Hätten wir aber Christus nicht …

Liebe Gemeinde,

hier ist von uns die Rede. Wir bedeuten Gott unendlich viel. Er macht uns zu lebendige Steine seines Hauses, die Gemeinde in der Welt. Jeder Stein im Haus Gottes hat seine bestimmte Aufgabe und Bedeutung. Nehmen Sie diese Johanneskirche. Spräche ein Stein in der Wand, er gehöre nicht hierher und würde seinen Ort verlassen, entstünde ein Loch in der Wand. Sagte der Pfeiler, er mag nicht mehr so schwer tragen und ginge davon, verlöre das Gewölbe seinen Halt und bräche ein. Sagte die Treppe, sie sei es müde, immer getreten zu werden und mache sich auf in die Welt, könnten wir nicht herauf- noch herabsteigen. Würden so auch der Eckstein im Torbogen und der Grundstein der Kirche reden und sich davon machen, so bräche das Haus in sich zusammen. Es wäre kein Haus mehr, sondern eine Ruine.

Ein einzelner Stein ist nur ein Stein und mehr nicht. Er ist nutzlos, solange er nicht für das Haus gebraucht wird. Irgendjemand würde ihn zum Sperrmüll geben, damit er nicht im Weg liegt.

"Ihr seid solche lebendige Steine, aus denen Gott sein Haus, die Gemeinde, aufbauen will. Darin sollt ihr … dienen, die ihm … ihr Leben zur Verfügung stellen." Jeder, der getauft ist, ist so lebendiger Stein, mit dem Gott seine Gemeinde in der Welt aufbauen will. Mit unserer Taufe wurde wir in den Bau Gottes eingefügt. Weil wir als Kinder dazu wenig zu sagen hatten, als vielleicht unser ängstliches Geschrei, bestätigten wir unsere Taufe mit der Konfirmation.

Es darf kein Stein in diesem Bau fehlen, damit er mit den anderen als Mauer den Raum begrenzt, vor dem Wetter schützt, das Gewölbe trägt, das Lob Gottes ermöglicht, Menschen ein Zuhause finden, ermutigt, getröstet und gestärkt werden.

Auch das ist zu bedenken. Jeder Stein wird von den anderen getragen und gehalten und tut das auch umgekehrt. Jeder Stein hat nur eine begrenzte Aufgabe und doch ist er für das Ganze des Baues unentbehrlich. Mein Christsein bedarf der anderen. Ohne sie würde ich nicht glauben. Ich denke an Karl-Erich Reuter und seinen Bruder Jürgen in der Jungschar. Ich war ein schwieriges Kind. Sie nahmen mich so, wie ich war. Jede Jungscharstunde wurde mit der Losung, einem Lied und Gebet abgeschlossen. Die Jugendarbeit der Gemeinde war der Ort, wo andere mir den Glauben vermittelt haben. Sie deuteten ihn und machten ihn mir verständlich. Sie stützten mich und standen mir in Anfechtungen bei. Als Mitarbeiter gab ich anderen weiter, was ich zuvor empfangen habe. Manchmal sogar bis heute morgen, hier im Gottesdienst.

Gemeinde Gottes hier vor Ort am Werder Platz oder in der Welt ist ein Ort, wo Menschen Zuflucht und Heimat finden, wie in einem festen Haus. Bedauerlicherweise sind unsere Kirchen zumeist abgeschlossen und widersprechen damit unserem Verständnis, dass das Haus Gottes offen und für jeden Menschen zugänglich sei. Die geschlossenen Kirchentüren bewahren nicht nur vor Zerstörungen, sie sind auch ein Hinweis darauf, wie unzugänglich und verschlossen wir für viele Menschen sind. Wir verteidigen Werte, die uns heilig sind und nicht beschmutzt oder zerstört werden dürfen.

Da ist es gut zu hören, dass es Gemeinden gibt, die Menschen Asyl bieten, damit sie nicht in den Tod hinein abgeschoben werden. Andere bieten Menschen, die wir gern als Außenseiter bezeichnen, Raum und Geborgenheit, Sie können kirchliche Räume zu nutzen. Sie sind geachtet und verstanden. Manchmal aber sind solche Räume echte Abstellräume.

Im Bild von der Gemeinde/Kirche als Haus Gottes fehlt nun noch der Stein, der alles zusammenhält. Ohne ihn wäre nichts. Das ist Jesus Christus. Er ist der Stein, auf den unser Glaube gründet. Nur durch ihn können wir lebendige Steine im Hause Gottes sein. Wer glaubt und getauft ist, gehört zu dem geistlichen Hause Gottes in dieser Welt. Ohne Christus ist zumindest christlicher Glaube in der Welt nicht möglich.

Wer an ihn glaubt, wird keinen Durst mehr haben nach dem Leben. # Joh 6,35
Wer an ihn glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wasser fließen. # Joh 7,38
Wer an ihn glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. # Joh 11,25
Wer an ihn glaubt, wird nicht in der Finsternis bleiben. # Joh 12,46
Wer an ihn glaubt, wird die Werke auch tun, die er tut und noch größere. # Joh 14,12

Christus ist der Stein, der uns zusammenhält, wie der Eckstein im Torbogen. Wir sind die Steine im Bogen, die vom Eckstein aufrecht gehalten werden. Noch mal: jeder Stein hat seine Aufgabe. Kein Stein ist austauschbar. Jeder Stein ist statisch unverzichtbar.

Christus, gestorben und auferstanden begründet unseren Glauben und die Gemeinde. Er hat uns in die Gemeinde eingefügt. Er gibt uns, was wir brauchen, für den Glauben in der Welt. Er gibt uns Hoffnung und ewiges Leben. Er hält alles zusammen. Ohne ihn stürzen wir ein. Wir sollten nicht meinen, ohne ihn, mit unseren Theologien und Anschauungen, mit unseren Organisationen, Geboten und Verboten könnten wir etwas bewirken.

Setzen wir im Hohenlied der Liebe 1 Kor 13 Christus statt Liebe ein. Dann heißt es immer: hätten wir aber Christus nicht, dann wäre alles nichts. Er ist A und O unseres Tun und Lassens. Auch dann, wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sein sollten. Er ist aber auch Stein des Anstoßes für alle, die nicht an ihn glauben. Ich denke aber, er ist auch Stein des Anstoßes für uns, weil er auch uns hinterfragt und unser Verstehen von Gott und der Kirche in Frage stellt und zurecht rückt.

Darüber allerdings sollten wir im gemeinsamen Gespräch und Gebet arbeiten.

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