Im Namen des Vaters

Im Namen des Vaters … und nicht im Namen irgendwelcher Autoritäten feiern wir unsere Gottesdienste. Ich muss gestehen, dass mir das im Laufe meiner Amtsjahre immer wichtiger geworden ist. Heute zucke ich regelrecht zusammen, wenn ein Gottesdienst mit einem fröhlichen guten Morgen beginnt. Nicht als hätte ich etwas gegen eine schöne Begrüßung, aber am Beginn eines Gottesdienstes sollte schon deutlich gesagt werden, was wir hier tun und warum wir uns früh morgens aus dem Bett gequält haben. Wir feiern keine Zusammenkunft, sondern den Gottesdienst, zu dem und Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist eingeladen haben.

Er ist es, der uns einlädt. Er ist es, zu dem wir beten, auf dessen Wort wir hören, zu dem wir uns bekennen. Und er hat uns eingesetzt u seinen BotInnen, zu den MitarbeiterInnen in seiner Gemeinde. Nichts anderes meint es, wenn Kirchen der Reformation vom Priestertum aller Gläubigen sprechen. Nichts anderes meint auch der Apostel Paulus, wenn er in seinem 1. Brief an die Korinther die Gemeinde als Haushalter anspricht:

[TEXT]

Gott hat mit Paulus geredet und ihn, der unter körperlicher und seelsicher Schwäche litt gesagt: (2.Korinther 12,9): Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das war für ihn ein wichtiger Satz, weil er gegen die Erwartung der Menschen gerichtet ist, dass der in ihren Augen Klügste, Stärkste und Beste immer auch bei Gott der Beste ein müsste. Im Grunde ein sehr adventlicher, und noch mehr weihnachtlicher Gedanke: Der, der sich als Kind in der Krippe offenbart, der sich zum Diener der Menschen macht ist doch der Herr.

Gegen alle Lehre menschlicher Weisheit setzt Paulus seine Lehre der Torheit und Schwachheit Gottes, dessen Kraft in den Schwachen mächtig ist. Die Auferstehung des Gekreuzigten bedeutet: die Macht der Mächte, die wir erleben, ist gebrochen. Verhältnisse haben sich umgedreht. Das predigt auch das Kind in der Krippe. Das verkündigen wir in dieser Zeit, in der wir besonders darauf warten, dass das Kind in der Krippe, der Herr am Kreuz sein reich endgültig aufrichtet unter den Menschen.

Die Freiheit der Gemeinde ist wie die Freiheit des Apostels – unmittelbar durch Jesus bewirkt. Dass macht die Verkündigung des Apostel unabhängig von aller persönlichen Kritik an seiner Lehre. Es gibt keinen anderen Richter als den Herrn selber.

Es geht im Kern unseres Briefabschnitts um Parteiungen, nicht um Programme. Da gib es Menschen, die kritisieren Paulus aus unterschiedlichen Gründen. Manche nehmen Anstoß an seiner Erscheinung. Anderen missfällt, wie er das Evangelium auslegt. Paulus kann das ertragen, weil es um Wichtigeres geht. Das Wachstum, das allein der Herr schenkt, steht im Mittelpunkt seiner Predigt. Und wenn andere dabei mehr Erfolg haben als er, ist das in Ordnung. Hauptsache, Menschen reden miteinander über diesen Jesus Christus und feiern miteinander Gottesdienste. Sein Ziel ist ein Miteinander der unterschiedlichen Auffassungen und Konfessionen und ein gemeinsames Ringen um die Wahrheit und gemeinsames Tragen der Verantwortung für das Evangelium und für die Schwestern und Brüder.

Vor dem Kommen des Herrn verbietet sich jedes Richten und jedes Urteil. Niemand soll verurteilt werden.

Das Ende des Textes ist ein Ausrufezeichen: Richtet nicht vor dem Advent Christi – jedem wird sein Lob zuteil werden. Der Welt muss erzählt werden, von dem verzeihenden Richter, auf den wir warten. Der Welt muss erzählt werden, dass Advent kein Warten auf einen holden Knaben im lockigen Haar ist, sondern ein Fest der Befreiung. Vielleicht haben die KonfirmandInnen ja recht, die mir letztens erzählen wollten an Weihnachten wäre Jesus auferstanden. Zumindest so weit: Advent und Weihnachten verstehen wir nur dann richtig, wen wir wissen: das Kind in der Krippe, ist der auferstanden Sohn Gottes, auf dessen Wiederkunft wir im Advent warten.

Das ist unsere gemeinsame Aufgabe als christliche Gemeinde. Wir sind die Engel Gottes, die immer wieder auf den Feldern der Welt das Lied anstimmen dürfen: ‚Friede auf Erden’. Für die Hirten war das schon eine Botschaft, die aller ihrer Erfahrung und Wirklichkeit widersprach – Um wie viel mehr für uns heute? Und trotzdem, dürfen wir gegen das Dunkel dieser Welt ansingen … im Namen des Vaters …

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