Jesus wird kommen

Liebe Gemeinde,

wir leben in der Spannung zwischen der Himmelfahrt und dem Wiederkommen von Jesus Christus. Wenn wir das den Menschen am Rande der Kirche sagen, dann lachen sie uns aus oder zucken verlegen mit den Schultern. So verwundert es nicht, dass Christi Himmelfahrt zum Vatertag geworden ist. Aber es wird der Tag und die Stunde kommen, wann wissen wir glücklicherweise nicht, dann werden ihn alle Augen sehen. Bis dahin dürfen wir die dreifache Botschaft von Himmelfahrt weitersagen: Jesus ist gekommen, Jesus ist unsichtbar da und Jesus wird kommen. Jesus ist gekommen, im ersten Teil der Botschaft wird deutlich, was Jesus für uns getan hat: Jesus "ist als erster von den Toten auferstanden und herrscht über alle Könige dieser Erde. Er, der uns liebt und durch seinen Tod am Kreuz von unseren Sünden befreit hat."

Der Weg führt von Karfreitag über Ostern zum fest Christi Himmelfahrt. Der amerikanische Evangelist Moody hat einmal in einzigartiger Weise dargestellt, was dieser Weg bedeutet. Er schildert ein Zwiegespräch zwischen dem Auferstandenen und Petrus. Petrus fragt Jesus vor seiner Himmelfahrt: "Ist es wirklich deine Meinung, Herr, dass wir das Evangelium allen Menschen predigen sollen? Auch diesen Sündern, die dich gequält haben?" "Ja, Petrus", antwortet der Herr, "bietet denen zuerst das Evangelium an. Macht euch auf die Suche nach jenem Mann, der mir ins Gesicht gespuckt hat. Sagt ihm, dass ich ihm vergebe. Sucht den Mann, der mir die Dornenkrone auf die Stirn gedrückt hat. Sagt ihm, dass ich in meinem Reich eine Krone für ihn bereithalte, wenn er das Heil annehmen will. Sucht den Mann, der mir das Rohr aus der Hand nahm und mich damit geschlagen hat. Ich will ihm ein Zepter geben, und er soll mit mir auf meinem Thron sitzen. Sucht den Mann, der mir mit der Hand ins Gesicht geschlagen hat. Sagt ihm, dass mein Blut rein macht von allen Sünden und dass es auch für ihn vergossen wurde. Sucht den Soldaten, der mir den Speer in die Seite stieß. Sagt ihm, dass es einen näheren Weg zu meinem Herzen gibt als diesen!"

Wenn Jesus diesen Menschen ihre Sünden vergeben kann, um wie viel mehr will er unsere kleine oder große Schuld vergeben. Es gibt eigentlich nur einen Fall, bei dem Jesus die Sünden nicht vergibt: wenn jemand, sei es gleichgültig, sei es trotzig sagt, ich brauche diesen Jesus nicht, der mir die Sünden vergibt, ich komme selber klar. Denn dann stoßen wir die Liebe Jesu zurück und er lässt uns, auch wenn es ihm schwer fällt, uns unsere eigenen Wege ziehen.

Hier kommen wir zum zweiten Teil der Botschaft von Himmelfahrt: Jesu ist unsichtbar da und ermöchte uns hier und heute Gutes tun. Jesus "gibt uns Anteil an seiner Herrschaft und hat uns zu Priestern gemacht, die Gott, seinem Vater, dienen. Ihm gehören Ehre und alle Macht für immer und ewig. Das steht unumstößlich fest!"

An einem tiefverschneiten Wintertag konnte man im Stadtwald nahe einer Großstadt etwas Seltsames sehen: ein Gespräch im Schnee! Da hatte jemand mit deutlichen Buchstaben in den Schnee geschrieben: "Jesus hat dich lieb!" Ein anderer hatte daneben geschrieben: "Ist das wahr?" Dann war ein Dritter gekommen, der schrieb neben diese Frage nur einfach: ja!" Ein merkwürdiges Schnee-Gespräch! Man möchte die Teilnehmer kennen lernen. Der erste ist wahrscheinlich ein Mensch, dem es geht wie den Jüngern von Jesus. Sein Herz brennt für Jesus. Das ist schön in einer Zeit, in der die Herzen so kalt sind. Der zweite, der die Frage stellte, was mag er für ein Mensch sein? Vielleicht ist er ein moderner Zweifler, der alles und jedes in Frage stellt, der nichts mehr ernst nehmen kann. Einen solchen Menschen ärgert die frohe Gewissheit der Christen. Vielleicht ist er aber auch ein einsamer Mensch, der aufhorcht bei der Nachricht: "Da ist einer, der dich lieb hat!" Der dritte ist ein sachlicher Mensch. Er schreibt einfach nur ein "Ja!". Hinter diesem kurzen Wort steht die Gewissheit: "Die Liebe Jesu ist nicht ein leeres Gefühl oder eine unsichere Sache. Der Sohn Gottes hat seine Liebe bewiesen, als er unsere tiefste Not anpackte, nämlich unsere Sünde! Dafür ließ er sich an das Kreuz schlagen. Und von dem Blut, das da auf Golgatha vergossen wurde, sagt die Bibel. Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde." Und jetzt ist er da und möchte, dass wir unser Leben mit ihm leben. Christsein ist nicht etwas, dass ich in die Zukunft verschieben kann, sondern beginnt hier und heute: Heute gibt dir Jesus Anteil an seiner Herrschaft, die er unsichtbar im Himmel ausübt. Durch das Gebet hat er dich zu seinem Berater bestellt, hier kannst du ihm sagen, was du auf dem herzen hast und was dir wichtig ist. Beter sind Menschen, die ihre Aufgabe wahrnehmen, zusammen mit Jesus in dieser Welt Gutes zu wirken. Heute macht dich Jesus zur Priesterin, zum Priester. Priester haben die Aufgabe anderen von ihrem Herrn Jesus Christus zu erzählen und sie zu ihm zu führen. Wir haben keinen Priestermangel, jeder von euch, die hier sitzt, kann zum Priester, zur Priesterin werden und andern den Zugang zu Gott durch Jesus Christus zeigen.

