an einem kleinen Denkmodell deutlich machen. Ihr kennt vielleicht die Redewendung: "Dem trage ich das Böse, das er mir angetan hat aber nach." In dieser Redewendung wird deutlich, wer der Leidtragende ist. Nicht der, der das Böse getan hat, sondern derjenige, dem das Böse angetan wurde. Er leidet gleichsam doppelt. durch das Böse, das ihm getan wurde und durch das nachtragen. Denn das Böse können wir mit einem großen Stein vergleichen, den derjenige auf den Schultern trägt, der nachträgt. "Kleine Bosheiten erhalten nicht nur die Feindschaft.", sie sind also ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm für dein Leben. Wenn du dem Anderen alles Böse vergiltst, braucht du dir keine Sorge über diene Zeit zu machen, sie ist gefüllt mit den Überlegungen, wie du dem anderen das heimzahlen kannst und sie gefüllt mit den Arztbesuchen wegen deiner Magengeschwüre und Herzprobleme. "Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht." dagegen ist ein gigantisches Befreiungsprogramm. Es befreit dich davon, dem anderen den Stein der Schuld nachzutragen. Es befreit dich davon, deine Zeit zu nutzen, dass dir Bosheiten für den anderen überlegst. Die freiwerdende Zeit kannst du für positive Ziele nutzen, so wie es hier heißt: "Seid darauf bedacht, allen Menschen Gutes zu tun." Das klingt sehr schön und gut, doch wir haben gleich die Einwendungen im Kopf, die gegen dieses Verhalten sprechen:

1) ich will ja das Gute, aber der andere tut weiterhin Böses. Dieser Einwand fand sogar Aufnahme in die Weltliteratur, in Schillers Wilhelm Tell lesen wir: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt." Das schöne ist, das Paulus selber schon die Lösung gibt für diesen Einwand: "Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen Menschen in Frieden." Soweit es irgend möglich ist – wir sollen nicht das Kaninchen auf die Schlange auf das Böse des anderen starren, sondern auf uns und auf unser Verhalten schauen und das von Gott korrigieren lassen. Der zweite Einwand ist:

2) ich kann das nicht, ich will ja, aber alles in mir sträubst auf das Böse mit Gutem zu reagieren Um auf diesen Einwand zu antworten, will ich ein wenig weiter ausholen. Als meine beiden Mädchen noch klein waren kam eines Tages meine Tochter Hannah zu mir und sagte, dass ihre Schwester Damaris eine nasse Hose habe. Da ich gerade beschäftigt war, hatte ich nicht gleich Zeit. als ich mich dann aufmachte kamen mir die beiden Mädels strahlend entgegen und die Hannah sagte mir, dass sie der Damaris eine trockene Hose angezogen hatte. Als ich sie dann fragte, wie es mit der Windel aussehe, kam sie dann ins nachdenken, ob das Problem so ganz gelöst sein. An dieser kleinen Begebenheit kann ich eine ganze Menge deutlich machen: Die Ursache für die nasse Hose war die nasse Windel. Hannah machte sich flugs daran, nur das Ergebnis oder die Folge zu beiseitigen, nämlich die nasse Hose. Die ist bald wieder nass und das Problem ist erst gelöst, wenn die Ursache beseitigt ist. Also habe ich die Damaris gewickelt und damit war sie trocken. Übertragen wir das auf unser Problem. Ursache des Bösen ist unser böses Herz. Wenn ich in mich hineinhöre, merke ich, wie dort die bösen Gedanken brüten. Die Folgen davon sind Unfrieden, Rache, Zorn. Nun sind viele falsch gewickelt und meinen, wenn sie den Unfrieden, den Zorn und die Rache angehen, würde sich etwas ändern. Aber nur allzu schnell meldet sich das böse Herz wieder und macht all die guten Vorsätze zunichte.

Der unerlöste Mensch kann das gar nicht halten: "Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Seid darauf bedacht, allen Menschen Gutes zu tun." "Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen Menschen in Frieden." Der unerlöste Mensch sagt: das ist unmöglich. Wenn du dagegen rebellierst, wenn du sagst, das ist nicht machbar, was Gott da verlangt, musst du dich fragen: habe ich schon ganze Sache mit Jesus gemacht, habe ich Frieden mit Gott, bin ich erlöst. Denn wenn du diesen Schritt noch getan hast, bist du noch falsch gewickelt. Du hast du nur die Folgen beseitigt. Du hast die nasse Hose des Zorns, des Unfriedens und der Rache gewechselt, aber die nasse Windel des Bösen drückt noch durch und macht dir deine neue Hose wieder nass. Wenn du nicht die Ursache, dein böses Herz, von Gott erlösen lässt, dann kannst du diese Ermahnungen des Paulus hier gar nicht befolgen. Ohne Jesusliebe in unserem Herzen sind alle christlichen Aktionen und Anstrengungen nutzlos und sinnlos. Jesus muss mein, Jesus mein und dein böses Herz umwandeln. Mit dem letzten Satz des Predigttextes fasst Paulus das zusammen: "Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute."

Der Evangelist Dapozzo erzählt: "Jahrelang habe ich um meines Glaubens willen in einem deutschen Konzentrationslager gelitten. Ich wog nur noch 45 Kilogramm, und mein ganzer Körper war mit Wunden bedeckt. Mein rechter Arm war gebrochen und ohne ärztliche Behandlung gelassen. Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Lagerkommandant rufen. Ich stand mit bloßem Oberkörper und barfuss vor ihm. Er saß an einer reichgedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich die Leckerbissen schmecken ließ. Da wurde ich vom Bösen versucht:, Dapozzo, glaubst du immer noch an den 23. Psalm: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang!‘ Im stillen betete ich zu Gott und konnte dann antworten: ;Ja, ich glaube daran!‘ Der Kellner brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse. Der Lagerkommandant aß sie mit Genuss und sagte zu mir: ,Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo!‘ Ich verstand nicht, was er meinte. Er erklärte es mir: ,Seit Jahren schickt Ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich immer mit Behagen gegessen habe.‘ Wieder kämpfte ich gegen die Versuchung an. Meine Frau und meine vier Kinder hatten von ihren ohnehin kargen Rationen Mehl, Fett und Zucker gespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Mann hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. Der Teufel flüsterte mir zu: ,Hasse ihn, Dapozzo, hasse ihn!‘ Wieder betete ich gegen den Hass an um Liebe. Ich bat den Kommandanten, wenigstens an einem der Kuchen riechen zu dürfen, um dabei an meine Frau und meint: Kinder zu denken. Aber der Peiniger gewährte mir meine Bitte nicht. Er verfluchte mich. Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach dem Lagerkommandanten. Er war entkommen und untergetaucht. Nach zehn Jahren fand ich ihn schließlich und besuchte ihn zusammen mit einem Pfarrer. Natürlich erkannte er mich nicht. Dann sagte ich zu ihm: ,Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?‘ Da bekam er plötzlich Angst. ,Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?‘ ,Ja: bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben hätte. Ein Jahr später bekehrte sich dieser Mann und seine Frau zu Christus" So groß ist die Macht des lebendigen Gotte, der aus Bösen Gutes machen kann. Lass dich davon anstecken und mach mit: "Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute."

drucken