Kommt her zu mir …

Singen, liebe Gemeinde, ist schön. Darum singe, wem Gesang gegeben. Am Mittwochabend in unserem Kirchenchor sind noch Stühle frei und Herr Nagode würde sich sicher freuen.
Im Frauenkreis, im Seniorennachmittag, in der Kinderkirche, im Gottesdienst in unserer Gemeinde wird gern gesungen. Singen verbindet und Singen macht Spaß.

Im Gottesdienst hat der Gemeindegesang einen besonderen Stellenwert. Gott loben, ihm danken, ihn bitten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Tönen, so hat Martin Luther sich einen lebendigen Gottesdienst vorgestellt. Doch auch die Volkslieder, die Schlager und Popsongs, die wir vor uns hinsummen, beim Aufräumen oder Staubsaugen, unter der Dusche, im Auto oder beim Spazieren gehen sind nicht weniger Wert, auf andere Weise loben sie Gott für das, was er geschaffen hat. Die Natur, die Liebe, das Glück, das Fernweh, die Freundschaft, die Traurigkeit, den Abschied, alle Gefühle und Erlebnisse, die wir Menschen haben können, lassen sich manchmal mit Liedern leichter ausdrücken als im Gespräch.

Wir singen mit Kindern und spüren, dass sie auf andere Weise zuhören und beteiligt sind, als wenn wir nur mit ihnen reden, oder vorlesen. Musik und Gesang haben auch heilende Wirkung. Ich erlebe es, dass ein älterer Mensch, der im Alltag zum Leid der Angehörigen schon große Mühe hat, heute morgen und gestern noch auf die Reihe zu bringen aus voller Kehle und ohne jeden Fehler "Lobet den Herrn" oder "Weißt du wie viel Sternlein stehen" singen und dabei einen tiefen Frieden ausstrahlen kann.

Singen befreit, egal ob man jeden Ton exakt trifft oder mehr vor sich hin brummelt. Manchmal fällt das Singen schwer, bei Beerdigungen. Warum müssen wir denn singen, werde ich oft gefragt. Weil auch hier singen befreien kann, Gefühle ihren Ausdruck bekommen, wir wenn auch stockend oder manchmal von Tränen unterbrochen auf eine besondere Weise mit Gott sprechen. Singet dem Herrn ein neues Lied denn er tut Wunder, dass kann ein fröhliches, schwungvolles Lied sein, aber auch eins, das zum Ausdruck bringt, auf dich vertraue ich, auch wenn ich mich gerade ganz elend fühle, traue ich dir, Gott, das Wunder zu, dass es einen neuen Anfang geben wird.

Das Evangelium für den heutigen Sonntag, knüpft genau an diese Erfahrung an. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erquicken. Doch es geht noch weiter. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Und im Ganzen heißt es:

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Seitdem es Menschen gibt, die nach Gott fragen und suchen gibt es ganz unterschiedliche Wege ihm nahe zu sein, ihm nahe zu kommen. Wir heute können über ihn lesen, in der Bibel, oder auch in hunderten von Büchern, die sich mit Gott beschäftigen. Wir können Dinge auswendig lernen und wieder und wieder sprechen, wie z.B. das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser und uns damit für einen Moment konzentriert und bewusst in eine Tradition stellen. Wir können im Gebet, im direkten Gespräch, mit eigenen Worten oder mit vorgedachten Texten uns Gott nähern, oder wir können die Stille suchen, um in der Meditation dem Geheimnis von Gottes Gegenwart auf die Spur zu kommen, oder sie zu erleben.

Matthäus gebraucht das Bild von den Weisen und Klugen, gemeint sind vermutlich die Gesetzteslehrer und Pharisäer um deutlich zu machen, dass das überraschende ist, dass wir uns mühen können nach der richtigen Form zu suchen. Dass wir ganz akribisch alle Gesetze einhalten können oder viele, viele Bücher lesen können auf der Suche nach Gott. Und dass wir irgendwann verstehen dürfen, dass Gott es ist, der so hartnäckig ist in seiner Liebe zu uns, und sich uns zuwendet. Wenn ich versuche das nachzuvollziehen, was Matthäus seiner Gemeinde mit auf dem Weg geben will, dann verbindet sich hier etwas mit dem, was das Motto für den heutigen Sonntag ist, mit dem Singen.

