Jahresrückblick

Mit diesem Gottesdienst schließen wir das Jahr der Bibel. Eröffnet haben wir dieses Jahr mit der Bibel im Januar. Damals habe ich in der Eröffnungspredigt gesagt:

„Manche mögen fragen, ob nicht immer ein Jahr der Bibel sei. Gewiss, so sollte es sein, zumindest in der christlichen Gemeinde. Damit aber die Bibel als Quelle der Kirche und eines großen Teils unserer öffentlichen Kultur wahrgenommen wird, ist es sinnvoll, sie auch einmal ganz bewusst in den Mittelpunkt zu rücken. Die Initiatoren der Aktion, hinter der alle Kirchen in Deutschland stehen, haben das Motto gewählt: „Suchen. Und Finden.“ In der Tat verheißt ja die Bibel Suchenden gute, tragfähige Antworten.“

Heute möchte ich mich herzlich bedanken bei denen, die sich auf die Suche gemacht haben, fündig geworden sind. Zu nennen ist da unsere Konfirmandengruppe. Sie hat sich im Frühjahr mit ihren Collagen zu ganz verschiedenen Geschichten der Bibel vorgestellt, in denen Tiere eine Rolle spielen: Die Schlange im Paradies, Die Taube mit dem Ölzweig am Ende der Sintflut, das goldene Kalb und die 10 Gebote, Daniel in der Löwengrube, die Heuschrecke oder der Ruf des Johannes zur Umkehr, der Esel des barmherzigen Samariters und der Esel als Symbol für Jesus Selbstverständnis.

Zu nennen ist die Windesheimer Frauenhilfe. Sie hat die acht Seligpreisungen sehr eindrucksvoll als Foto in Szene gesetzt und ihr Suchen und Finden in einem Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt.
Zu hoffen bleibt, dass andere, ob Einzelne oder Gemeindekreise sich auf den eigenen Weg machen. Dazu wollten die Such- und Finde-kärtchen eine Starthilfe sein, z.B.: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Suchen Sie Anhaltspunkte dieser Erfahrung in Ihrem Leben!“ oder: „Die Bibel ist der Heimatort der Gemeinde. Suchen Sie das Bibelwort, in dem Sie zu Hause sind?“

Ich freue mich heute schon auf das nächste Jahr, in einem würdigen Rahmen alle Such- und Findarbeiten auf einem Bibelweg in Guldental ausstellen zu können. Dazu bitte ich nochmals herzlich um Ihrer alle Mitarbeit.

Im Februar fand eine Dankandacht anlässlich eines 50. Geburtstages statt. Dabei ging es dem Jubilar nicht um ein schmückendes Beiwerk zu einem runden Jubiläum, sondern um das Staunen und Wirken Gottes. Mit Matthias Claudius gesagt. „Ich freue mich wies Kind zur Weihnachtsgabe, dass ich dich, schön menschlich Angesicht habe …“ Aus diesem Staunen und Wundern folgt ein Hinwenden zum Alltag. Der dänische Theologe und Schriftsteller Sören Kierkegaard hat es in einem Bildwort recht anschaulich beschrieben:

„Wenn ein Mensch mit des Ewigen Hilfe als ein in den Tag heute Vertiefter lebt, so kehrt er dem morgigen Tag den Rücken zu … Diese Richtung hat man, wenn man ein Boot rudert, ebenso hat man sich auch gestellt, wenn man glaubt … Der Glaubende kehrt dem Ewigen den Rücken zu, eben damit er es ganz bei sich habe in dem Tag heute.“ (Christliche Reden, 1848, S.77ff)

Ich möchte an dieser Stelle all die goldenen und diamantenen Hochzeiten dieses Jahres nicht vergessen. Sie sind wie ein Kontrapunkt in unserer Ex- und Hopp- Gesellschaft. Sie sind nicht allein ein Beleg, dass Menschen gemeinsam alt werden und zusammenhalten, sie sind auch ein Bekenntnis für die Liebe, die nimmer aufhört. Und es ist immer wieder schön solche Feste mit einem Gottesdienst zu feiern.

