Ihr seid wichtig für diese Welt

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder!

1. Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die er alle sehr liebte, am meisten aber die jüngste von ihnen. Sehr gerne wollte er wissen, ob die Töchter seine Liebe erwidern und verlangte von ihnen ein Zeichen ihrer Liebe. Am nächsten Tag traten sie vor ihn. Die älteste hatte in ihrer Hand eine Schale mit Zucker und sagte zu ihm: Ich liebe dich so wie diesen Zucker. Der Vater freute sich darüber sehr. Die mittlere hatte in ihrer Hand einen Tiegel mit Honig und sagte zu ihm: Ich liebe dich wie diesen Honig. Auch darüber freute sich der Vater und blickte dann erwartungsvoll auf seine jüngste Tochter.
Diese hatte in ihrer Hand ein Brettchen mit etwas Salz darauf und sagte zum Vater: “Ich liebe dich so sehr wie dieses Salz.” Das hatte der Vater nicht erwartet. “Wenn das deine Liebe zu mir ist, bist du nicht mehr meine Tochter”, sagte er zornig.

Sie musste den Königshof verlassen und in die Welt ziehen. Nach langem Umherirren konnte sie sich schließlich auf einem anderen Königshof als einfache Küchenmagd verdingen. Niemand kannte sie dort, und sie musste niedrigste Dienste verrichten. Durch ihr freundliches und liebliches Wesen und ihre Anmut gewann sie aber die Zuneigung aller, mit denen sie zu tun hatte, und schließlich auch die Liebe des Königssohnes. Die Hochzeit war bald beschlossene Sache. Zur Hochzeit wurden viele Könige, darunter auch der Vater der Braut eingeladen. Niemand aber wusste, wer die Braut wirklich war, auch der Königssohn nicht und erst recht nicht ihr Vater. Die aufgetragenen Speisen schmeckten herrlich. Als aber der Vater der Braut den ersten Bissen von seinem Teller nahm, musste er ihn sofort ausspeien; so schlecht schmeckte er. Er bat seine Tischnachbarn, von ihren Speisen kosten zu dürfen – und ihr Essen schmeckte vorzüglich. Da sprang er zornig auf und rief, man wolle ihn zum Narren halten, und wollte die Hochzeit verlassen. Bestürzt kam der König des Landes, der Vater des Bräutigams, hin und als er die Speise kostete, musste auch er sie ausspeien. Da rief er zornentbrannt: Fürwahr, wer das getan hat, soll dafür mit dem Tod bestraft werden. Da stand die Braut auf und sagte: Ich habe die Speise zubereitet und habe statt mit Salz mit Zucker und Honig gewürzt. Und dann erzählte sie ihre ganze Geschichte. (nach Berthold W. Köber, Köln, in: dike.de)

Liebe Gemeinde, dieses Märchen handelt vom Wert des Salzes. Die Königstochter wusste um diesen Wert und verglich ihre Liebe zum Vater damit. Er aber wusste damit nichts anzufangen, er verstand nichts.

Wenn Jesus Christus zu seinen Hörern sagt: Ihr seid das Salz der Erde, dann sagt er ihnen, das sie für die Welt wichtig sind.

Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: Jesus Christus sagt zu dir: Du bist wichtig für die Welt. Hat das schon mal jemand zu dir gesagt?

Ich liebe dich! Ich hab dich lieb! das hat jeder schon einmal gehört. Das ist auch so ein starker Satz: Da sagt ein Mensch zu dir: Du bist mir wichtig wie kein anderer. Auf solchem Satz kann ein Mensch sein Leben bauen, mit solchem Satz kann ein Mensch leben und Krisen meistern.

Der Satz Jesu: “Ihr seid das Salz der Erde!” setzt noch einen drauf: “Nicht nur für mich seid ihr wichtig”, sagt Jesus Christus zu dir, liebe Gemeinde, “sondern für die Welt seid ihr wichtig!”

Beurteilst du dich auch so? Sehen das die Menschen mit denen du zu tun hast auch so? Bei Lichte besehen sind wir alle kleine Schrauben im Getriebe der Welt. Für unsere Chefs sind wir ersetzbar, mancher und manche so, dass sie ohne Arbeit sind. Von anderen sind wir schnell vergessen. Ein Umzug, eine kleine Meinungsverschiedenheit – schnell endet, was wir für eine Freundschaft hielten. Salz der Erde und wichtig? – oft genug erfahren wir es anders.

Jesus Christus aber meint es ernst. Seine erste Hörer dieser Worte sind die, die er selig pries: die geistlich Armen, die Friedensstifter, die die jetzt weinen und traurig sind, die Barmherzigen, die die jetzt verfolgt werden wegen ihres Glaubens. Jesus Christus stellt die Bewertung auf den Kopf. Die die nichts sind in den Augen der Welt, sind in den Augen Jesu Salz der Erde. Die die unwichtig sind nach menschlichen Maßstäben, sind in Gottes Augen wichtig. Die Zusage an die Gemeinde, Salz der Welt zu sein, ist zuerst ein Trostwort Jesu, das der Gemeinden einen Wert zuspricht.

