Jesus weiß, was du brachst

Die Mittagshitze lastet über Samaria, dem Landstrich im Norden Israels. Es gibt kaum Schatten. Und es geht kein Wind. Nur wenige Leute sind unterwegs. Wenn es jemand vermeiden kann, bleibt er zu Hause, bis der Abend die Hitze ein wenig mildert. Jesus und seine Jünger sind auf der Reise. Sie haben kein Haus, in dem sie bleiben können. Erschöpft lassen sie sich an einem Brunnen nieder. "Gottverlassene Gegend hier", meint Petrus zu seinem Nachbarn. "Wundert mich nicht", erwidert dieser, "die Samaritaner sind ja weder richtige Juden, noch richtige Heiden. Die lassen nur die fünf Bücher Mose gelten. Und dann behaupten sie sogar, dass man Gott hier auf ihrem Berg anbeten müsse. So wahr Gott lebt, hat er doch gesagt, er wolle in Jerusalem angebetet werden." "Hört auf über andere schlecht zu reden, lasst uns lieber in das Dorf da vorne gehen." wirft ein dritter Jünger ein "wir brauchen noch Lebensmittel." Die Jünger brechen auf. Jesus bleibt allein am Brunnen zurück.

Doch lange bleibt er nicht allein. Kaum sind die Jünger zwischen den Häusern des Dorfes verschwunden, kommt trotz der Hitze, eine Frau aus dem Dorf, um Wasser zu schöpfen. Jesus hat Durst, darum bittet er: "Gib mir bitte etwas zu trinken." Die Frau fragt überrascht und verwundert: "Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser, wo ich doch eine samaritanische Frau bin? Ihr Juden wollt doch mit uns Samaritanern nichts zu tun haben." Jesus schaut sie an und sagt: "Du weißt ja nicht, was Gott dir geben will? Auch nicht wer dich hier um Wasser bittet? Sonst würdest du mich um das Wasser bitten, dass du zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben." Die Frau schaut ihn mit großen Augen und offenem Mund an und meint dann: "Aber Herr, du hast doch gar nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das Wasser für mich hernehmen?" Jesus erwidert: "Jeder, der das Wasser aus diesem Brunnen trinkt, wird bald wieder durstig sein. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird ihm zu einer Quelle, die nie aufhört zu fließen. Durch dieses Wasser wird der Durst nach Leben und die alle Sehnsucht gestillt." Die Frau bittet: "Dann gib mir das Wasser, damit ich nie mehr durstig bin und nicht wieder herkommen und das Wasser holen muss!" "Gut", entgegnet Jesus, "gehe und rufe deinen Mann. Dann kommt beide wieder hierher zu mir!" "Ich bin nicht verheiratet", wendet die Frau ein. "Das stimmt", erwidert Jesus, "verheiratet bist du nicht. Du hast fünf Männer gehabt, und der, mit dem jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann. Du hast es richtig gesagt und nicht gelogen."

[TEXT]

Eine samaritanische Frau begegnet Jesus. Und Jesus weiß, was sie braucht. Sie hat Sehnsucht nach der Quelle, die nie aufhört zu fließen. Sie möchte Gott finden. Wissen wo sie ihn anbeten kann. Und darin kann ich mich gut wiederfinden. Auch ich habe Sehnsucht. Danach, dass mein Leben gelingt, dass mein Leben nicht ins Leere geht, dass ich nicht umsonst lebe. Auch ich möchte Jesus begegnen und auf ihn hören. So wie diese Frau ihm begegnet und auf ihn hört. Hören wir darum noch einmal auf einen Teil des Predigttextes:

"Doch es kommt die Zeit, ja sie ist schon da, in der die Menschen Gott überall anbeten können; wichtig ist allein, dass sie von Gottes Geist und seiner Wahrheit erfüllt sind. Von diesen Menschen will Gott angebetet werden. Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muss seinen Geist haben und in seiner Wahrheit leben."

Drei Dinge will ich hier erläutern: Was heißt es in Gottes Wahrheit zu leben? Was heißt es Gottes Geist zu haben? Wie können wir Gott richtig anzubeten?