Im März haben wir zur Tauferinnerung eingeladen. Viele der angeschriebenen Kinder sind mit ihren Eltern und Geschwistern der Einladung: .„Unter Gottes Regenbogen“ gefolgt. Die Kinder des Kindergottesdienstes haben ihn lebendig mit Sonnenschirm – Regenschirm – Lampenschirm und Fallschirm gestaltet.
Dabei habe ich ausgeführt: „Und so ist auch Gott. Gott ist wie ein Schirm. Zwar kein Sonnen-, kein Regen-, kein Lampen- oder Fallschirm. Doch er ist ein Schutzschirm für unser ganzes Leben. Er hilft gegen die Angst, gegen das Böse, im Streit und in Gefahr. Er gibt auf uns Acht und beschirmt uns.“

Diese Verheißung haben wir in diesem Jahr 11 Kindern bei der Taufe ganz persönlich zu sprechen dürfen.

Im April haben wir Karfreitag und Ostern gefeiert. In der Osterpredigt habe ich u.a. gesagt: „Im Mittelalter ließen sich die Menschen von der Osterbotschaft herauslocken in das neue Leben, das mit der Auferstehung angebrochen ist. Sie feierten Ostern mit Tanz, Gesang und Ballspielen. Singend und tanzend schritten Bischof, Klerus und Volk durch die Straßen und warfen sich gegenseitig Bälle zu als Symbol für die Sonne Christus, die uns an Ostern aufgestrahlt ist. So drückten sie aus, was sie erfahren hatten; Die Befreiung von aller Schwere, von den Steinen die wir uns selbst auferlegen. indem wir uns hineintreiben lassen in die Zwänge, immer gut dastehen und etwas leisten zu müssen. Das Unaussprechliche von Ostern, so meinten die Gläubigen damals, könne man nicht mit Worten ausdrücken, das könne man nur austanzen, hinein in das Leben, das keinen noch so schweren Stein mehr kennt. Mit Paulus gesprochen:

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?« Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1.Kor.15,54b.55.57)

Diese frohe Botschaft hat in seiner eigenen Weise der Posaunenchor wie die 50 Jahre zuvor am Ostermorgen durchs Dorf getragen, hat mit seinem Jubiläumskonzert, seiner neuen CD bekräftigt, Gott die Ehre zu geben. Und es ist schön, dass der Chor immer wieder unsere Gottesdienste mitgestaltet.

Im Mai fanden die Konfirmationen statt. 30 junge Menschen wurden eingesegnet. Gute und aufmunternde Worte haben sie begleitet. Am Ende meiner Predigt habe ich gesagt: „Wer aufmerksam zugehört hat, dem ist es nicht entgangen. Fünfmal habe ich gesagt: Im Namen Jesu Christi von Nazareth spreche ich es einem jeden und einer jeden von euch zu, nämlich zu sehen – zu hören – zu riechen –zu schmecken – zu fühlen. Mehr brauchen wir wahrlich nicht zum Leben als diese fünf Sinne. Sie alle recht zu gebrauchen ist Eure, ist unser aller Bestimmung und das Wort Gottes bietet Euch und uns dazu den Leitfaden – dann werdet Ihr, dann werden wir das sein, was Jesu Wunsch ist: „Ihr sollt ein Segen sein!“ Amen.“

In diesem Monat fand auch die einzige kirchliche Trauung in unserer Gemeinde statt. Ich habe mich sehr gefreut, dass junge Menschen sich Ihr Jawort vor Gott gegeben haben und wünsche mir, dass wir sie und auch die anderen jungen Menschen mit unseren Gebeten und unserer Fürsprache begleiten.

In diesen Monat fiel auch der erste ökumenische Kirchentag in Berlin, den viele aus unserer Gemeinde mit großem Gewinn besucht haben.