2. Jesus Christus spricht: Ihr SEID das Salz der Erde. Er sagt nicht: Ihr sollt es sein. Kein Appell, kein Befehl, keine Aufforderung. Er sagt nicht: wenn ihr dies tu oder denkt, dann seid ihr es. Er knüpft die Aussage nicht an eine Bedingung, für deren Erfüllung die Hörer zu sorgen haben. Es heißt auch nicht: Die Jünger sagten zum Volk: “Wir sind das Salz der Erde!” Es ist keine Selbstbezeichnung der Christen angesichts ihrer Machtaten oder eines festen Glaubens oder wegen ihrer Sündlosigkeit oder Makellosigkeit. Das wäre eine Anmaßung und zugleich eine lächerliche Überforderung.

Es heißt: Jesus Christus spricht: Ihr seid. Punkt.
Das ist eine Aussage. Das ist ein Zusage. Und dass sie wahr bleibt und erkennbar ist, dafür sorgt Jesus Christus selbst.

Sehen wir uns Petrus an: Er ist ein Beispiel dafür, dass er alles ist, was er ist durch Jesus Christus. Dann ist er Salz der Erde und wichtig. Er spricht zentrale Bekenntnisse und Erkenntnisse aus: Du bist Christus des lebendigen Gottes Sohn. Er lässt sich senden mit den anderen Jüngern in die Welt als Boten. Er wird von Jesus wieder in den Dienst gestellt, nachdem er dreimal geleugnet hatte, ihn überhaupt zu kennen. Immer wenn er an Christus bleibt und an seinen Worten und auf ihn vertraut, dann ist er wichtig für die Welt.

In anderen Momenten ist Petrus immer dann ein Niemand, wenn er aus seiner Kraft etwas will. Immer dann misslingt es, immer dann ist er Salz, das nichts taugt.

Deshalb ist als zweites mit dem Salzwort Jesu verbunden die Aufforderung an uns, an Jesus Christus dran zu bleiben. Sein Wort zu hören und mit ihm zu leben; zu ihm zu beten und Gottesdienst zu feiern. Nur so wird das Wort Jesu zu uns wahr bleiben: Ihr seid das Salz der Erde.

3. Und schließlich ein drittes:
Nehmen wir beide Bildworte in den Blick, die Jesus hier sagt. Die Bilder ergänzen und korrigieren einander. Führen wir uns vor Augen, wodurch Salz und Licht wertvoll waren:

Mit Hilfe des Salzes wurden in alter Zeit Speisen haltbar und genießbar gemacht wurden. Salz machte sie schmackhaft und bewahrte sie während der Lagerung vor Fäulnis.

Licht ist wertvoll zur Orientierung. Eine Freundin von mir, in einer der Städte des Ruhrgebiets aufgewachsen, erlebte mit über 30 Jahren Dunkelheit ganz neu, als sie in ein Dorf zog und in den ersten Wochen nachts von einer Einladung nach Hause ging. Die Straßenlaternen waren verlöscht, der Himmel verhangen, in den Häusern brannte kein Licht mehr. Es war richtig dunkel. Licht dient der Orientierung. Und das ist wichtig.

Wenn Jesus zu den Christus sagt: “Ihr seid das Licht der Welt!” meint er: Seid treue Nachfolger Jesu und Hörer seines Wortes. Lebt mit dem Evangelium und seid als Nachfolger Jesu erkennbar. Wie Licht Orientierung gibt, so könnt ihr Orientierung geben, weil Ihr den Dreieinigen Gott kennt, seine Liebe und seine Gebote. Ihr könnt Orientierung geben, wenn Menschen fragen und unsicher sind.

Wenn Jesus zu den Christus sagt: Ihr das Salz der Erde!
meint er: Seid Zeitgenossen der Welt. Ihr seid wichtig für die Welt, in der ihr lebt. Wie Salz Speisen, so durchdringt die Welt. Ihr wisst um den Wert und die Würde der Schöpfung Gottes und der Menschen. Ihr könnt eintreten für das Wohl in der Welt. Ihr kennt die Gebote Gottes für die Menschen. Macht sie wichtig in unserer Welt, so tragt zur Erhaltung der Welt bei, die von Zerstörung und Ungerechtigkeit bedroht ist.

4. Liebe Gemeinde, das Salz- und das Lichtwort Jesu sind zentrale Worte Vielbedacht. Keinen Christen lassen diese Worte los. Ein Trostwort ist es, das uns Würde verleiht. Zuspruch, der uns etwas zutraut. Wie Salz in der Welt drin sein und aufgehen. Wie Licht leuchten und in der Welt erkennbar sein.
Zeitgenosse sein und zeitgemäß leben – Hörer der Worte Gottes sein und evangeliumsgemäß leben. Salz und Licht – das seid ihr – sagt unser Herr Jesus Christus. Nicht mehr und nicht weniger. Weil ich – Jesus – es sage und euch dazu mache.

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