Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig

Liebe Gemeinde,

"am Sonntagmorgen" war es noch dunkel. Dunkelheit gab es nicht nur im augenscheinlichen Sinn. Auch die Jünger wurden von einer undurchdringlichen Dunkelheit umgeben. Sie hatten sich von der Kreuzigung Jesu alle Hoffnungen durchkreuzen lassen. Es wurde und wird immer wieder versucht, die Jünger als besonders leichtgläubige Leute hinzustellen. Wer den heutigen Predigttext aufmerksam mitgehört hat, dem ist es aufgefallen: Hier wird fast so oft vom Unglauben geredet, wie vom Glauben! Keinesfalls konnte man den Jüngern die Auferstehung billig verkaufen. Sie glaubten ihren eigenen Leuten nicht, als diese kamen: "Jesus lebt! Wir haben ihn gesehen." Der auferstandene Jesus selbst muss die Sache ins rechte Licht rücken. Weniger hat nichts gebracht. Weniger bringt auch heute nicht.

1. Der Auferstandene besiegt Zweifler
Verkalkung nennen wir es, wenn die Gefäße verhärten und die Menschen vergesslich werden. Und wenn von Verkalkung reden, meinen wir es oft abschätzig. Von einer solchen Verhärtung oder Verkalkung spricht Markus. Denn die Jünger haben vergessen, was sie mit ihm erlebt haben. Die Jünger haben vergessen, dass Jesus ihnen gesagt hat, dass er auferstehen wird. So verkalkt, so verhärtet waren ihre Herzen und Gehirne. Ein unbeschreibliches Licht, eine herrliche Freude liegt über den Berichten der Auferstehung Jesu im neuen Testament. Und dann die Dunkelheit des Unglauben: V.14 Wenig später erschien Jesus den elf Jüngern, während sie gemeinsam aßen. Er wies sie zurecht, weil sie in ihrem Unglauben und Starrsinn nicht einmal denen glauben wollten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Mittendrin steht diese dunkle Szene, dieser erschreckende Bericht vom Verhalten der Jünger. Fröhlich sitzen nun die Jünger beim Mahl. Ich vermute: sie haben fest zugegriffen. In den Tagen der Angst haben sie kaum was gegessen. aber nun war Jesus ja auferstanden. Ihr Erretter und Erlöser war frei. "Des woll´n wir alle froh sein", hieß es nun. Und da erscheint auf einmal der Auferstandene. Freudig wollen ihn alle umringen. Doch – da erstarren sie vor Schreck – er fängt an sie zurecht zu weisen. Das Wort im Griechischen heißt: schmähen, beschimpfen. Das kennen wir vom Karfreitag, wo es hieß, dass einer der Verbrecher Jesus beschimpft. Solch harte Worte verwendet Jesus gegen seine Jünger. Wir haben viel gehört über die Oster-Freude, über den Oster-Trost und über das Oster-Licht. Aber hier hören wir von dem Oster-Zorn. Ja Jesus ist zornig. Er geht hart um mit seinen Jüngern. Ist der Zorn hier nicht sehr merkwürdig? Wir könnten uns gut vorstellen, dass Jesus zornig gewesen wäre über das Versagen seiner Jünger an Karfreitag, über ihr Verleugnen, über ihre Sünde. Doch davon sagt er kein Wort. Für die Schuld ist er ja gestorben. die Sünde hat er weggetragen am Kreuz. Aber – den Unglauben schilt er, dass sie seinen Worten nicht geglaubt habe. Hat er doch deutlich oft gesagt, dass er auferstehen werde. Und der Zweifel wandelt sich in Staunen. Da haben auch wir Dinge mit Gott erlebt. aber unser hartes Herz will es nicht fassen. Auch du musst dem auferstandenen begegnen, damit er deine Zweifel beseitigt. Glaube gibt es nur aus erster Hand. Und auch dein Zweifel wandelt sich in Staunen über das, was Jesus getan hat.

2. Der Auferstandene beauftragt Versager
Mit dem Staunen der Jünger ist die Ostergeschichte nicht zu Ende. Gerade erst zu neuem Glauben gekommen, stellt Jesus seine Leute in den Dienst: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die Heilsbotschaft." (V. 15). Wer Vertrauen enttäuscht, bekommt normalerweise nicht sofort eine neue Chance. Die Jünger hatten Jesus auf der ganzen Linie enttäuscht. Solche Versager aber werden jetzt neu in Dienst gestellt. Jesus überträgt ihnen die Aufgabe, die gesamte Welt mit seiner Botschaft zu erreichen. Jesus ist Chef der besonderen Art: Wen er beauftragt, dem gibt er auch die nötigen Fähigkeiten. Seine Menschen verwandelnde Kraft formt Menschen zu brauchbaren Werkzeugen um. Die Botschaft der Jünger ist von lebensentscheidender Bedeutung: In ihr bietet Jesus die Befreiung von aller Gottlosigkeit an. Die Trennung durch die Sünde soll überwunden werden. Befreiung von der Last des bösen Gewissens – wie oft geht uns Schuld nach, die schon lange vergangen ist, ein böses Wort oder Tat, schnell gesprochen und dann nur durch Vergebung aus der Welt zum schaffen. Befreiung von der Meinung anderer: wie oft machen wir Dinge nur deshalb, weil wir uns fragen was andere über uns denken. Befreiung für den Einsatz an anderen, zu Zuversicht und Hoffnung inmitten von Unsicherheit und Problemen. Hier ist auch der Punkt an dem du gefragt bist: jeder der von der Botschaft des Auferstanden ergriffen ist, darf in der Gemeinde mitarbeiten. Es gibt einen Platz in der Gemeinde, den nur du ausfüllen kannst, oder er bleibt leer und die Aufgabe wird nicht erledigt. Befreiung schenkt Jesus uns Christen schon jetzt. Alles zielt dabei auf den großen Tag, an dem Gottes Rettung, sein Reich und seine Herrlichkeit umfassend sichtbar werden. Aber auch die Kehrseite wird nicht verschwiegen: Außerhalb des Evangeliums, außerhalb der Verbindung mit Jesus Christus gibt es kein Heil und keine Rettung: "Wer aber nicht glaubt, der wird verurteilt werden." (V. 16). Wer sich der Botschaft von Gottes Erlösung verschließt, bleibt mit seinem Leben, seiner Schuld und seiner Gottesferne allein.