Im Juni kulminierten die Jubiläumsfeiern. Den Auftakt bildete der Posaunenchor mit einem gelungenen Festgottesdienst und einer großartigen Feier rund um die Kirche. Schöner konnte Pfingsten nicht ausgedrückt werden: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg.2,42)

Danach folgte die Jubelkonfirmation in Guldental. Die älteste Teilnehmerin war fast 90 Jahre. Für sie war es ein besonderes Ereignis nochmals die alte Kirche Ihrer Kindheit und Jugendzeit zu sehen. "Lobe den Herren, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. – Wie wirkt dieser Satz auf uns? Sie selbst werden am besten sagen können, wo Ihnen im Leben Gutes widerfahren ist. Ich lasse uns Stille, um darüber einmal nachzudenken. Doch was, so fragen Sie sich vielleicht, hat das alles mit Gott zu tun? Dazu ein kleines Beispiel: Eine Sonnenblume ist mehr als eine wunderschöne Blume. Sie kann zum Symbol werden, das uns die Liebe Gottes besser verstehen lässt. Man kann für den Glauben etwas lernen von der Sonnenblume …“

Eine Woche später fand in Windesheim ein mich sehr bewegender und unvergesslicher Gottesdienst mit einem sehr schön gestalteten Gemeindefest statt. Ich danke einfach allen, besonders dem Presbyterium für die gute Vorbereitung und allen Chören und Kreisen für ihren beispiellosen Einsatz. Ein wirklich schönes Gemeindefest anlässlich meines Dienstjubiläums.

Im Juli gab es nach langer Pause wieder einen Kinderkirchentag in Hargesheim. Auch er stand ganz unter dem Thema: „Die Bibel ist wie ein Abenteuer“ Aus unserer Gemeinde nahmen viele, viele Kinder daran teil und waren begeistert von der riesengroßen Bibel im Zentrum, den vielen kreativen Angeboten und überhaupt von der tollen Atmosphäre. Erwähnen möchte ich, dass die Krabbelkreise und der zweimonatliche Krabbelgottesdienst mittlerweile fester Bestandteil unserer Gemeindearbeit geworden sind. Sie sind eine sehr schöne Ergänzung zum Kindergarten unserer Gemeinde, dessen kontinuierliche gute Arbeit ein großes Dankeschön verdient.

Im August waren Sommerferien und doch gab es einen gemeinsamen Gottesdienst zur Kerb in Guldental, der im September auch in Windesheim gefeiert wurde. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass die gewachsene Ökumene vor Ort ins Stocken gerät. Die ökumenische Bibelwoche, die Hauskreise und Bibelgesprächskreise sind lebendig wie eh und je. Zu nennen sind die intensiven Gesprächsabende des ökumenischen Arbeitskreises, die in diesem Jahr unter dem Thema standen „Was die Bibel Wunder nennt“ Die ökumenischen Friedensandachten, ausgelöst von dem Irakkrieg, haben eine Anfrage für das neue Jahr mitgegeben. Wäre es nicht an der Zeit auch in unseren christlichen Gemeinden ein interreligiöses Gespräch zu führen, um dem Frieden im eigenen Lande zu dienen, und ein interreligiöses Gebet zu wagen, wie es schon in Assisi der Fall war.

Im September feierten wir den Partnerschaftssonntag mit dem Kirchenkreis Rubengera (Rwanda). Es ist gut, wenn wir unseren Blick immer wieder über den Horizont werfen. Wenn uns bewusst wird, dass wir zu einer großen, weltweiten Ökumene gehören. Dazu zähle ich auch die guten Kontakte nach Lublin und freue mich über die wieder neu geknüpften Kontakte zur evangelischen Kirchengemeinde Posen. Im September durfte der Kirchenchor Guldental sein 80 jähriges Bestehen mit einem feierlichen Festgottesdienst begehen. „Ein Gottesdienst ohne Musik ist kein Gottesdienst." Martin Luther hat den schönen Satz geprägt: "Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet." An dieser Stelle sei vor allem dem Chor für seinen unermüdlichen Einsatz zu danken und für die großzügigen Spenden, die es ermöglichten, dass bis zum Jahresende die neuen Sitzauflagen in Guldental bezahlt werden konnten.

Im Oktober war im Erntedankgottesdienst Windesheim doppelter Anlass Dankeschön zu sagen. Einmal im Hinblick auf die reichen Gaben, die Gott uns in diesem Sommer und Herbst auf Feld und Weinberg beschert hat, zum anderen im Hinblick auf das dritte Fenster im Windesheimer Chorraum. Hier zeigt sich sehr schön, wenn ein langer Atem vorhanden, wenn Menschen sich eines Projektes annehmen, kann auch in Zeiten allgemeiner Einsparungen, Großes und Bleibendes geschaffen werden. Das Thema des dritten Fensters „Abendmahl“ hat der Künstler Hans Loser in für mich einmalig schöner und meditativer Weise gestaltet. Jedes Fenster ist ein Kleinod für sich und alle drei Chorfenster sind ein Juwel für unsere Kirche und hoffentlich ein bleibendes Glaubensgeschenk an künftige Generationen. Ein herzliches Dankeschön also an alle Spender/innen und dem Frauenchor/ Frauenhilfe für das jährlich schöne Erntedankessen im Gemeindehaus.