Jeder Sänger, jede Sängerin weiss, dass das Geheimnis und der besondere Klang der Stimme, nicht durch Kraft und Druck erzeugt wird, sondern durch eine gute Atmung entsteht, die möglichst ganz entspannt aus dem Zwerchfell fließen soll. Nun kann man dazu ganz unterschiedliche Einsingeübungen machen, oder immer wieder ganz bewusst ein und wieder ausatmen und wenn man es lange genug übt, wird man auch Erfolg haben. Der Körper lernt sich zu entspannen, der Atem kann fließen, der Ton kommt wie von selbst. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind von ihrem Anspruch her Menschen, die sich nicht dem entspannten Atmen, aber der bewussten Suche nach Gott verschrieben haben. Wogegen Jesus sich wendet ist, dass ein starres festhalten an Gebetsübungen, Lesestudien oder Atemübungen genau den gegenteiligen Effekt haben kann. Dass Menschen sich verkrampfen und sich abmühen, wenn sie sich nur noch mit der Technik beschäftigen. Sie verlieren die Freude und die Schönheit des Singens, oder in der Übertragung des Glaubens aus den Augen, wenn sie glauben es machen zu können allein aus eigenem Verstand, eigener Willensstärke und mit der Durchsetzung einer bestimmten Ordnung und Methode.

Jesus, so wie Matthäus ihn beschreibt, würde dafür plädieren, den Atem einfach fließen zu lassen, Gott einfach Raum zu geben, seine Nähe zu suchen und ihn wirken zu lassen. Wenn das nur so einfach wäre.
29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Zu Ruhe zu kommen, zur Ruhe zu finden. Erst einmal tief durchatmen. Wir brauchen Ruhe, natürlich brauchen wir Ruhe, Stress im Alltag, wer kennt den nicht. Ob querelen in der Schule, Hektik im Büro,der Spagat zwischen Familie und Beruf, der Wunsch möglichst viel von dem zu schaffen, was man sich für den Tag vorgenommen hat und wir sehnen uns nach Ruhe. Die Ruhe die hier gemeint ist, ist jedoch nicht das Füße hochlegen am Abend, das Musik hören und abhängen nach der Schule, oder die gemütliche Tasse Kaffee oder Tee mit der wir eine kleine Pause krönen. Gemeint ist eine innere Ruhe, die sich nicht so schnell herstellen lässt.
Eine Erfahrung, die wir spüren, wenn wir unruhig werden, sobald wir nichts zu tun haben, oder die uns Nachts den Schlaf raubt, weil wir dann spüren, dass wir nicht zur Ruhe kommen können, weil Gedanken und unerledigtes in unserem Kopf herumspuken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Wir brauchen Ruhe, natürlich brauchen wir Ruhe, Doch Glauben heißt zu wissen, dass es eine andere Form der Ruhe ist, die wir bitter nötig haben. Unser Joch ist nicht allein ein hektischer oder nerviger Alltag, es ist die Last der Verantwortung für das Leben aller Menschen dieser Welt, die Gott uns auferlegt hat. Unser Joch ist es: um sehr viel Not zu wissen, mitten unter uns und auch in weiteren Kreisen um uns herum. Und zugleich zu wissen, dass sich nur mit mühsamer Kleinarbeit oder manchmal auch nur im dabei sitzen und es so nehmen wie es ist, etwas machen lässt. Das Angebot der Ruhe ist dann keine kraftloser Ruhe, sondern eine aus der österlichen Gewissheit getragen Ruhe, die uns Kraft gibt für jeden kleinen Schritt.

In Jesus so betont das Evangelium, ist es Gott selbst, der sich uns Menschen als Mensch begegnet und in einer ganz wunderbaren und unerklärlichen Weise, so wie schon einmal in der Schöpfung, Ruhe schafft.
Von dieser Ruhe zu spüren, die so ist wie ein gleichmäßiger und entspannter Atem. Heißt sich in aller Unruhe und in aller Verantwortung zu spüren, dass man aufgehoben ist, gebunden und doch frei für seinen Auftrag in der Welt. Diese Ruhe wird Realität, indem wir uns sagen lassen, dass wir Belastet sind, indem wir zulassen können, das die Mühseligen und Beladenen nicht nur die Menschen am Rande sind, die ganz offensichtlich ein schweres Joch von Armut, Krankheit, Not und Kummer zu tragen haben, sondern das es auch um uns geht. Erst wenn wir diesen Seufzer, dieses Ausatmen zulassen und sagen können, ja das macht mir Mühe, das geht mir durch den Kopf, das macht mich ganz verrückt, das es für die Probleme, die überall mit Händen zu greifen sind, keine Lösung gibt, können wir erleben, was es heißt, dass Gott uns trägt. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr bRuhe finden für eure Seelen. 30Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.<p<Eine ganz besondere Wellnessoase im Alltag, ein Brunnen in der Wüste, ein Wegweiser mitten im unübersichtlichen Verkehr. Wenn das kein Grund ist einmal seufzende auszuatmen, um dann einzustimmen in ein Lied der Dankbarkeit und der Freude.

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