Heilsame Gemeinschaft

Gesegnete Weihnachten, liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder

– und wenn wir verstanden und erfühlt haben, was Paulus sagt, dann sind es gesegnete Weihnachten, die wir jetzt zu feiern beginnen.

Es ist Heiliger Abend – vor Ihnen und mir das Bild vom Stall und der Krippe. Es sucht sich den Weg zu uns, sucht sich den Weg, wie umgekehrt wir uns aus dem Alltag lösen, versuchen, in dieses Bild einzutauchen, zu begreifen, was uns da geschehen ist, was Stall, Krippe, das Kind, Maria und Josef, die Hirten, der Zauber dieser Nacht mit uns zu tun, uns zu bedeuten haben. – Weihnachten erleben, mit Haut und Haaren und mit allen Sinnen und Gefühlen Weihnachten erleben, ein Weihnachten, grösser als das schöne Familienfest, schöner als die Gaben am Abend: Das wär’s.

Doch Weihnachten ist widerständig. Die Christnacht lässt sich nicht so einfach vereinnahmen. Sie ist wie die Zeit, wie der Atem, die, kaum bewusst schon entschwunden ist.

Weshalb? Weil da mehr geschieht, als wir erfassen können. Weil in Christus tatsächlich alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes verborgen sind.

[Womöglich ist Ihnen jetzt gar nicht so sehr nach "Schätzen der Weisheit und Erkenntnis" zu Mute. Vielleicht wünschen Sie einfach, zur Ruhe zu kommen, ein wenig an warmer Geborgenheit bei Gott zu erleben, das "Es ist gut so" Gefühl aus Kindertagen – gut. Auch das findet sich im Blick auf diese Schätze.]

Der erste – und zunächst einzige Schatz – ist das Kind in der Krippe. Jedes Kind ist ein Schatz. Und erst dieses: Gott wird Mensch. Gott in Menschengestalt. Gott gibt sich her. – Und eigentlich könnte ich nun enden, uns leiser Orgelmusik überlassen, um zu ersinnen, was das bedeutet – der große Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde: ein Kind.

Was geschieht mit dem Kind? Es stiftet Gemeinschaft Da sind die Hirten – sie haben sich aus dem Fahrplan ihres Alltags rufen lassen. Der Himmel ist ihnen hell geworden. Sie haben die Botschaft dieser Nacht gehört – die Botschaft vom Frieden, der nun angebrochen, klein, unscheinbar "und ihr werdet finden das Kind in der Krippe in Windeln gewickelt", ein Friede, der mehr ist, als wir planen, machen oder auch nur von uns aus erträumen könnten.

Die Hirten: Sie haben sich nicht lachend darüber hinweggesetzt, sondern sich aufgemacht – gemeinsam. Gemeinsam, wie auch wir uns aufgemacht haben und im Aufbruch und auf dem Weg und im Ankommen Gemeinschaft wurden. – Stimmt das? Überlegen Sies für sich: Wie war der Aufbruch, dann der Weg, das Ankommen, das sich Einfinden mit den anderen?

Heilsame Gemeinschaft – die gönnen wir uns nicht oft. Wir gönnen uns nicht oft das Leben. Dabei: Es tut so gut, sich im Frieden Christi zu verwurzeln, der Nächte und Dunkelheiten hell macht, gemeinsam. Paulus: "Ich bin glücklich, wenn ich sehe, wie fest ihr zusammen steht und wie unerschütterlich Ihr Christus vertraut."

Diese Gemeinschaft verbindet – mit dem Kind, miteinander. Sie macht reich. Das haben Sie doch schon erspürt, wie anders die Atmosphäre der Weihnacht ist: Warm, gut, heilsam – so warm, so gut und heilsam, dass selbst das ganze Schlimme und Böse, das zur gleichen Zeit geschieht, sie nicht vernichten kann. Da ist ein Licht angezündet – und mit seinem hellen Scheine vertreibts die Finsternis. Das ist Gottes Geschenk – wenn wirs erfassen, leben: Wiederum Paulus – "Nun lebt auch mit Ihm und tut seinen Willen."

Wir hier, wir sind keine klösterliche Gemeinschaft, nicht einmal Kommunität. Wir werden nicht die ganze Zeit unseres Lebens Gemeinsam und im Gottesdienst verbringen können. Dieser Gottesdienst wird enden. Aber der Schein dieser Weihnacht, der Schein des Lichts, der wird Sie und mich begleiten dorthin, wo wir den Abend leben. Und er wird immer wieder aufleuchten wollen, wenn wir’s zulassen: aufleuchten – und dann wird es wieder Weihnacht sein. Weihnachten ist nicht der 24. Dezember gebunden – der Friede Christi will alle Tage Ihres und meines ganzes Leben umfassen, reich machen, aufrichten, stärken.

Wir werden den Gottesdienst wieder verlassen. Wir werden wieder in den Alltag zurückkehren – so, wie auch die Hirten in dieser Nacht wieder zurückkehrten. Und der Alltag wird versuchen, abzuschleifen, zu nivellieren, was war. Seine Spielregeln wird er uns wieder nennen, uns wieder in unser altes Raster hineinzupressen suchen – aber nichts wird mehr so sein, wie es war. Das Licht ist da. Der Friede Gottes geht mit als Angebot – und die, die uns andere Weisheiten vermitteln wollen, andere Ideologien, sie werden sich daran messen lassen müssen.

Ihre schönen Worte und hochfliegenden Gedanken werden sich am Kind in der Krippe messen lassen müssen, am Mann auf dem Weg, in dessen Dasein Leben heil wurde, am König am Kreuz, der sein Leben für das der Vielen lässt, am Auferstandenen, der Hoffnung stiftet, am Geist Gottes, der in die Gemeinschaft mit Christus und den Schwestern und Brüdern ruft.

Und wir werden urteilen – gebe Gott gemeinsam, weil wir dann stärker sind, besonnener, gestärkt von Ihm – und werden in seinem Frieden bleiben, weil der mehr ist als alle Vernunft dieser Welt. Ja, und es wird Weihnacht sein – gesegnete Weihnachten.

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