3. Der Auferstandene bevollmächtigt Schwache
Eine handvoll Menschen soll die Welt erreichen? Der Herr Jesus Christus lässt seine Leute nicht allein. Sie predigen, und er wirkt "mit ihnen und bestätigte ihr Wort durch Zeichen seiner Macht." (V. 20). Ohne die Mitwirkung dieses Herrn in der Kraft seines Heiligen Geistes wäre der Dienst von uns Christen ohne Chance. So aber handeln wir in höherem Auftrag und mit Gottes Bevollmächtigung. Der Auferstandene selbst sorgt für die Ausbreitung seines Wortes. Und dem Wort folgen die Zeichen. Sie zeigen an, dass dieses Wort wahr, fest und zuverlässig ist. In der Apostelgeschichte begegnen uns die ersten Christen bei der Verkündigung des Evangeliums. Und dort ereignen sich genau diese Zeichen, die Jesus angekündigt hatte. Heute trifft man immer wieder Christen, die diese Verse des Markusevangeliums besonders hervorheben. Sie fragen: Wo finden sich diese Wunder etwa im Rahmen unserer Gemeinde und Verkündigung? Und sie weisen auf Gruppen hin, in denen von solchen Zeichen berichtet wird. Da gibt es Gottesdienste, da fallen reihenweise Menschen um. Manchmal wäre es dann besser für sie, sie würden liegen bleiben, als sich ihrer scheinbar geistlichen Erfahrungen zu brüsten. Wenn wirklich das Evangelium des Auferstandenen gepredigt wird, sagen diese Leute, dann müssten diese Zeichen auch erkennbar sein. Diese Anfrage lässt sich nicht ohne weiteres abweisen. Doch wir dürfen nicht übersehen, dass es in unserer Gemeinde sehr wohl die begleitenden Zeichen Jesu Christi gibt. Allerdings geschehen diese in der Stille und nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Viele sind im Laufe der Kirchengeschichte geheilt worden, nachdem Christen für sie gebetet hatten. Auch heute werden Menschen durch unser Gebet gesund. Viele konnten von Situationen erzählen, in denen der Auferstandene in ihrem Leben eingegriffen hat: erhörte Gebete, bewahrtes Leben, Hilfe in auswegloser Lage. Oder wenn ich an die konfirmandenfreiweit denke, können einige Konfirmandinnen und Konfirmanden von ihren Erlebnissen mit Gott berichten. Vor allem muss eines klar bleiben: Die Zeichen folgen nach. Sie gehen weder voran, noch stehen sie in der Mitte. In der Mitte steht der Auferstandene mit seiner Botschaft der Rettung. Er besiegt die Ablehnung und den Unglauben. Er zerbricht die Härte der Herzen und erfüllt Menschen mit seiner Liebe. Und diese Rettungsbotschaft muss hinaus in die Welt. Dazu beauftragt er auch Schwache und Zweifler. Er ruft auch dich neu in seinen Dienst: Verkündigt allen die Gute Nachricht! Das muss nicht geographisch weit weg sein, sondern kann sich auf Menschen beziehen, die himmelweit von einer Kirchengemeinde und ihrem Gottesdienst entfernt sind, selbst wenn sie in unmittelbarer Nahe eines Kirchengebäudes wohnen.

Wenn Gott die Zweifler und Schwachen der ersten Stunde neu angenommen hat, dann kann er das auch mit uns tun. Denn damals und heute schickt er Menschen, die von Haus aus nicht das nötige Zeug für diese Aufgabe mitbringen. Sie brauchen den auferstandenen Herrn, der ihnen bei dieser Aufgabe hilft. Er selbst muss Zeichen setzen. Er selbst muss Menschenherzen umwandeln. Er tut das auch, denn er ist derjenige, der zur Rechten Gottes sitzt. Er steht selbst ein für den Erfolg seiner Sache. Wir sollen unseren Blick auf den Auferstandenen richten. Er sagt: "Selbst die Pforten der Hölle werden meine Gemeinde nicht überwältigen." Dafür gebührt ihm unser Lob. Daraufhin können wir getrost und zuversichtlich seine Aufgaben anpacken. Und vergesst nicht:

1. Der Auferstandene Jesus Christus besiegt den Zweifler.
2. Der Auferstandene Jesus Christus beauftragt den Versager.
3. Der Auferstandene Jesus Christus bevollmächtigt den Schwachen.

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