Jesus zieht in Jerusalem ein

Liebe Gemeinde!

Mit diesem Sonntag beginnt die Karwoche. Die Kinder sprechen von Osterhasen und erwarten noch andere Geschenke. Nicht mehr so viele Menschen stellen sich vor dem Ostergeschehen auf die vor uns liegende Karwoche ein. Das neue Leben, die Lebenskräfte nach denen wir uns sehnen, sollen erfüllt werden von Frühling, Wärme und Sonnenlicht.
Schon damals als die Geschichten von Jesu Einzug in Jerusalem aufgeschrieben worden sind, die dem heute Palmsonntag zugeordnet wurden, sind diese Sehnsüchte gegen den Strich gebürstet worden. Jerusalem ist voller Menschen zu jener Zeit, sie wollen das Passahfest im Tempel feiern. In Windeseile erfahren auch sie von Jesus, der vor kurzem den toten Lazarus auferweckt hat. das muss der Messias sein. Der längst erwartete König Israels, auf hohem Ross, das wäre was.

Der Jubel der Vielen könnte zu ihm aufsteigen, ihn begeistern, ihn, der erhaben als Sieger einzieht in die heilige Stadt. Die brutale Unterdrückung der Römer abzuwerfen durch die Stärke und Macht dieses neuen Königs.

Wie anders aber verläuft unsere Geschichte die an Aktualität ja überhaupt nichts verloren hat.

Weder Rüstung noch Streitaxt, weder Ross noch Reiter, zeichnen diesen König aus, er kommt in seinem staubigen Kleid, Spuren des Alltags zeichnen sich ab, ein junger Esel ist gefunden, ihn zu tragen. Er ist müde und weiß um die Last, die er tragen muss und womöglich kennt er die Massen , die zuerst jubeln und dann schreien kreuzige ihn. Wie wird er allein sein und sich verloren fühlen?

Die Jüngerinnen und Jünger verstehen garnichts, erst im Nachhinein nach Ostern verstehen sie, was geschehen ist. Wie wir, immer nach Ostern uns von diesen Geschichten berühren lassen.

Spüren wir dieser Geschichte nach: Jesus kommt nach Jerusalem, Jerusalem, die heilige Stadt des Tempels, der Anbetung, der Stadt die heute die drei Weltreligionen beherberget und immer noch keinen Frieden gefunden hat. Jerusalem, die Heilige, die einen Vorgeschmack geben könnte auf die Himmlische und sie beherberget Gewalt, Verzweiflung, Hass und Tod. Jerusalem, diese wunderbare Stadt, würde es dort zu Versöhnung und Frieden kommen, wäre die gesamte Region befriedet. Jesus zieht ein, da ist kein begleitendes Bombengeschwader, noch Elitesoldaten, kein Gewehrfeuer.

Jesus zieht ein ohne Begleitschutz, ohne vorauseilende Armee. Wie viele spüren etwas von seiner Macht? Dass er Lazarus auferweckt hat ist wundersam, kaum zu glauben, dass ein Mensch dem Tod entrissen werden kann. Zeigt sich darin die Macht, die Jesus ausstrahlt, die ihm die Kraft gibt für seinen belastenden Weg? Trägt das Lasttier nun seine schwere Last? Der Esel ist das geachtete Lasttier des alten Israel, gefügig und geduldig ist er. Als Streitross ist er nicht geeignet. Symbol dafür dass der König einzieht als Friedenskönig gewaltfrei und machtvoll. Trägt bei johannes der Esel nun die Last dessen der unsere Lasten trägt? Wer ist nun der Esel? Wird Jesus der Esel für uns der dumme, der der leiden muss, der sich opfert? Wie es Spötter sagen: das muss doch ein Esel sein, der auf Gewalt verzichtet, der andere Lösungen sucht, der sich Gott nennt und am Kreuz endet?

Wer freiwillig Lasten trägt wird bis heute für dumm gehalten, wer ohnmächtig ist, wird noch eins draufkriegen. Der dumme Esel!

Vor einigen Jahren habe ich in Rom auf dem Paladin das schon sehr alte Bild des gekreuzigten Esels gesehen. Eine menschliche Gestalt mit einem Eselskopf in schnellen Strichen gemalt, hängt am Kreuz. Darunter steht in griechischer Schrift Alexamenos betet zu Gott. Eine Kritzelei, womöglich aus einer kaiserlichen Schule des 2. Jahrhunderts. Alexamenos betet zu einem Esel. Das muss doch ein Esel sein, der sich kreuzigen lässt.
Wenn Jesus den Esel als Lasttier benutzt und mit ihm verglichen wird, dann brauchen wir uns über diesen Vergleich nicht zu ärgern. Martin Luther beschreibt, dass das Lasttier für ihn ein Symbol für den Menschen ist, der von Gott geführt und geleitet wird. das ist kein Gegensatz zu Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein, denn die Menschen Gottes sind viel unabhängiger von dem, was die MöchtegernHerren der Welt sagen und tun. Frei sich zu orientieren an dem, was gut ist nach Gottes Maßstäben für uns selbst und unsere Welt. Das bedeutet für mich den Frieden zu suchen, mich immer wieder nach anderen Lösungen zu befragen und die gängige Haudraufmentalität stetig mehr zu überwinden. Dann bin ich manchmal selbst der Esel, wenn ich menschlichen Umgang fordere und Bleiberechte auch für die Flüchtlinge, die unbequem sind und immer wieder versuchen doch hier bleiben zu können, wie die türkische Frau, die mit drei Kindern hier lebt. Das älteste Kind ist mit ihr mit drei Monaten eingereist, zwei weitere Kinder sind hier geboren. Alle Kinder sprechen fließend Deutsch wie die Mutter. Seit 15 Jahren leben sie hier. Das jüngste Kind ist 13 Jahre alt. Nun sollen sie zurück in die Türkei, mitten im Schuljahr in ein Land das fremdgeworden ist, dessen Sprache sie nicht sprechen, wo die alleinerziehende Mutter keine Zukunft hat. das sind viele Esel nötig, die solchem Handeln widersprechen und nicht glauben dass das Boot ausgerechnet durch diese Familie überläuft.

Lass mich dein Esel sein, Christus sagt Dom Helder Camara, ein eher schüchtern wirkender Bischof im Norden Brasiliens als er vor einem überfüllten Raum vor jungen Menschen sprechen sollte, die hohe Erwartungen an ihn hatten. lass mich dein Esel sein, Christus auf dem du zu all diesen Menschen kommst. Nun wird der Mensch selbst zum Esel, zum Lastenträger, der bereitwillig sich führen lässt und Jesus Raum gibt erfahrbar und spürbar werden zu lassen. Dorothee Sölle beschreibt diesen Satz und sie sagt weiter: Lass mich dein Esel sein, Christus. dazu gehört sehr viel Stolz. Christus kommt nicht anders als durch solche Esel wie dich und mich. Das Schimpfwort klingt mit, den auf dem antiken Bild wird ja schon deutlich wie es gemeint gewesen ist. Auch damals erschienen die Herren natürlich auf Rössern. Der Stolz, das Selbstbewusstsein in diesem Gebet steht nicht im Widerspruch zu wirklicher Demut. wenn wir glauben, dass christus einreiten kann, heute, dass Menschen ihn verstehen, dass jesus sich vermitteln lässt in unser leben, dass er wirklich kommt, dann nur durch uns.

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