Ich darf stolz sein

Ich bin getauft – nicht auf den Namen irgendeines Erfolgsgurus, sondern auf den Gekreuzigten, auf den looser, den Gott zum Eckstein gemacht hat. Ihn nennt Gott seinen Sohn. Und ich bin getauft, von Gott berufen. Zu mit sagt er im Wochenspruch (Jesaja 43,1): So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Dass Gott mich berufen hat, ist auch so ein Wunder. Was will er mit mir? Was will er mit all den Getauften, denen man doch oft nur so wenig anmerkt davon, dass sie getauft sind. Aber genau darin liegt wohl das Wunder: Es geht nicht um die immer erfolgreiche Kirche. Es geht um die Gemeinschaft der Heiligen, die oft so seltsam unheilig sind. Immer wieder müssen sie miteinander ringen um den Weg, der in ihrem Leben richtig ist. Dazu will uns der Text verhelfen, der dem Apostel Petrus (auch so einer) zugeschrieben wird:

[TEXT]

Es ist eine Taufermahnung und Tauferinnerung: Ihr seid das erwählte Volk. Ihr könnt Euch da nichts verdienen und ihr könnt Gott nichts beweisen. Ihr dürft dankbar sein, dass er Euch seine geliebten Kinder nennt. Ihr dürft Euch von Seinem Wort weiterhelfen lassen in Eurem Leben und in Eurem Glauben.

Als dieser Brief geschrieben wurde, hat die Gemeinde schon einiges erlebt. Sie hat das Wunder erlebt, dass Menschen von Jesus Christus erzählten und dadurch Menschen zur Gemeinde und zum Glauben gefunden haben. Sie hat dabei aber auch erlebt, dass dieser Glaube und die Gemeinschaft, die sehr intensiv war, nicht alle Probleme löste, im Gegenteil sogar neue Probleme geschaffen hat. Leid und Verfolgung blieb dieser Gemeinde nicht erspart, aber sie ist daran nicht zerbrochen, sondern gestärkt daraus hervorgegangen.

Sie wird angesprochen als gierender Säugling. Das Wort Gottes ist so wichtig wie die Muttermilch, nach der das Kind schreit und deren Genuss es ruhig werden lässt. Sowie Essen mehr ist als Nahrungsaufnahme, so ist auch das Hören des Wortes Gottes mehr als Aufnahme von Informationen. Es ist auch ein erst mal zur Ruhe kommen. ‚Iss erst mal was‘ sagen wir dem gerade angekommenen. Unser Abendmahl kann in kritischen Augenblicken die gleiche Funktion haben: erst einmal essen und trinken und dann das Leben neu in Angriff nehmen.

Genauso müssen wir bereit sein zu hören und aufzunehmen. Wir müssen uns von Gottes Wort füllen lassen und ihm Raum in uns geben. Dann kann es uns zu Ruhe und Gelassenheit helfen. Wir werden geliebt, wir gehen nicht allein durch Leben, sondern da geht einer mit uns – und der hält große Stücke auf uns.

Der Briefeschreiber nennt uns lebendige Steine. Eigentlich ein Widerspruch: Steine sind etwas Totes, Lebloses. Aber wir dürfen dieses Vertrauen haben, dass Gott aus Steinen Leben machen kann.

Wer schon einmal gebaut hat, weiß wie wichtig es ist, gerade das Fundament sorgfältig aufzubauen. Auf ihm ruht der ganze Bau. Das galt um so mehr in Zeiten, als Steine noch von Hand geformt wurden. Dies Fundamentsteine – noch mehr die Ecksteine mussten sorgfältig gewählt werden, dass nichts brüchig oder schief wurde. So hat Gott seinen Sohn Jesus Christus auserwählt, dass er zusammen mit uns das Haus der Kirche bildet. Die Bauleute haben ihn verworfen. Der Verstand der Fachleute sagte Nein, die Liebe Gottes sagte Ja zu Christus und zu uns.

Ich erinnere mich an ein Motivationsplakat: 3 Bilder mit einem Steinmetz, die alle das Gleiche tun – es nur anders beschreiben: 1. Ich behaue einen Stein; 2. Ich errichte eine Mauer; 3. Ich arbeite mit am Bau einer Kathedrale.

Manchmal muss ich mir schon klar sein, dass ich nicht einfach lebe, sondern ein lebendiger Stein in der Kirche Jesu Christi bin. Nicht irgendein Detail, sondern ganz wichtig. Ich darf stolz sein.

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