Was heißt es in Gottes Wahrheit zu leben?
Im täglichen Umgang kennen wir die Rede: er hat die Wahrheit gesagt, oder auch das Gegenteil davon: er lügt aber. Und nicht immer ist es einfach die Wahrheit festzustellen. Bei Dingen die offensichtlich sind, da geht es gut. Aber bei manchen Dingen können wir nicht so leicht überprüfen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn jemand sagt, heute morgen ist Gottesdienst, ist es für uns ein Leichtes zu überprüfen, ob dies stimmt. Sagt einer dagegen, in New York regnet es gerade, ist das schon schwieriger nachzuprüfen. Schon im normalen Umgang miteinander wird es oft schwierig, die Wahrheit zu finden. Wie sieht es dann mit Gottes Wahrheit aus. Das muss ja dann viel schwieriger sein? Doch genau das glaube ich nicht. Es ist gerade umgekehrt. Es ist schwieriger untereinander die Wahrheit zu finden, als Gottes Wahrheit zu finden. Denn nicht ich finde Gottes Wahrheit, sondern ich werde von Gottes Wahrheit gefunden. Jesus selbst ist Gottes Wahrheit. Er will mir begegnen und mich finden. Hier sehen wir auch den grundsätzlichen Unterschied. Wir h a b e n im besten Fall jeweils ein Stückchen der Wahrheit gefunden, dagegen Jesus i s t die Wahrheit. Und wenn er mir begegnet, werde ich von ihr gefunden. Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. niemand kommt zum Vater denn durch mich. Es gibt keinen Weg zu Gott, der an Jesus vorbeiführt. Es gibt auch keine Wahrheit neben oder über Jesus hinaus. Mit ihm hat uns Gott alles von seiner Wahrheit gesagt, was zu sagen ist. In ihm erkennen wir, wie Gott wirklich ist. Jesus muss uns begegnen, wie er der Frau am Brunnen begegnet ist. Und Jesus will uns begegnen. Doch diese Begegnung ist gefährlich. Denn Jesus sagt der Frau deutlich, was in ihren Leben nicht in Ordnung ist. Und es zeigt sich, wie sehr sie Sehnsucht hat, nach Gott und nach der Quelle, die nie aufhört zu fließen. Jesus lässt sie hierin nicht stehen. Er zeigt ihr, wie ihre Sehnsucht gestillt werden kann. Jesus zeigt ihr, dass er derjenige ist, auf den sie wartet. Sie wartet auf den Messias, den Gesandten Gottes, der ihr alles erklären wird. Und nun begegnet ihr der Messias. Es ist einfach, aber es ist gefährlich Jesus zu begegnen. Er legt seine Finger auf die wunden Punkte in unserem Leben. Jesus kennt die Sehnsucht nach wirklichem Leben in uns und sagt uns wo wir sie stillen können. Und er führt uns zur Ruhe bei Gott. Darum lasst uns selber prüfen, heute und jetzt: Jesus begegnet uns, hören wir sein Reden? Lassen wir uns von ihm sagen, worauf es in unserem Leben ankommt? Die Frau kann direkt mit Jesus sprechen. Doch heute ist Jesus nicht mehr leibhaftig unter uns anwesend. Wo also können wir ihn heute reden hören? Er redet hier im Gottesdienst, in der Predigt und im Abendmahl. Er spricht zu uns in Gottes Wort, der Bibel. Er ist dabei, wenn wir mit anderen Christen über den Glauben reden. Jesus will uns begegnen – und er begegnet uns, im Gottesdienst, durch andere Christen und wenn wir in der Bibel lesen. Und wenn uns Jesus begegnet, erkennen wir, wie Gott wirklich ist. Dann erkennen und verstehen wir Gott richtig. Doch um die Bibel zu verstehen und Jesus zu erkennen, benötigen wir den Geist der Wahrheit. Und wenn wir vom Geist der Wahrheit sprechen, stellt sich nun die Frage:

