Gottes Werk ist in dieser Welt noch nicht am Ende

Liebe Gemeinde,

noch wenige Stunden trennen uns von einem neuen Jahr, es kommt ganz sicher, wir können ganz ruhig darauf warten. Als kleines Kind musste ich am 31. Dezember immer schon um 8 Uhr ins Bett gehen und meine Eltern weckten mich dann wenige Minuten vor Mitternacht. Sie meinten das Warten würde mir zu langweilig und ich würde sowieso einschlafen und genau dann wenn das Feuerwerk kommt, würde ich nicht mehr wach werden. In unserem Bibelwort heute Abend geht es auch um´s Wachbleiben und um das Warten auf das was kommt. In zwei unterschiedlichen Gleichnissen lässt Lukas Jesus davon erzählen, dass noch etwas aussteht auf das es sich zu warten lohnt.

Das erste Gleichnis erzählt von einem Hausherren der auf einer Hochzeit ist, aber das Ende ist nicht abzusehen. Den Knechte zu Hause wird geraten wach zu bleiben,und auf ihren Herrn zu warten; deshalb legten sich nicht zur Ruhe, sondern warten „geschürtzt“ wir würden heute sagen mit „hochgekrempelten Ärmeln“ auf ihren Herren. Es könnte ja sein, dass er noch etwas braucht wenn er nach Hause kommt.

Das zweite Gleichnis erzählt uns von einem wachsamen Hausherren, der durch seine Wachsamkeit eine drohende Gefahr, nnämlich einen Dieb, der versucht ins Haus einzubrechen, abwenden kann.

Hintergrund dieser Geschichte bei Lukas, ist die sogenannte Parusieverzögerung. Mit diesem Fachbegriff wird das ernste Problem umschrieben, mit der die Christen zur damaligen Zeit zu kämpfen hatten, als Jesus nicht wie erwartet zurückgekommen ist. Die christlichen Gemeinden damals hatten tatsächlich die Vorstellung, dass der Weltenrichter in Kürze kommt zurück in die Welt kommen würde und sein Reich aufrichten wird. Doch, die Gemeinden waren inzwischen müde geworden immer und immer wieder zu hören: „Jesus kommt bald zurück“ aber es passierte nichts. Lukas rechnet noch ganz fest mit der Wiederkunft Jesu und so versucht zu erklären: „Die Wiederkunft Jesus, hat sich nur verzögert aber er wird ganz sicher kommen. So sicher wie der Herr von der Hochzeit zurückkommt und so sicher wie ein Dieb versucht in ein Haus einzudringen, so sicher wie das Amen in der Kirche.

Liebe Gemeinde, wir haben dazu gelernt. Wir können heute nicht mehr an dieser damaligen Vorstellung festhalten, dass plötzlich von einem Moment auf den andern Jesus, Gott auf die Erde kommen wird und dem allem hier ein Ende machen wird.

Mann kann nicht mehr davon ausgehen, dass sich das Kommen Jesu in der Weise vollzieht, wie es sich die Menschen damals vorgestellt haben und wie es in der Offenbarung besonders ausgeschmückt erzählt wird.

Haben die Knechte dann vergeblich ihr Zeit mit Warten zugebracht? Welche Zeit? Die Vorstellung was Zeit ist, hat sich seit damals ungeheuer gewandelt und wir können nicht mehr wie zu biblischen Zeiten von einer geradlinigen Zeitschiene ausgehen, auf der sich eine Sache nach der Anderen ereignen wird.

Alles hat seine Zeit haben wir vorhin in der Lesung gehört, aber müssen wir heute nicht sagen: „Alles ist relativ, auch die Zeit.“ Zeit ist nicht Zeit, das hat nicht zuletzt Einsteins Relativitätstheorie deutlich gemacht. Es ist schon allein schwer vorstellbar ist, dass im Weltraum die Zeit langsamer vergeht als bei uns auf Erden, noch weniger können wir uns vorstellen, was Zeit für eine Bedeutung im Universum hat.

Liebe Gemeinde, die ersten Christinnen und Christen haben ihr Leben dadurch gemeistert, dass sie die Hoffnung hatten: In Kürze wird etwas ganz großes geschehen, diese Welt, dieses Jammertal wird vergehen und ein ewiges Reich des Friedens, das neue Jerusalem wird vom Himmel her erscheinen.

Ich meine, dass wir uns von so einer Weltuntergangstheorie verabschieden sollten, wenn wir es nicht schon lägst getan haben. Ich glaube nicht, dass diese Welt durch ein plötzliches göttliches Weltgericht zu Ende geht. Wenn diese Welt vorzeitig zu Ende geht, dann nur weil wir Menschen sie vorzeitig zu Grunde richten durch Zerstörung unserer Lebensgrundlagen oder durch einen atomaren GAU.

Endzeitgleichnisse, wie sie heute der Predigt zugrunde liegen, haben für uns eine neue Bedeutung.

Was wir bleibend an den Endzeitgleichnissen festhalten sollen, ist der deutliche Hinweise, dass die Geschichte Gottes mit der Welt noch lange nicht abgeschlossen ist und das ganz sicher noch etwas aussteht.

Wenn wir uns in der Welt umschauen und all das Elend, Krieg, Hunger Leid und Zerstörung sehen. Das kann es ja wohl noch nicht gewesen sein, was Gott mit der Welt vorhattet. Dafür hat er doch nicht Jesus das Leben geschenkt. Dafür hat doch Jesus nicht bis zuletzt das Reich Gottes verkündet.

Gottes Werk ist in dieser Welt noch nicht am Ende, es steht noch etwas aus auf das es sich zu warten lohnt.

Die beiden Gleichnisse des Bibeltextes haben für mich deshalb etwas mahnendes und etwas ermutigendes. Das Mahnende: Trotz aller Relativität – für uns Menschen ist die Zeit endlich. Es besteht auch die Gefahr, dass wir unser Leben verschlafen, dass wir nicht wahrnehmen, dass wir eine Aufgabe in dieser Welt haben. Dass wir nicht wahrnehmen, dass es auf uns ankommt. Verschlafene Zeit können wir nicht Rückgängig machen.

Das Ermutigende: Es steht noch etwas aus, es lohnt sich zu warten und wir werden positiv überrascht sein, was noch alles möglich ist. Es steht noch etwas aus, es wird kommt, ohne das vorher die Welt in Stück fliegt muss.
Was aussteht ist schon unter uns und wer wachsam ist, wird es selbst erleben. Das Heil ist schon da und wächst wie das Senfkorn zum großen Baum. Haben wir nicht erst die Geburt Jesu gefeiert! Die Guten Mächte die uns umgeben sind schon da, sind Wirklichkeit. „Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet.“ schreibt Lukas. Selig ist, wer noch etwas erwartet vom Leben und von der Welt. Selig wer diese Welt noch nicht abgeschrieben hat.

In diesem Sinn möchte ich in das neue Jahr gehen: Ich möchte meine Augen nicht verschließen vor der Wirklichkeit und glauben, dass diese Welt noch nicht ist, was Gott gewollt hat für den Menschen.

Ich möchte glauben, dass diese Welt zu einer Welt werden kann, so wie Jesus es verheißen hat. Ich möchte glauben, dass noch etwas aussteht, auf das es sich zu warten lohnt und ich glaube, dass dieses warten ein aktives warten bedeutet, geschürtzt wie die Knechte im Gleichnis, dass heißt mit hochgekrempelten Hemdsärmeln. Ich glaube, dass Gott mich in dieser Welt noch braucht. Ich wünsche Ihnen das Sie diese Gewissheit wachhält auch im neuen Jahr.

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