Im November steht das Gedenken der Toten im Mittelpunkt. Es sind Menschen, die zu uns gehörten, die unter uns lebten, die Lücken hinterlassen haben. In unserer Gemeinde haben wir in diesem Jahr an 20 Gräbern gestanden und die Auferstehungshoffnung bezeugt. In meiner Predigt zum Totensonntag habe ich gesagt: „Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde" – Jesus kannte diese Bitte aus dem 90.Psalm und sie stellt gewissermaßen die eine Seite der Klugheit dar, um die es gehen könnte. Die Klugheit, nicht dem Wahn der ewigen Jugend und Unsterblichkeit zu verfallen, sondern die geschenkten Tage wie einen kostbaren Schatz zu betrachten, der mir nicht für immer gehört. Kein Tag gleicht dem anderen, deshalb müssen wir auch nicht einen Tag wie den anderen leben, es könnte mit einem Mal ein "zu spät" geben und die Türen sind dann geschlossen. Auf der anderen Seite heißt Klugheit aber auch mit der Zukunft zu rechnen, etwas von ihr zu erwarten. Ja, ich will mit meiner Zukunft noch etwas anfangen, will sie noch gestalten. Glauben heißt sich im besten Sinne des Wortes erwartungsvoll Gott anzuvertrauen. Ihm gehört meine Vergangenheit, aus seinen Händen empfange ich meine Gegenwart und meine Zukunft …“

An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, dass es auch in diesem Jahr vorzeitige und stillschweigende Austritte gegeben hat: 7 Gemeindeglieder haben uns verlassen. Ich bedauere es immer wieder, dass kein Grund angegeben wird. Das ein Nachfragen auf taube Ohren stößt. Zugleich freue ich mich natürlich umsomehr, wenn Menschen den Weg zur Kirche wieder finden. Zwei sind wieder eingetreten.

Im Dezember haben beide Frauenhilfen unserer Gemeinde den ersten Advent mit einem besinnlichen Gottesdienst: „Wacht auf, erhebt euch aus dem Schlaf“ eröffnet. Durch die 5 Alltagsgeschichten wurde die Predigt sehr lebendig und anschaulich. Danke sei an dieser stelle auch dem Frauenchor gesagt für die vielen gottesdienstlichen Mitwirkungen.
Zu nennen ist die Bibelausstellung in der 2. Dezemberwoche im Ev. Gemeindehaus Windesheim. Die neue Leiterin der Ev. Gemeindebücherei Guldental hat sie organisiert. Für alle, die sich dafür Zeit und Muse genommen haben, gewiss ein sehr schöner Gewinn. Dem Kindergottesdiensthelferkreis gefielen z.B. die sehr guten Hilfsmittel darunter ein so informatives Buch. „Wie groß war Goliat?“

Die vielfältig schönen und von vielen mitgestalteten Weihnachtsgottesdienste wollten dazu beitragen, dass es ein Fest der Sinne werde, für Augen und Ohren, für Gaumen und Magen, letztlich für die Seele wurde.
Mir ist bewusst, dass ich nicht alles erwähnt habe, die Stillen und Treuen in unserer Gemeinde, die ohne dass ich oder Sie es merken, einfach da sind, Hand anlegen und helfen, oder die Hände falten und beten. Mir ist bewusst, dass es sehr viele sind, die immer wieder und immer noch treppauf, treppab laufen, um Gottes gute Botschaft zu verkünden.

Während meiner Predigt ist hier vorn ein Lichtermeer entstanden. Es hat die Form eines Herzens. Es will daran erinnern, dass Gottes Herz für uns Menschen entbrannt ist, ja immer noch in Liebe brennt, im alten wie im neuen Jahr. Der Apostel Paulus hat es im 8. Kapitel seines Römerbriefes in die unvergesslichen Worte gefasst:

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