Hoffen gegen den Augenschein

Liebe Gemeinde!

Das bringt doch nichts. Sicherlich kennen Sie, kennt ihr diesen Satz. Ich habe ihn zuletzt von einem Konfirmanden gehört. Wir sprachen über den Irak-Krieg, die Bilder, die wir sehen und über die Demo der
Schüler in Hamburg, die am Tag zuvor statt gefunden hatte. „Das bringt doch alles nichts.“ sagte er.
„Die tun doch, was sie wollen. Der Friede kommt dadurch auch nicht.“ Keiner entgegnete etwas. Ich
hatte das Gefühl, die meisten Konfirmanden dachten: Im Grunde hat er recht. Und das ist schwer auszuhalten.

Schauen wir uns das Leben von Jesus an, wie er gelebt hat, was er gepredigt hat. Frieden hat er
gepredigt und, dass man seinen Nächsten lieben soll. Er hat Wasser in Wein verwandelt, weil er wollte,
dass alle feiern und fröhlich sind. Er hat die Händler aus dem Tempel geworfen, damit man dort Beten kann. (evtl. weitere Beispiele) Er war ein Friedensstifter. Und was hat es gebracht?, könnte man fragen. Im Grunde nichts. Denn er wurde trotzdem getötet. Aller Frieden, den er verkündet hat, alle Menschen, denen er geholfen hat, haben nicht verhindert, dass er gekreuzigt wurde.

Und selbst dass: Er war der heißerwartete Friedefürst. Mit ihm sollte Schluss sein mit Krieg, mit
Hunger, mit Leid und Tränen. Mit dem Messias, mit dem Christus sollte sich das durchsetzten, was Gott für unser Leben will. Und was ist seit dem? Kriege, so viele, dass man sie kaum zählen kann. Die Menschen scheinen durch seinen Tod nichts gelernt zu haben. Was hat sein Leiden und Sterben also gebracht? Nichts, müsste man meinen.

Das geht doch nicht, das kann doch nicht sein. Die Worte Jesu in unserem heutigen Evangelium scheinen mir eine Antwort darauf zu geben:

Jesus sagte: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebhat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf
dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und
wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Im Bild vom Weizenkorn redet Jesus von Tod und Auferstehung. Wenn das Weizenkorn aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wenn jetzt gesät wird, verschwindet das Korn in der Erde. Ich kann nicht sehen, ob überhaupt eines gepflanzt ist, wo es ist, ob dieses Korn Kraft haben wird. Es ist weg, unter der Erde, wie tot. Aber,
es bleibt nicht in diesem Tod. Mit einem Mal bricht ein Keim durch die Erde, grün und mit Kraft findet er einen Weg ans Licht. Wo eben noch Tod war, bahnt sich neues Leben seinen Weg.

Was für ein schönes Bild für die Auferstehung, für die Hoffnung auf Leben gegen allen Augenschein. Sieh nur, auf eine Art und Weise geht es weiter. Jesus lebt.

Ich glaube, dass wir das, was wir erleben und sehen ohne den Glauben an die Auferstehung ohne die
Hoffnung gegen den Augenschein nicht aushalten könnten. Jesus hat den Tod besiegt. Das Leben ist die Alternative, auch wenn Krieg ist, und Friede in weite
Fernde gerückt zu sein scheint.

Dies ist das eine und dann ist da noch etwas anderes. Jesus hat gesagt: Wer sein Leben liebt hat, der wird es verlieren.

Dies ist ein gefährliches Wort von Jesus, das sich verschieden verstehen lässt und Menschen in ganz
unterschiedlichen Situationen ihres Lebens ermutigt hat, nicht immer zum Leben. Es gab Situationen, in
denen dieses Wort Jesu missbraucht worden ist, um Soldaten in den Tod zu schicken, ihnen Mut zu machen, im Krieg zu sterben.

Mir ist dieses Wort aus einem anderen Grunde wichtig: Denn es enthält eine Antwort auf den Satz: Das bringt doch nichts. Jesus hat nicht bei jeder einzelen Heilung eines Menschen gefragt: Was bringt mir das? (Evtl. Am Bsp. Bartimäus) Er wusste nicht, ob ihm der andere dankbar sein würde, ob er ein Jünger werden würde, ob er dannach ein glückliches Leben führen würde. Dennoch hat er ihn geheilt. Er hat ihm geholfen, weil es in der Situation das Richtige war.

Das tun, was zu tun ist, ohne immer sofort zu fragen, was es bringt. Das scheint mir wichtig. Dass mir mein Leben nicht zu schade ist, etwas zu tun, von dem ich nicht sofort weiß, ob es mir etwas
bringt. Ob ich sozusagen eine Gegenleistung für meine Mühe bekomme.

Ich könnte meine Predigt als Beispiel nehmen. Ich weiß nicht, ob sie Ihnen und Euch etwas bringt,
weiter bringt in Eurem und Ihrem Nachdenken über den Glauben. Vielleicht würde es mehr bringen, wenn
ich die Zeit hier oben schweigend stehen würde. Dennoch hoffe ich natürlich, dass meine Worte Ihnen und euch etwas geben, einen Gedanken zum Nachdenken, einen Satz fürs Herz, eine Idee für Ihren und Euren Glauben. Und dass dies geschieht, kann ich nur hoffen, ich weiß es nicht. Ich stehe hier und rede, weil ich weiß, dass es richtig ist, dies zu tun.

Und damit bin ich wieder bei der Frage, ob wir etwas, und was wir für den Frieden tun können, auch
wenn es erstmal „nichts“ bringt. Dann können wir uns überlegen, was zu tun ist. Dann handeln wir, weil es gut ist.

Wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und erstirbt, ist es jetzt an uns Frieden zu säen und gegen allen Augenschein zu hoffen, dass er Frucht bringen wird. Unsere Friedensgebete, all unsere Hoffnung auf Frieden, Manwachen und und und sind solche Weizenkörner, die in die Erde fallen. Im Moment sehen wir keine Erfolg. Sie scheinen nichts zu bringen. Aber sie stehen in der Tradition der
Friedensbotschaft Jesu. Deshalb werden sie Frucht bringen auf ihre Weise – gegen allen Augenschein.

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