Hat sich etwas geändert?

Liebe Gemeinde,

in unserer Welt – wir lesen es in den Zeitungen, wir hören es in den Medien – da gibt es nicht nur Ungerechtigkeiten in der Weltwirtschaft, unter denen Entwicklungsländer immer mehr verarmen, nein, wir finden auch Ungerechtigkeiten in unserem eigenen Lande. Schauen wir uns doch einmal um! Da gibt es Frauen und Männer in den Betrieben, die immer mehr Überstunden anhäufen, während andere Monate, ja, sogar Jahre auf einen Arbeitsplatz warten und weil sie keine Arbeit haben, immer mehr verarmen. Seitens der Politiker wurden neue Steuern erhoben und alte Steuern als nichtig erklärt. Die Preise der Luxusgüter wurden gesenkt und die der Lebenshaltungskosten drastisch erhöht.

Der Unterschied zwischen Armen und Reichen wird immer größer. Soziale Gerechtigkeit in unserem Lande ist ein Begriff aus einer anderen Welt. Doch wer ist für all das verantwortlich, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer werden? – Und schon höre ich die kritischen Stimmen, die sich gegen unsere ausländischen Mitbürger zur Wehr setzen, da diese uns die Arbeit wegnehmen. Und ich höre auch die Stimmen, die sich gegen psychisch und physisch kranke Männer und Frauen erheben, die nicht mehr arbeiten können und von Sozialhilfe leben. Und ich höre auch die Stimmen, die sich wieder für die Einführung von Arbeitslagern stark machen.

Liebe Gemeinde, unser Predigttext ist, so denke ich genau so aktuell, wie früher, zu Lebzeiten Paulus, als er diesen Brief an die Römer schrieb. Wer ist verantwortlich für all das Elend auf dieser Welt? – Paulus sieht dies ganz realistisch. Den Grund hierfür nennt er die Schwachheit des menschlichen Fleisches. Ja, unsere menschliche Unvollkommenheit, unsere Begrenztheit, unsere Fehlerhaftigkeiten und Zwänge, die eine jede und jeder von uns in ihrem und seinem Leben erfahren und kennen gelernt hat. Dabei muss dies nicht einmal eine besondere Bosheit oder extreme Gier sein. Die menschliche Schwachheit des Fleisches fängt bei den kleinen Sünden unseres Alltages an und gehen hin bis zu den Verbrechen, die Menschen je getan haben und tun werden.

Paulus sieht uns Menschen in unserer Schwachheit als Knechte der Sünde an, die wir unrein, ungerecht und unfrei leben. Und deshalb: gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden. Gott hat uns durch Jesus Christus von sich so viel zu erkennen gegeben, dass wir zu ihm finden können, ja, seine Liebe erkennen können und uns von ihm leiten lassen können. Und wenn wir hierzu bereit sind, dann verspüren wir, dass sich in uns eine Veränderung bemerkbar macht. Wir erfahren etwas total Neues, das vorher nicht da war. Auch für die Christen in Rom damals und ebenso für uns heute ist es bestimmt eine Hilfe, wenn Paulus uns zu verstehen gibt, wie anders unser Leben vorher war und wie es in Zukunft aussehen kann.

Paulus stellt dem Leben als Knecht der Sünde das Leben als Diener Gottes entgegen. Das neue Leben nennt der Apostel: Dienst an der Gerechtigkeit, – Dienst am Wesen Gottes. Denn bei Gott ist alles gottgemäß und richtig. Alles was Gott tut dient uns Menschen zur Gerechtigkeit und zu unserem Heil. Und deshalb werden wir aufgefordert, so wie wir vorher unsere Sinne, unser Können und unseren Verstand gebraucht haben, so sollen wir dies auch nachher tun, aber im dem Dienst des lebendigen Gottes. Nicht nur mit einer Stunde Gottesdienst, wie vielleicht die eine oder der andere jetzt meinen wird, nein, gehen Sie in die Gemeinde, besuchen Sie die unterschiedlichsten Angebote in dieser Gemeinde, Hauskreise, Bibelgesprächskreise, Frauenhilfe oder auch Seniorentreff, denn: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen, spricht Jesus.

Alle ihre Bemühungen im Dienste des lebendigen Gottes sollten ein lebendiges Zeugnis für Gottes wunderbares Handeln an uns selbst sein. Von Sünde befreit und zu Dienern Gottes geworden, hat auch unser Leben als geheiligtes und heiliges Leben neue Perspektiven. Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Wenn der Tod der Sünde Sold ist, ist dann er dann auch ein Beweis oder möglicherweise ein Nachweis für eine besondere Schuld oder Sünde? Es ist keine Seltenheit, dass Menschen, die Opfer schwerer Krankheiten geworden sind oder durch einen Unfall zu Tode gekommen sind, verdächtigt werden in ihrem Leben auf besondere Weise schuldig geworden sind.

Liebe Gemeinde, ich denke, der Tod ist kein Beweis für eine besonders große Schuld oder Sünde. Was Paulus uns hier schlicht und auch einfach mitteilen möchte, ist, dass der Tod nicht eine Strafe für ein verwerfliches Leben ist, sonder eine Tatsache im Leben eines jeden von uns. Nicht nur der Gemeinde in Rom, sondern auch uns hier heute Morgen im Gottesdienst, führt Paulus uns vor Augen, dass es Gottes Wille ist, aus unserem alten, gottlosen und eigenwilligen Leben ein neues Leben zu machen, in dem Jesus Christus der Mittelpunkt ist. Darauf kam es damals und darauf kommt es auch heute noch an, sich in allen Dingen und zu jeder Zeit vom Geist Jesu sich leiten zu lassen.

Was hat sich eigentlich in ihrem Leben geändert, nachdem Sie es in den Dienst des lebendigen Gottes gestellt haben, liebe Gemeinde? Was hat sich in ihrem Leben geändert? Fragen, die nicht nur wir als kritische Christen stellen, nein, sondern auch Menschen, die von Gott nichts, aber auch rein gar nichts wissen wollen, die ihn verleugnen. Hat sich überhaupt etwas geändert, oder ist alles beim Alten geblieben? – Ja, es hat sich etwas verändert. Das frühere Leben ist zu Ende, damit haben wir nichts mehr zu tun. Das ist eine Veränderung, die Jesus Christus an uns vorgenommen hat. Und was dabei dann rauskommt, bezeichnet der Apostel als "ewiges Leben in Christus Jesus".

Das bedeutet aber nicht, liebe Gemeinde, dass wir nicht sterben, sondern dass Jesus Christus uns durch unseren Tod hindurch zum ewigen Leben hinführt, in dem er jetzt schon ist. Wir leben zwar noch in dieser Welt, sind aber nicht für immer hier zu Hause. Paulus macht uns Mut nicht in unserem alten Leben und Redensarten stecken zu bleiben, sondern heute und hier als Diener des lebendigen Gottes zu leben. Denn das führt uns aus Sünde und Tod ins ewige Leben, in Gottes Nähe.

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