Heute darfst du Gott dienen. Nicht nur der Sonn- und Feiertag gehört Gott, sondern Gott möchte auch die Mitte deines Alltags sein. Das wird dir leichter fallen, wenn du deinen Tag in der Gegenwart Gottes beginnst: mit Bibellesen und Gebet. An dieser Stelle können wir von den orthodoxen Kirchen des Ostens lernen. Bei ihnen steht der Christus Pantokrator, der herrschende Christus, in Gottesdienst und Bild im Mittelpunkt. Sie ist damit wesenhaft anbetende und lobende Kirche. Das ist bei uns oft aus dem Blickfeld geraten. Darum sind wir so oft jammernde Christen, doch wenn wir auf Christus, der aufgefahren ist in den Himmel und zur Rechten Gottes sitzt und regiert, dann kommen wir wieder dazu, Gott zu loben.

Jesus wird kommen. Und so kommen wir zu der dritten Bedeutung von Himmelfahrt oder dem Blick darauf, was Jesus noch für uns tun wird. "Seht! Jesus Christus wird – für alle sichtbar – wiederkommen. Alle Menschen werden ihn sehen, auch die, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. Dann werden alle Völker dieser Erde jammern und klagen. Das ist ganz sicher!"

Das Kommen Jesu ist das Thema der Offenbarung. Über das Kommen Jesu wird vor allen in den Sekten sehr viel Angst verbreitet, deswegen ist dieser Vers hier ein tröstlicher Vers. Wir lernen drei Dinge über das kommen Jesus:
· Jesus kommt für alle sichtbar, nicht nur die Gläubigen werden ihn sehen. Wir werden ihn auch nicht verpassen, es muss dir auch keiner sagen, wenn Jesus da ist, dann wirst du es wissen. So brauchen wir weder rechnen, noch angstvoll in die Zukunft starren. Wer heute mit Jesus lebt, der darf sich auf sein Kommen freuen.
· Jesus wird als der Gekreuzigte erkannt werden. Wenn Jesus kommt, dann heißt es nicht Schwamm drüber, sondern es wird all das, was hier auf dieser Erde Böses getan wurde, allem voran die Kreuzigung Jesu, zur Sprache kommen. Bis dahin gibt es zwei Möglichkeiten: entweder du glaubst an Jesus oder du wirst am Ende zu denen gehören, die über ihr Leben jammern und klagen.
· Denn wer nicht zu Jesus gehört wird bei seinem Kommen jammern und klagen. Denn dann erkennt er, das Gott die Fäden in der Hand hält und alle Fäden, welche die Menschen ohne Gott in der Hand halten, ins Leere führen.

"In meiner Macht steht alles, von A bis Z. Ich bin der Anfang, und ich bin das Ziel", spricht Gott, der Herr. Er ist immer da, von allem Anfang an, und er wird kommen: der Herr über alles! Jesus ist das A, das ist der Anfang. Er war es, durch den Gott die Welt geschaffen hat. Jesu ist auch das Z, das ist das Ziel, – im Lied "Nun singet und seid froh" (EG) heißt es A und O weil das griechische Alphabet als letzten Buchstabe das Omega, ein langes O, hat. Die Bedeutung von Himmelfahrt liegt in unserem dreifachen Bekenntnis: Jesus ist gekommen, Jesus ist heute mitten unter uns da und Jesus wird kommen in Macht und Herrlichkeit.

Himmelfahrt bedeutet: Jesus hat sein Königtum im Himmel angetreten. Danken wir ihm dafür mit dem nächsten Lied (EG 121 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du gen Himmel g’fahren bist).

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