Was heißt es Gottes Geist zu haben? Bevor wir diese Frage beantworten, müssen wir zuerst eine andere klären: Wer ist der Heilige Geist? Gott können wir uns vorstellen als den Schöpfer und den Vater. Er hat Himmel und Erde, er hat uns Menschen geschaffen. Von Jesus kennen wir viele Geschichten, die wir auch den Kindern erzählen. Aber wie sollen wir Kindern erklären, wer der Heilige Geist ist? Wissen wir das eigentlich selbst? Der Heilige Geist ist eine göttliche Person wie der Vater und der Sohn. Er ist keine Kraft, über die wir verfügen können, sondern er ist eine Person, die auch einen eigenen Willen hat. Dieser Wille ist, das Werk Jesu Christi fortzusetzen. Als Christen folgen wir Jesus Christus nach. Wir sind beauftragt, sein Werk fortzusetzen. Darum können wir als Christen nicht ohne den Heiligen Geist sein. Bei schwierigen Bergtouren benötigt man einen Bergführer. Er kennt die Wege und führt sicher, auch wenn der Weg schwierig ist. Ohne diesen Führer verlaufen wir uns oder können sogar abstürzen. Der Heilige Geist führt uns nicht durch die Bergwelt. Sondern er ist unser Führer, wenn wir als Christen leben. Wir sind auf ihn angewiesen und er begleitet uns. Der Heilige Geist ist unser liebevoller Begleiter, er tröstet uns und richtet uns auf. Gott schenkt uns durch ihn die Gewissheit, dass wir durch Jesus Christus seine Kinder sind. Der Heilige Geist sehnt sich nach Gemeinschaft mit uns. Er hat ein Interesse daran mit uns Kontakt aufzunehmen. Er möchte uns ganz erfüllen und nicht nur in einer Ecke unseres Lebens Platz nehmen. Die Frage ist nicht: Wie kann ich von der Kraft des Heiligen Geistes noch mehr für meine christlichen Aktivitäten erfüllt werden? Die Frage ist: Wie kann der Heilige Geist über mich und mein Leben mehr verfügen, wie kann ich ihm besser dienen, wie kann ich ihm mehr zur Verfügung stehen? Der Heilige Geist ist der Geist Jesu Christi. Er setzt Jesu Werk fort und zeigt uns, wie wir heute als Christen leben können. Dazu möchte ich ihnen ein paar Sätze eines Schweizer Christen vorlesen, die mich sehr beeindruckt haben: Nur durch die Kraft des Heiligen Geistes bin ich überhaupt in der Lage als Christ zu leben. Das wirkt sich natürlich auf alle Lebensbereiche aus, z.B. auf die Ehe. Die Ehe ist – glaube ich – die wichtigste Lebensgemeinschaft, wo sich geistliches Leben bewähren muss. Ich habe da viel Kraft und viel Wirken des Heiligen Geistes erlebt, ja, ich wüsste nicht, wie ich ohne den Heiligen Geist Ehemann sein könnte. Woher nehme ich denn die Fähigkeit, einem anderen Menschen das zu geben, was er braucht, ohne dauernd für mich zu suchen, was ich brauche? Ich bin doch immer ein Egoist und möchte von meiner Frau etwas haben. Aber in der Kraft des Heiligen Geistes ist es möglich, auf den anderen zuzugehen, ihm Liebe entgegenzubringen, die nicht aus einem selber kommt, oder von den Eigenschaften des anderen abhängt, sondern Liebe, die vom Herrn geschenkt wird. Diese Sätze wecken in mir den Wunsch von diesem Geist erfüllt zu sein: Oh heiliger Geist kehr bei uns ein, so hast du uns oft beten hören. Wir wollten deine Wohnung sein, dich bitten bei uns einzukehren. Oh heiliger Geist kehr bei uns aus, so vieles muss aus uns verschwinden. Feg alles, was nichts taugt, hinaus, auch wenn wir selbst es richtig finden. Dieser Refrain eines Liedes ist ein Gebet. Mit diesem Gebet sind wir bei unserer dritten Frage:

Wie können wir Gott richtig anzubeten? Zuerst einmal was ist das überhaupt anbeten? Anbeten ist eine besondere Form des Betens. Ich bin möchte Gott mein Lob und meinen Dank aussprechen. Für all das, was er mir schenkt. Und gibt es viele Gründe Gott anzubeten: Ich kann ihn loben und danken, dass er uns heute seinen Geist schenkt. Ich kann ihn loben und danken, dass Jesus mir begegnen will. Ich kann ihn loben und danken, dass er mich geschaffen hat. Beten ist Reden mit Gott und H ö r e n auf Gott. Das mit dem Reden ist klar, aber was hat das mit dem Hören auf sich? Stellen sie sich vor, sie gehen zum Arzt und erzählen ihm alle ihre Beschwerden, eine lange Liste. Wenn sie fertig sind, sagen sie auf Wiedersehen, machen auf der Stelle kehrt und gehen heim, ohne die Diagnose und die Behandlung abzuwarten. Der Arzt würde zu recht den Kopf schütteln. Genauso beten wir oft zu Gott, wir erzählen Gott alles, was uns bedrückt, unseren Dank, unsere Wünsche und unsere Sorgen, sagen Amen und setzen unseren Alltag fort, ohne seine Antwort abzuwarten und als wäre nichts geschehen. Schüttelt Gott nicht zu recht, wie dieser Arzt, den Kopf über uns. Beten ist Reden mit Gott und Hören auf Gott. Und auf dieses Hören kann nicht verzichtet werden. Wenn wir wirklich auf Gott hören kann Gebet Sorge in Freude kehren. Gott hat versprochen Gebet zu hören. Da kann ich nur ermuntern: Bete und nimm ihn beim Wort. Der Geist lehrt uns was wir beten sollen. Wenn wir auf ihn hören, lernen wir nach Gottes Willen zu beten. Und wir können Gott überall anbeten. Es bedarf keines besonderen Raumes. Wir können in der Kirche, daheim, auf der Straße, bei der Arbeit, überall können wir Gott anbeten. Und wer Gott anbeten will, muss seinen Geist haben und in seiner Wahrheit leben. Das erste Gebet ist darum: "Herr erfülle mich mit deinem Geist und begegne mir in deinen Sohn Jesus, damit ich Deine Wahrheit finde." O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein, O Heilger Geist, kehr bei uns aus und nimm alles fort, was von uns von dir noch trennt.

drucken